FC Union

Letzte Chance für Neuhaus

Unions Trainer darf kräftig umbauen. Allerdings wächst der Druck auf ihn dadurch auch enorm

Es liest sich schön. Am Mittwoch erhielt der 1. FC Union die Mitteilung, dass der Klub keinerlei Bedingungen oder zusätzliche Auflagen erfüllen muss, um in der nächsten Saison in der Zweiten Liga Fußball spielen zu dürfen. Lizenz erteilt, mit Bestnoten. Was nichts anderes heißt als: Der Verein ist gesund, den Köpenickern geht es richtig gut.

Wirtschaftlich stimmt das auch, sonst aber liegt seit Wochen ein schweres Stimmungstief über der Alten Försterei. Die Ergebnisse sind frustrierend, nur eines der vergangenen neun Spiele wurde gewonnen. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hatte man geliebäugelt, nach und nach aber feststellen müssen, dass der Kader dazu nicht ausreichend befähigt ist. Union schien knapp am Ziel vorbeizuschrammen, stürzte dann allerdings richtig ab. Mit der Folge, dass personell jetzt heftig durchgerüttelt wird.

Seit Dienstagabend steht fest, dass mindestens sechs Spieler den Verein verlassen werden. Bei den altgedienten Jan Glinker und Christian Stuff stand es schon länger fest, dass die auslaufenden Verträge nicht verlängert werden. Auch bei Patrick Kohlmann und Marc Pfertzel, der im SV Sandhausen bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden hat, war dies zu erwarten gewesen. Sehr überraschend kam jedoch die Ankündigung, dass Baris Özbek und Adam Nemec sich einen neuen Verein suchen können. „Klare Worte sind für alle Seiten das Beste“, sagt dazu Nico Schäfer, der Manager des Klubs.

Diese Entscheidungen entbehren nicht einer gewissen Brisanz. Zum einen besitzen der Mittelfeldspieler und der Stürmer Kontrakte bis 2016, zum anderen war Özbek im Januar 2013 als Wunschspieler von Trainer Uwe Neuhaus nach Berlin gekommen. Nemec’ Vertrag wurde sogar erst im Dezember verlängert, mit Option bis 2017. Neuhaus gesteht also schwere Fehlgriffe ein. „Einige Spieler verlassen uns nach vielen Jahren vertrauensvoller Zusammenarbeit. Andere konnten nicht den Beweis antreten, dass sie uns wie erhofft entscheidend weiterbringen“, so der 54-Jährige. Er demonstriert allerdings auch den Willen, diese Fehler mit aller Härte zu korrigieren. Obwohl die Maßnahmen durchaus dazu führen könnten, dass einer der Spieler seine Vertragslaufzeit aus Protest einfach absitzt.

Das darf als Vertrauensbeweis der Klubführung gegenüber dem Trainer gewertet werden. Zumal das Aussortieren von vertraglich gebundenen Profis kaum erledigt sein dürfte. „Damit ist die Überprüfung des Kaders jedoch nicht abgeschlossen“, sagt Schäfer. In seiner gut siebenjährigen Amtszeit hat Neuhaus einige Verdienste um Union vorzuweisen, dafür genießt er einen hohen Kredit.

Jetzt könnte allerdings die letzte Rate abgerufen werden. Unter den Fans macht sich längst eine Stimmung gegen den Trainer breit, und Präsident Dirk Zingler hat oft genug durchklingen lassen, dass er die Bundesliga anstrebt. Der Familienfrieden ist selbst auf den höheren Vereinsebenen nicht mehr bedingungslos gegeben. Neuhaus steht also auch unter dem Druck, mit seiner für den Verein kostspieligen Freiheit möglichst erfolgreich umzugehen. Ansonsten dürfte er als nächster zur Disposition stehen. „Wir werden alles hinterfragen, auch uns selbst, und wir werden einiges verändern müssen, um in der kommenden Saison konstant gute Leistungen abrufen zu können“, sagt der Trainer. Wirtschaftlich ist Union da schon weiter.