Leichtathletik

„Ich schäme mich für solche mafiöse Strukturen“

Robert Harting streitet sich mit DOSB wegen seiner Lotterie

Zwischen Diskus-Olympiasieger Robert Harting und Sport-Funktionären kracht es mal wieder gewaltig. „Ich schäme mich als Leistungssportler und Olympiasieger für solche mafiösen Strukturen“, sagte der Berliner der „FAZ“. Dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Landessportbünden wirft Harting vor, seine geplante Deutsche Sportlotterie (DSL) verhindern zu wollen. „Am Anfang wurden wir belächelt, in der mittleren Phase schickte man uns mit perfektem Politikerdeutsch auf den Heimweg. In der dritten Runde sind wir beschimpft worden – wie wir es wagen könnten, ohne den DOSB solch ein Unternehmen aufzubauen.“

DOSB-Präsident Alfons Hörmann konterte, die Formulierungen wären „absolut inakzeptabel“. Hintergrund des Streits ist, dass Harting mit einem Partner eine private Sportlotterie gegründet hat, die inzwischen auch von Unternehmen wie Lufthansa und der Telekom unterstützt wird. Mit ihren Gewinnen sollen künftig Spitzensportler gefördert werden, sie muss aber erst noch lizenziert werden. Die Sportverbände befürchten, dass in diesem Fall ein „Kannibalisierungseffekt“ eintritt. Laut Hörmann müsse man sehen, „dass die staatlichen Lotterien die wichtigsten Partner im Breitensport und in der Sportentwicklung sind. Der Sport profitiert jährlich mit rund 500 Millionen Euro von ihnen. Dies gilt es zu berücksichtigen und kann nicht einfach vom Tisch gewischt werden.“

Harting wirft den DOSB-Präsidiumsmitgliedern Walter Schneeloch und Hans-Peter Krämer, Generaldirektor Michael Vesper sowie staatlichen Lottogesellschaften vor, einen massiven Widerstand gegen seine Lotterie zu betreiben. „Die Gruppe um Vesper hat sich vorgenommen, wenn sie schon nicht dabei sein können, das Sportlotto zu verhindern“, sagte er. Schneeloch weist das laut „FAZ“ zurück, doch Harting behauptet: „Alle Landessportbünde haben einen gemeinsamen Brief an die Sportminister der Länder geschrieben, in dem sie den Kannibalisierungs-Unsinn wiederholen. Die Sportminister, die überwiegend auch die Innenminister sind, sollen aufgefordert sein, die Lotterie im jeweiligen Bundesland nicht zu unterstützen. Einfach irre!“

Im Streit um die Spitzensportförderung hatte Harting auch stets den heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach attackiert. Dessen Nachfolger an der DOSB-Spitze nimmt er von seinen neuesten Vorwürfen ausdrücklich aus. Er würde Alfons Hörmann sehr schätzen, meinte der Berliner. „Meiner Meinung nach hätte er anders entschieden, wenn er früher dagewesen wäre.“

Hartings Geschäftspartner Gerald Wagener kündigte derweil sogar kartellrechtliche Schritte gegen die Landessportbünde und den Deutschen Lotto- und Totoblock an. „Sie können sich nicht verabreden, um einen Dritten aus dem Markt zu drängen.“