Motorsport

Vorfahrt für den Egomanen

Lewis Hamilton gilt bei Mercedes als die heimliche Nummer eins vor Nico Rosberg

Es war, unbestritten, eine grandiose Show, die die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg im Verlauf des Großen Preis von Bahrain gezeigt haben. Und mit ihrem Prestige-Duell verdrängten der Brite und der Deutsche vorerst auch alle Lärm- und Regeldiskussionen. Am Ende lagen sich die Protagonisten ob des bemerkenswerten Rennens in den Armen. So sieht Glück aus.

Aber so sieht auch das Konfliktpotential für den weiteren Verlauf der Saison aus. Allen Beteuerungen („Keines der Autos zu riskieren und dennoch eine Mega-Show abzuliefern, eine bessere Werbung für die Formel 1 gibt es gar nicht“) zum Trotz, muss Merceds-Teamboss Christian „Toto“ Wolff genau wie Chef-Aufseher Niki Lauda irgendwann Farbe bekennen. Allein das mögliche Szenario eines doppelten Ausfalls bei einem Duell wie in Bahrain würde die Silbernen als Deppen dastehen lassen.

Konflikte sind unvermeidlich

Rosberg jedenfalls ist nicht in bester Laune vom Siegertreppchen gestiegen. Der 28 Jahre alte Wahl-Monegasse hat definitiv das Malaysia-Rennen 2013 im Gedächtnis. Er war der klar schnellere Pilot – und durfte Hamilton nicht überholen. Einmal eine Teamentscheidung pro Hamilton, immer eine für den Team-Kollegen? Rosberg verliert sein Gesicht, wenn er stets den folgsamen Teamplayer gibt.

Christian Wolff scheint Konlikte zu erwarten. „Es ist unvermeidlich, dass sie sich in die Haare kriegen“, sagte der Österreicher in Bahrain. Und wurde gegenüber dem britischen Magazin „Autosport“ noch deutlicher: „Unsere Fahrer müssen verstehen, woher unser Team kommt. Sie müssen begreifen, dass der Rennstall an erster Stelle kommt. Wir haben eine Marke zu schützen. Vorerst machen wir weiter, ich schätze so lange, bis die ersten Frontflügel fliegen. Dann müssen wird neu diskutieren.“

Dass Hamilton in einer solchen Situation Druck aushält, hat der 29-jährige Weltmeister von 2008 bewiesen. 2007, in seinem ersten Jahr in der Formel 1, fuhr er mit Doppelweltmeister Fernando Alonso für McLaren. Beide pflegten ihr Ego kompromisslos. Am Ende gewann Kimi Räikkönen den Titel für Ferrari mit 110 Zählern, Hamilton und Alonso hatten jeweils 109 – und Alonso verließ verärgert den britischen Rennstall. Dass Hamilton für Rosberg zurücksteckt, erscheint unwahrscheinlich, auch wenn beide stets als Freunde beschrieben werden.

Am 20. April steht der Große Preis von China auf dem Programm. Das Duell Hamilton/Rosberg dürfte seine Fortsetzung finden. Mit einer Teamorder will Mercedes die beiden Protagonisten vorerst nicht einbremsen. „Wir schulden das uns, dem Sport und unseren Fahrern“, stellte Chef-Ingenieur Paddy Lowe nach dem zweiten Doppelerfolg der Silberpfeile in der laufenden Saison klar. „Du willst schließlich auch deinen Piloten die Möglichkeit zum Fahren geben.“ Wolff pflichtete ihm bei: „So wollen wir gerne fahren.“ Was er nicht sagt: Hamilton und Rosberg werden vor Shanghai teamdienliche Verhaltensregeln bekommen. Denn dass Red Bull und Sebastian Vettel auf Dauer hinterherfahren, glaubt so recht noch niemand.