Champions League

Dortmunds Leidenschaft nicht belohnt

Trotz zweier Tore von Marco Reus scheitert der BVB an Real MadridBorussia trifft nur den Pfosten, Roman Weidenfeller pariert Elfmeter

Das Fußball-Wunder war zum Greifen nah, wurde am Ende aber nicht wahr. Borussia Dortmund hat sich nach einer leidenschaftlichen Vorstellung gegen Real Madrid mit Bravour aus der Champions League verabschiedet. Der wie entfesselt aufspielende Bundesligist gewann verdient mit 2:0 (2:0) gegen das Starensemble aus der spanischen Hauptstadt. Zum Einzug ins Halbfinale reichte es nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel jedoch nicht mehr. Vor 65.829 Fans im ausverkauften Dortmunder Stadion hatte der überragende Nationalspieler Marco Reus mit zwei Treffern (24./37. Minute) die Fans lange von der Sensation träumen lassen. „Wir haben einen Abend hingelegt, den man nicht so schnell vergisst. Wir hatten mehrere Chancen für das dritte Tor“, sagte Nationalspieler Mats Hummels. „Ein geiler Abend, der traurig endet.“

Ronaldo 90 Minuten auf der Bank

Auch ohne Weltfußballer Cristiano Ronaldo verteidigte Real das Ergebnis und erreichte trotz enttäuschender Vorstellung zum vierten Mal nacheinander das Halbfinale. Mit Pech in Hälfte zwei schaffte es Dortmund nicht mehr in die Verlängerung. Vor allem Unglücksrabe Henrich Mchitarjan vergab aus bester Position das mögliche 3:0 (65./68.).

Nach einer verhaltenen Auftakt-Viertelstunde entwickelte sich im Dauerregen eine unerwartet packende Partie mit einer stark aufspielenden Borussia. Nach einem Handspiel von Lukasz Piszczek entschied Schiedsrichter Damir Skomina aus Slowenien zum Entsetzen der BVB-Fans auf Elfmeter. Doch statt des vermeintlich frühen K.o.-Schlags ging von Torwart Roman Weidenfeller die Initialzündung für eine Daueroffensive der Gastgeber aus. Den Strafstoß von Angel Di María wehrte der Schlussmann reaktionsschnell ab und hielt damit zum ersten Mal überhaupt in der Champions League einen Elfmeter (17.).

Direkt im Gegenzug hatte Henrich Mchitarjan die Führung auf dem Fuß, vergab aber nach Vorarbeit von Robert Lewandowski und Reus aus kurzer Distanz. Der BVB schien von dem Elfmeter-Fehlschuss beflügelt und inspiriert, Real dagegen geschockt.

Mehr als 25 Minuten lang beherrschte der Bundesligist die „Königlichen“ aus Madrid. Den aktiveren, kreativeren und gefährlicheren Fußball spielte der BVB. Einen schweren Fehler von Pepe nutzte Reus zur verdienten Führung. Nach einer missglückten Kopfballrückgabe des Real-Verteidigers umkurvte Reus Spaniens Nationaltorwart Iker Casillas und schob zum 1:0 ein. Nur neun Minuten später war es erneut der überragende Reus, der das Dortmunder Stadion in ein Tollhaus verwandelte. Einen Pfostenschuss von Lewandowski staubte der deutsche Nationalspieler im Stile eines Torjägers ab – plötzlich stand es 2:0. Beim Halbzeitpfiff erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen und begleiteten die Mannschaft mit Applaus in die Kabine. Das vielgepriesene Starensemble aus der spanischen Hauptstadt wirkte eine Halbzeit lang ratlos und schien sich seiner Sache nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel anscheinend zu sicher. Die Dortmunder dagegen hatten den Glauben an ein Fußball-Wunder nicht aufgegeben.

Nach dem Wechsel brachte Real-Trainer Carlo Ancelotti Isco für den indisponierten Asier Illaramendi, der anstelle von Weltfußballer Ronaldo in der Startelf stand. Real wurde nun stärker und brachte Weidenfeller ein ums andere Mal in Bedrängnis. Gareth Bale aus der Distanz (49.) und aus spitzem Winkel (59.) vergab die Chance zum 2:1.

Die Partie war nun offener. Real tat mehr nach vorne, dem BVB mangelte es an Präzision im Spielaufbau. Die anfangs zu behäbig und selbstsicher auftretenden Spanier wurden aktiver – ohne allerdings zu glänzen. Dabei schien es vor dem Anpfiff so, als habe selbst Klopp das Spiel gedanklich abgehakt. Der Coach verzichtete auf Nuri Sahin und Sokratis und brachte Oliver Kirch und Manuel Friedrich. Die Dortmunder Notelf aber schlug sich hervorragend.

Mchitarjan hätte auf 3:0 erhöhen müssen, scheiterte aber am Pfosten (65.) und an Casillas (68.). Die Borussia ließ nicht locker, berannte angetrieben von Reus das Real-Tor. Für die Verlängerung reichte es jedoch nicht mehr. Borussen-Mittelfeldspieler Oliver Kirch sagte: „Es fühlt sich komisch an. Wir haben ein richtig geiles Spiel abgeliefert, sind aber raus. Wir hätten hier vier oder fünf Tore schießen können.“

Watzke vermisst Anerkennung

Trainer Jürgen Klopp sagte: „Es war unfassbar, was die Jungs heute gespielt haben. Da kann man einen Lehrfilm draus machen für Mannschaften, die das Hinspiel 3:0 verloren haben – was dann noch möglich ist.“ Er lobte sein Team: „Das Spiel war unfassbar gut. Die Jungs wollten unbedingt weiterkommen. Was uns gefehlt hat, war ein Tor im Hinspiel in Madrid.“ Auf Fragen, ob der BVB trotzdem feiern werde, sagte Klopp: „Sicher nicht. Wir spielen Samstag in München.“

Trotz der wiederholten Reise durch die Königsklasse vermisst Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Anerkennung. „Mir fehlt in Deutschland ehrlich gesagt ein wenig Respekt vor der Leistung, die Borussia Dortmund auch in diesem Jahr erbracht hat“, sagte der BVB-Geschäftsführer im WAZ-Interview: „Dass wir mit unserem Mini-Etat zum zweiten Mal in Serie zu den besten acht Klubs Europas gehören, ist außergewöhnlich.“