Interview

„Dortmunds Bank muss stärker werden“

Ottmar Hitzfeld über die Dominanz der Guardiola-Bayern und die Schwächen des BVB

Mit Borussia Dortmund gewann Ottmar Hitzfeld, 65, zweimal die Deutsche Meisterschaft und 1997 die Champions League. Mit dem FC Bayern wurde er fünf Mal Meister, dreimal DFB-Pokal-Sieger und gewann 2001 erneut Europas Königsklasse.

Berliner Morgenpost:

In der Vorsaison wurden die Bayern mit 25 Punkten Vorsprung auf Dortmund Meister. Wieso ist der Abstand in dieser Saison wieder ähnlich groß?

Ottmar Hitzfeld:

Der Abstand ist zu groß geworden, das finde ich für die Dortmunder Fans enttäuschend. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass der BVB in dieser Saison bislang unglaublich vom Verletzungspech verfolgt worden ist. Sie haben nicht diese Weltklasse-Ersatzbank wie der FC Bayern und können Ausfälle nicht so ohne weiteres kompensieren. Trotzdem war die Borussia lange in allen Wettbewerben dabei und hat jetzt noch Chancen auf den DFB-Pokal, sie kann meines Erachtens nach zufrieden sein.

Braucht Dortmund mehr Stars, um den Abstand zu verkürzen? Reicht ein Zugang wie Adrian Ramos, um international das Niveau zu halten?

Dortmund verliert nach Mario Götze in Robert Lewandowski wieder einen Weltklasse-Spieler. Davor hatten Lucas Barrios und Shinji Kagawa den Klub verlassen. Es ist schwierig für einen Verein, der wirtschaftlich vernünftig handeln muss, nach solchen Abgängen wieder Weltklass zu verpflichten. Die Verantwortlichen der Borussia wissen, dass ihre Bank stärker werden muss. Der interne Konkurrenzkampf muss intensiver werden. Nur so kann man langfristig um die Meisterschaft mitspielen.

Pep Guardiola begeistert. Was hat Sie bei ihm bislang am meisten beeindruckt?

Man kann es nicht hoch genug einschätzen, wie er die Mannschaft in Sachen Pressing und Ballbesitz nochmal verbessert hat. Und bei der Passgenauigkeit.

Guardiola will wie sein Vorgänger Jupp Heynckes das Triple gewinnen. Wovon ist sein Erfolg abhängig?

Es ist nicht einfach, immer wieder die nötige Spannung aufzubauen. Nach dem Meistertitel fällt die Konzentration automatisch etwas ab. Druck ist aber wichtig, er erzeugt automatisch auch immer Energie. Diesen Druck muss ein Trainer aufrecht erhalten und in die richtigen Bahnen lenken.

Ein großes Medienthema ist derzeit Jürgen Klopp, wegen seiner Emotionen. Oliver Kahn empfahl dem BVB-Trainer indirekt, Sie als Vorbild zu nehmen.

Das Lob von Oliver freut mich. Vor 30 Jahren habe ich mich nicht anders verhalten, ich bin die Seitenlinie rauf und runter getigert. Da gab es die Coaching-Zone noch nicht. Man versucht, Einfluss auf den Schiedsrichter und die Spieler zu nehmen. Irgendwann wird man ruhiger. Ich glaube, Jürgen Klopp wird mit 60 Jahren auch anders sein.