Hertha BSC

Luhukay schimpft über alles – nur nicht über Wagner

Stürmer sammelt Argumente in der Ramos-Nachfolge

Der eine lächelte, der andere war immer noch sauer. Adrian Ramos joggte am Montagmorgen über den Schenckendorffplatz und wirkte ganz zufrieden. Es war schließlich das erste Mal seit seiner Oberschenkelverletzung vor einer Woche. Sandro Wagner joggte nicht, ihn zwickte die Achillessehne. Am Nachmittag schob er den Kinderwagen vor sich her, zufrieden wirkte er nicht.

Eigentlich hätte es mindestens einen guten Grund für Wagner gegeben, ein bisschen weniger missmutig zu sein. Weil Ramos ausfiel, durfte der Hertha-Stürmer gegen Leverkusen von Beginn an auflaufen – erst zum zweiten Mal in dieser Saison. Und weil ja nach dem Abgang des Kolumbianers zum BVB im Sommer die halbe Stadt grübelt, wer Ramos denn in Zukunft ersetzen soll und Wagner mit einem Tor gegen die Werkself seinen eigenen Namen in die Lostrommel geworfen hat, hätte die Stimmung beim 26-Jährigen gelöster sein können. „Ich bin immer noch verärgert. Einfach unverständlich“, sagte Wagner stattdessen und meinte damit die schwache Anfangsphase gegen Bayer, durch die Hertha das Spiel 1:2 verlor. Schon direkt nach der Partie hatte Wagner über die naive Abwehrarbeit geschimpft und deutliche Worte gefunden. Sein Trainer Jos Luhukay schimpfte über alles, nur nicht über Wagner: „Mit ihm war ich zufrieden. Er hat ein schönes Tor geschossen und dafür gesorgt, dass die Bayer-Defensive mächtig zu tun hatte.“

Keine Angst vor der Konkurrenz

Im ersten Saisonspiel ohne Ramos, das auch ein Testlauf für eine Zukunft nach dem 16-Tore-Stürmer war, hat Wagner Argumente für sich gesammelt. Den kantigen Worten nach der Partie waren kantige Zweikämpfe vorausgegangen. Ein bisschen Ellenbogeneinsatz hier, ein bisschen Rummotzen dort. Vielleicht war es Wagner so vorgekommen, dass es auch in der Diskussion um die Ramos-Nachfolge an der Zeit sei, die Ellenbogen auszufahren. Denn sein Name war diesbezüglich ungenannt geblieben: „Mir ist egal, wer kommt“, sagte Wagner am Montag. „Ich brauche keine Ansagen, dass ich wichtig bin. Wichtig ist nur, was der Trainer über mich denkt.“

Luhukay wird auch gegen Bayer aufgefallen sein, dass sein bevorzugtes Konterspiel mit Wagner in der Sturmspitze keine Früchte trägt. Wagner ist ein Zielspieler im Strafraum und ein Unruhestifter bei gegnerischen Verteidigern. Ein schneller Konterstürmer ist er nicht. Doch Luhukay wird gern vernommen haben, dass Wagner neben dem Platz das Wort ergreift, wenn wie gegen Leverkusen das Wort zu ergreifen ist. Und dass er andererseits kaum Worte über mehr Einsatzzeit verlauten lässt. Zwar sagte Wagner: „Ich wünschte mir sicher mehr Spielzeit, und die Situation ist nicht einfach für mich.“ Doch er sagte dann auch Sätze wie diese: „Ich stelle keine Forderungen und ziehe hier mein Ding durch. Egal wer kommt.“