Champions League

Entdeckung der Zweifel

Pep Guardiola und sein schwerstes Spiel beim FC Bayern: Gegen Manchester fordert er Mut

Mit Bier hat er es weiterhin nicht so. Auch nach einem knappen Jahr Leben in Bayern zieht Pep Guardiola ein Glas Wein vor. Als Einsatz für ein kleines Spielchen ist dem Trainer des FC Bayern der Gerstensaft allerdings willkommen. „Wayne Rooney wird spielen. Zu hundert Prozent! Ich wette gern um ein Glas Bier“, sagt Guardiola.

Heute empfängt seine Mannschaft im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League Manchester United (20.45 Uhr, ZDF). Rooney ist dabei (siehe Artikel rechts). Guardiola gibt sich selbstsicher. Er wirkt, als könne er den Anpfiff kaum erwarten. Gleichzeitig dürfte auch die Anspannung zu seiner Aufgekratztheit beitragen. Seit er in München ist, war der Druck noch nie so groß.

„Nur“ ein 1:1 im Hinspiel, mit Bastian Schweinsteiger und Javi Martinez zwei Spieler gesperrt, etliche Verletzte – darunter Thiago und Xherdan Shaqiri – und drei Spiele in Folge ohne Sieg. Die Bayern und Guardiola haben viel zu verlieren. „Wir haben nur 14 Spieler aus der ersten Mannschaft. Und in Toni Kroos nur einen Spieler für das zentrale Mittelfeld“, so Guardiola. Zudem darf sich Nationaltorwart Manuel Neuer nicht verletzten oder des Feldes verwiesen werden. In diesem Fall müsste Leopold Zingerle, 19, einspringen, der weder Erfahrung in der Bundesliga noch in der Champions League hat. Die Ersatztorhüter Tom Starke und Lukas Raeder sind ebenfalls verletzt.

„Es geht um Tod oder Leben“, sagt Guardiola, und meint es im sportlichen Sinne. „Wir werden am Donnerstag alle noch leben, aber natürlich ist es für große Vereine sehr wichtig, ins Halbfinale zu kommen. Es ist unser Traum.“ Aber erstmals in der Ära Guardiola scheint die Verbindung der Wörter Ausscheiden und Bayern zumindest nicht mehr völlig absurd. Ein Aus im Viertelfinale, das wäre ein „großes mistake“, eine große Fehlleistung, „dessen bin ich mir bewusst“, so Guardiola. Die bisherige Ligasaison mit all den beeindruckenden Rekorden seien unglaublich, aber er sei nicht für Rekorde und Superstatistiken zum FC Bayern gekommen, sagt Guardiola: „Ich muss in der Lage sein, dieses Triple zu holen. Ich akzeptiere das.“ Ist das 1:1 aus dem Hinspiel ein schlechtes Ergebnis? „Es ist ein Champions-League-Ergebnis“, sagt Guardiola. „Man konnte nicht erwarten, dass wir einfach so gewinnen.“

Guardiola will seinen Profis klarmachen, dass sie immer noch die Bayern 2013/2014 sind. „Ich bin mir sicher, ins Halbfinale zu gehen. Wenn wir Selbstzweifel haben“, betont Guardiola, „dann wird es schwer.“ Ein 0:0 würde dank der Auswärtstor-Regel reichen. Aber: „Darauf können wir nicht spekulieren“, so der Trainer.

Seit der ehemalige Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung verurteilt ist, haben die Bayern nur eines von vier Spielen gewonnen – das 3:1 bei Hertha, der Sieg, der die vorzeitige Deutsche Meisterschaft perfekt machte. Hoeneß soll heute ins Stadion kommen.