DFB-Pokal

Spaziergang ins Traumfinale

Bayern zieht durch ein 5:1 gegen Kaiserslautern ins Pokalendspiel ein und freut sich auf Dortmund

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte es ja schon vorher gewusst. Jedenfalls erschien auf der Homepage des Verbandes in seinem Presseportal bereits Stunden vor dem Pokal-Halbfinale zwischen Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern der Hinweis: „Am Samstag, den 17. Mai 2014, stehen sich im Berliner Olympiastadion Borussia Dortmund und der FC Bayern München im Finale um den DFB-Pokal gegenüber.“ Ein bisschen vorschnell zwar, aber der Deutsche Meister und Titelverteidiger machte die Voraussage wahr. Das Team von Trainer Pep Guardiola besiegte den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern nach einer guten, aber nicht überragenden Vorstellung mit 5:1 (2:0). Der DFB entschuldigte sich für den Fauxpas mit dem Hinweis, es habe sich um einen „technischen Fehler“ gehandelt.

Sammer ist gar nicht zufrieden

Auch wenn der Glanz fehlte, hat der FC Bayern auf seinem Weg zur Triple-Verteidigung damit das Traumfinale perfekt gemacht. Die Münchner stehen schon zum 20. Mal im Finale, in Berlin greift der Rekordtitelträger nach seinem 17. Sieg. Dabei kommt es gegen Dortmund, das in seinem Halbfinale den VfL Wolfsburg besiegt hatte (2:0), zur Neuauflage des Endspiels von 2012. Damals hatte der BVB 5:2 gewonnen.

Bastian Schweinsteiger (23.), Toni Kroos (32.), Thomas Müller (50./Foulelfmeter), Mario Mandzukic (78.) und Mario Götze (90.+1) erzielten in der ausverkauften Münchner Arena die Treffer für den Titelverteidiger. So ballsicher, leichtfüßig und schwungvoll wie bis weit hinein in die Rückrunde traten die Gastgeber aber trotz bester Besetzung erneut nicht auf. Die große Ausnahme war Arjen Robben, der den ersten Treffer per Eckball vorbereitete, den zweiten nach starkem Dribbling auflegte und vor dem dritten den Elfmeter herausholte. Danach verkürzte Simon Zoller für die stets mutigen Gäste zum 3:1 (60.).

„Die Kritik in den vergangenen Wochen war mir ein bisschen zu viel. Es ist irgendwo menschlich, dass man ein oder zwei Gänge zurückschaltet, wenn man Meister ist“, sagte Kroos, „ich freue mich auf das Finale, und wir wollen natürlich gewinnen.“ Sein Sportvorstand Matthias Sammer verstand die Kritik sehr wohl, er erneuerte sie sogar: „Ich habe das Gefühl, wir brennen nicht“, bemängelte er. Vor dem anstehenden Halbfinale in der Champions League gegen Real Madrid erwarte er nun eine Reaktion, denn „wir müssen uns die Frage stellen, ob wir noch zwei Titel wollen“.

Der Gegentreffer, erst der zweite im laufenden Wettbewerb, passte zum Gesamteindruck. Schönen Kombinationsfußball bekamen die 71.000 Zuschauer nicht zu sehen – trotz klarer Überlegenheit fehlten den Bayern wie schon in den vergangenen Spielen Passsicherheit und Feinabstimmung. Der erste Treffer fiel bezeichnenderweise aus einer Standardsituation, dem zweiten ging die Einzelaktion von Robben voraus, der dritte war ein Elfmeter, den Müller zu seinem siebten Pokaltreffer in dieser Saison verwandelte. Erst in der zweiten Halbzeit, als bei den Lauterern die Kräfte und damit zunehmend die Ordnung nachließen, wirkten die Bayern lebhafter, waren aber auch, wie beim Gegentreffer zu erkennen, nicht richtig konzentriert.

Diesmal keine Experimente

Nach drei Spielen ohne Sieg und dem bitteren 0:3 gegen Dortmund in der Bundesliga hatte Guardiola auf Experimente verzichtet: Er schickte gegen die Pfälzer, die in der zweiten Runde Hertha BSC (3:1) ausgeschaltet hatten, die vermeintlich beste Mannschaft aufs Feld. Nur Manuel Neuer fehlte – der Nationaltorhüter war vergangenen Sonnabend bei der Pleite gegen den BVB zur Halbzeit wegen einer Wadenverletzung ausgewechselt und durch Lukas Raeder vertreten worden. Der 20 Jahre alte Regionalliga-Schlussmann kam dadurch zu seinem zweiten Einsatz bei den Profis.

Wie angekündigt, versteckte sich Kaiserslautern nicht. Ähnlich wie vier Tage zuvor der BVB attackierte der Tabellenvierte der 2. Liga den FC Bayern sehr früh – allerdings fanden die Gastgeber diesmal schneller Lücken in der gegnerischen Abwehr: Einen Kopfball von Thomas Müller verlängerte Florian Dick an die Latte des eigenen Tores (9.), Mario Mandzukic zielte nach Flanke von Müller daneben (12.). Danach taten sich die Bayern aber weiter schwer, ehe eine Standardsituation half: Schweinsteiger köpfte nach einer Ecke von Robben ein.

Die Führung verlieh den Bayern noch keinen großen Schwung. Richtig Fahrt nahmen sie erst nach dem 3:0 auf. Vor und nach dem Gegentreffer durch Zoller, den Jerome Boateng für einen Moment aus den Augen verloren hatte, nahm die Anzahl guter Torchancen zu. Die letzte Konsequenz aber fehlte bisweilen.

„Ich denke, wir haben uns hier gut und teuer verkauft“, sagte der Lauterer Torschütze. Auch Bayern-Regisseur Franck Ribéry fand lobende Worte für den Gegner: „Sie kämpfen immer und geben nie auf. Für uns war es sehr wichtig, dass wir nach dem 0:3 gegen Dortmund die richtige Reaktion gezeigt haben.“ Am 17. Mai können die Bayern das noch einmal tun. Und dann wird es für sie noch viel wichtiger sein.