Fußball

Alte Försterei wird zum Lazarett

Beim Zweitligisten Union häufen sich im Saisonendspurt die Verletzungen

Martin Dausch griff sich nach einem Zweikampf mit Torwart Daniel Haas an den linken Oberschenkel. Benjamin Köhler humpelte nach einem Tackling über den Rasen und griff sich an den rechten Knöchel. Björn Jopek musste sich nach einem Zweikampf die linke Hand verbinden lassen. Patrick Kohlmann blieb der Trainingseinheit, die die Mannschaft des 1. FC Union am Mittwochmittag absolvierte, sogar gänzlich fern – den Linksverteidiger plagen Schmerzen an der Innenkante des Schienbeins. Auch Ersatztorwart Jan Glinker, geschwächt durch Magen-Darm-Probleme, musste passen.

Nimmt man die Verletzung von Mario Eggimann, dem nach seinem Riss des rechten Außenbandes im Fuß sogar das vorzeitige Saisonende droht, und auch Torsten Mattuschka, dessen bandagierte rechte Hand Dokument eines Trainingsunfalls vom Dienstag ist, muss man unumwunden festhalten: Der Berliner Fußball-Zweitligist ist auf den letzten Metern der Spielzeit 2013/14 nicht gerade vom Glück verfolgt.

„Das Training war schon engagiert“, sagte Trainer Uwe Neuhaus: „Es war keine Schlacht, die für die Woche eröffnet wurde. Ich verlange einfach nur normales Wettkampftraining, so wie es sich gehört und wie man sich die Sicherheit im Training holt.“ Die Spuren, die jenes Wettkampftraining hinterlassen hat, waren jedoch nicht zu übersehen. Und für zwei Akteure besonders bitter.

Da ist zum einen Martin Dausch. Gerade zu dem Zeitpunkt, als der ehemalige Aalener es endlich geschafft zu haben scheint, bei Union angekommen zu sein, muss er den nächsten Rückschlag hinnehmen. Sein Gesichtsausdruck, mit dem er nach dem vorzeitigen Trainingsende in Richtung Kabine humpelte, lässt für die Partie am Sonnabend beim Karlsruher SC (13 Uhr, Sky) jedenfalls nichts Gutes erahnen. Dabei hatte sich der Mittelfeldspieler gerade in den vergangenen Partien seinen Platz in der Startelf erarbeitet, um den er so lange vergeblich hatte kämpfen müssen. Über Monate gab es kein Vorbeikommen an Köhler, dann die Augenkrankheit seines Sohnes Luca, durch die der Fokus – verständlicherweise – nicht hundertprozentig auf den Sport gerichtet war.

Noch nach dem Köln-Spiel (1:2) zeigte sich Dausch entspannt. „Ich freue mich trotz der Niederlage schon über mein erstes Saisontor“, erklärte er. Der Druck, den er sich über Monate auferlegt hatte, schien abgefallen zu sein. Sogar der Coach lobte ihn für seinen Treffer gegen den designierten Bundesliga-Aufsteiger, mit dem er sich für seine „vielen Laufwege“ belohnte. Nun droht eine Zwangspause.

Zum anderen scheint die Zeit für Kohlmann bei Union mehr denn je zu Ende zu gehen. Der Abwehrspieler braucht noch Einsätze, um die Option aus seinem Vertrag erfüllen zu können. Die Rede ist gar davon, dass er alle verbleibenden vier Partien bestreiten müsste. Ein schmerzendes Schienbein, dass einen Einsatz in Baden gefährdet, ist da wenig hilfreich.

Kohlmanns möglicher Ausfall macht eine Rückkehr von Michael Parensen wahrscheinlicher. Der Defensivmann hat erst am Montag der Vorwoche seinen Nasenbeinbruch operieren lassen. Am Mittwoch probierte es Parensen erstmals mit einer Maske. Der Erfolg war überschaubar: Nach wenigen Sekunden riss sich der Union-Profi den Schutz vom Gesicht, die Maske drückte schlicht und einfach. Wenn er zum Einsatz komme, so Parensen, dann nur ohne Maske.

Die Fitness dürfte jedenfalls vorhanden sein, „er hat die ganze Zeit körperlich arbeiten können. Ich glaube, dass er bereit steht“, sagte Trainer Neuhaus. Ob die anderen angeschlagenen Sorgenkinder es bis zum Sonnabend auch werden, darf zumindest bezweifelt werden.