Eishockey

Mit Härte zur historischen Premiere

Der ERC Ingolstadt steht erstmals im Eishockeyfinale und trifft dort auf die Kölner Haie

Es ist Jubiläumszeit, beim ERC Ingolstadt und in der Deutschen Eishockey-Liga. Vor 50 Jahren wurde der Klub gegründet, vor 20 die DEL. Mit dem Slogan, den die Oberbayern auf ihre Homepage gestellt haben, lässt sich also etwas anfangen. Er handelt davon, Geschichte zu schreiben. Es ist eine Absichtsbekundung, dabei haben die Ingolstädter ihren Platz in den Annalen längst sicher.

Noch nie in der DEL-Historie schaffte nämlich eine Mannschaft, welche die Punkterunde als Neunter beendet hatte, den Sprung ins Finale. Überhaupt kam noch kein Team aus Ingolstadt so weit. Kein Wunder also, dass die Fans nach dem Erfolg in der Vorschlussrunde schon zünftig feierten. „Wir freuen uns unglaublich auf das Finale. Ich kann die Glücksgefühle noch gar nicht beschreiben“, sagt Stürmer Christoph Gawlik. Trotz aller geschichtlichen Dimensionen ist die Mission jetzt natürlich nicht beendet. Von Donnerstag an (19.30 Uhr, Servus TV) sollen in den maximal sieben Partien der Finalserie nun die favorisierten Kölner Haie spüren, was den ERC Ingolstadt in dieser Saison zu einem Play-off-Phänomen hat mutieren lassen.

Erwarten jedenfalls durfte all das niemand. Na gut, vor der Saison vielleicht schon, der Klub zählt zu den finanzstärkeren der Liga, seit der DEL-Zugehörigkeit 2002 wurde stets viel investiert, die Ambitionen waren immer hoch. Genauso kontinuierlich enttäuschte das Team. Ähnliches deutete sich vor gut sechs Wochen wieder an, der ERC rutschte in der Tabelle nach unten und schien schon vor dem Play-off aus dem Rennen zu sein.

Dann begann die Wandlung. „Wir haben uns in der Defensive brutal verbessert“, sagt Verteidiger Tyler Bouck. Trotz des Nachteils, immer auswärts beginnen zu müssen, wurde Titelverteidiger EHC Eisbären im Pre-Play-off, der Zweite Krefeld im Viertelfinale und Hauptrundensieger Hamburg im Halbfinale rausgeworfen. Mit zudem starken Leistungen des neuen Torhüters Timo Pielmeier, körperbetontem Stil und einer sehr starken Offensive um DEL-Play-off-Topscorer Thomas Greilinger entstand ein Paket, das niemand öffnen konnte. Pielmeier schwärmt: „Das ist unglaublich. Viele haben an uns gezweifelt.“

Die meisten Zweifel begleiteten Trainer Niklas Sundblad. Erst im vorigen Sommer war der Schwede nach Ingolstadt gekommen, natürlich als Hoffnungsträger. Doch bald wurde er kritisch beäugt. Sundblad ist ein harter Hund, ein Schleifer. Seine Philosophie: „Je härter du trainierst, desto einfacher fallen dir die Spiele. Ich fordere viel von meinen Spielern im Training. Je härter sie im Training arbeiten, desto weniger muss ich im Spiel herumschreien.“

Einige der Schwächephasen in der Punkterunde wurden seinem Extremprogramm angelastet, Sundblads Job stand deshalb mehr als einmal auf der Kippe. Inzwischen sollten ihm zwar alle danken, wie auch Benoit Laporte als Trainer der Hamburger findet: „Ingolstadt hat in der Vorrunde nicht gut gespielt. Aber Sundblad hat die Gruppe zusammengehalten, das ist sehr gute Arbeit von einem Leader.“ Einen Vertrag über die Saison hinaus besitzt er trotzdem nicht. Seine Argumente könnten allerdings noch besser werden. Vor seinem Engagement beim ERC war Sundblad vier Jahre in Köln tätig, zwei davon als Assistent von Trainer Uwe Krupp. Vorige Saison verloren sie gemeinsam das Finale gegen Berlin. Sundblad kennt den Gegner also sehr gut, er weiß, wie Krupp denkt. Oft heißt es auch, dass Krupp mehr von Sundblad lernen konnte als Sundblad von Krupp. Gute Aussichten also, um das Klubjubiläum zu krönen.