Tennis

Auf Steffi Grafs Spuren

In Australien wollen die deutschen Tennisspielerinnen den Einzug ins Fed-Cup-Finale schaffen

Karierte Schlafanzüge als Geschenke und eine Auslosung im größten Koala-Park der Welt: Das deutsche Fed-Cup-Team erlebt in diesen Tagen in Australien viel Aufregendes. Ab Sonnabend aber zählt nur noch die Konzentration auf die Mission Finale – es wäre der größte Erfolg seit 22 Jahren. „Wir wollen ein kleines Stück Tennis-Geschichte für unser Land schreiben. Den Pott zu gewinnen, ist unser Traum“, sagte Andrea Petkovic vor dem Halbfinale gegen Gastgeber Australien in Brisbane.

Die Siegerin des Turniers von Charleston eröffnet das Duell gegen die frühere US-Open-Gewinnerin Samantha Stosur. Petkovic ist die Vorfreude auf den Schlagabtausch auf dem schnellen Hartplatz in der Pat-Rafter-Arena (5500 Zuschauer) anzumerken. „Der Fed Cup ist immer sehr emotional für mich. Es sind die Spiele, die einem selbst am meisten im Gedächtnis bleiben“, sagte die Weltranglisten-28. aus Darmstadt.

Deshalb ist sie froh, dass sie gegen Nationalheldin Stosur beginnen darf: „Gut so, denn ich verliere beim Anfeuern der anderen immer sehr viel Energie.“ Stosur hat Respekt vor der Hessin. „Andrea ist gut drauf und stärker, als es ihr Ranking aussagt“, meint die New-York-Gewinnerin von 2011.

Zufrieden mit dem Los war auch die deutsche Nummer eins Angelique Kerber. Die Weltranglistensiebte spielt im zweiten Einzel im Duell zweier Linkshänderinnen gegen Casey Dellacqua. „Es wird schwer. Aber wir haben ein Ziel. Wir wollen gewinnen und ins Finale“, betonte Kerber, die die Siegchancen auf „50:50“ beziffert. Gutes Omen: Die Kielerin hat bislang sämtliche Hartplatzpartien im Fed Cup gewonnen.

Am Sonntag spielt zunächst Kerber gegen Stosur, danach trifft Petkovic auf Dellacqua. Für das abschließende Doppel sind Julia Görges (Bad Oldesloe) und Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) vorgesehen, die gegen Dellacqua/Ashleigh Barty einen schweren Stand haben dürften. Die beiden standen 2013 in drei der vier Grand-Slam-Finals. Die formschwache Berlinerin Sabine Lisicki wurde nicht nominiert.

Als Wegbereiter für den ersten Finaleinzug seit 1992 soll den Deutschen der enorme Teamgeist dienen. Bei der Auslosung in einem Tierpark namens Lone Pine Koala Sanctuary kicherten und scherzten die Vier wie beste Freundinnen. Und das umgeben von Echsen, Kängurus, Schafherden und laut singenden Vögeln. Jede Spielerin durfte zudem einen Koala auf den Arm nehmen. Thema inmitten dieses Ambientes waren auch die Schlafanzüge mit karierten Hosen, die die Mannschaft beim Dinner im Hotel Stamford Plaza von den Australierinnen geschenkt bekommen hatten.

Allerdings weiß Teamchefin Barbara Rittner, dass ihre Auswahl in Queensland hellwach sein muss, um vom dritten Titel nach 1987 und 1992 träumen zu dürfen. Damals war Steffi Graf noch die Nummer eins im Team und der Welt. „Die Australierinnen werden dagegenhalten, aber wir werden uns zerreißen“, sagte sie. Die Experten sehen Kerber, Petkovic und Co. leicht im Vorteil. „Ich denke, dass die Mädels eine gute Chance haben“, sagte Ex-Profi Anke Huber, Fed-Cup-Siegerin 1992, bei eurosport.yahoo.de: „Die sind alle super drauf, und daher sehe ich dem Halbfinale gegen Australien sehr positiv entgegen. Ich würde sagen: Wir gewinnen!“