Champions League

Eine Hoffnung namens Lewandowski

Dortmund setzt im Rückspiel der Champions League gegen Real auf die Torgewalt ihres Stürmers

Das Ungetüm heißt „Footbonaut“, ist 14 mal 14 Meter groß und hat so seine Tücken. Schnell hintereinander spuckt das Ungetüm, das auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund steht, Bälle aus. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Bälle genau in die Felder zu schießen, die in genauso schneller Abfolge an den Innenwänden des „Footbonaut“ aufleuchten. Die Geschwindigkeit und der Schwierigkeitsgrad können individuell variiert werden.

Am Sonntag legte Roman Weidenfeller dort eine Extraschicht nach dem Training hin. Der Torwart von Borussia Dortmund bemühte sich, die Bälle zu retournieren, wurde jedoch regelrecht von ihnen bombardiert. „Ist das Ding etwa auf Lewandowski eingestellt?“, flachste er. Eine Episode, die belegt, wie groß die Wertschätzung seiner Noch-Kollegen für ihren Torjäger ist.

Vier Tore als Mutmacher

Im Sommer wechselt Robert Lewandowski zum FC Bayern, doch noch haben die Dortmunder ihren Ausnahmestürmer, noch können sie ihre Hoffnung auf den 25 Jahre alten Polen bauen. Und sei es auch nur die minimale Hoffnung, heute (20.45 Uhr, live Sky) im Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid doch das Halbfinale zu erreichen – trotz einer 0:3-Niederlage im Hinspiel.

„Sollte sich eine Chance bieten, müssen wir zugreifen“, sagte Lewandowski im Hinblick auf das schier aussichtslos erscheinenden Unterfangen. Er weiß, dass es gegen die „Königlichen“, die seine Kollegen am vergangenen Mittwoch im Bernabeu teilweise vorgeführt hatten, schwer wird. Doch er ist auch selbstbewusst genug, um zu wissen, dass es in Dortmund ein anderes Spiel werden könnte: Schließlich ist er, der im Hinspiel eine Gelbsperre absitzen musste, wieder dabei. Und allein seine Präsenz sorgt dafür, dass der vermeintlich übermächtige Gegner zumindest mit leichtem Magengrummeln auflaufen wird.

„Das Schreckgespenst kommt zurück“, warnte die spanische Sportzeitung „Marca“. Und: „Lewandowskis riesiger Schatten liegt über der Pforte, die ins Halbfinale führt.“

Die Spanier haben schließlich in schmerzhafter Erinnerung, wie es ihnen im Vorjahr in Dortmund ergangen war: Damals waren Cristiano Ronaldo und Co. so böse wie selten in ihrer Europapokal-Historie unter die Räder gekommen: Mit 1:4 verloren sie das Hinspiel im Halbfinale der Champions League beim BVB – alle vier Tore hatte Lewandowski erzielt. Und der Pole wollte im Gespräch mit „As“, einer weiteren auflagenstarken spanischen Sportgazette, zumindest nicht ausschließen, dass ihm solch ein Husarenstreich noch einmal gelingen könnte. „Es wäre hübsch, den Viererpack zu wiederholen“, sagte er. Die Königsklasse ist der Lieblingswettbewerb von Lewandowski. Sechs der insgesamt acht Tore, die die Dortmunder dort in der laufenden Saison erzielt haben, gehen auf sein Konto. Er hat gelitten, als er die Niederlage seine Kollegen im Hinspiel tatenlos vom Fernseher aus verfolgen musste. „Zwischenzeitlich konnte ich nicht mehr hinsehen“, sagte er.

Klopp lobt den Polen

Lewandowski ist nach wie vor voll integrierter Bestandteil der Mannschaft. Das monatelange Hickhack um seinen Wechsel und auch die erfolgte offizielle Verkündung seines Abgangs haben daran nichts geändert. Im Gegenteil: Er wirkt, als ob er die letzten Monate mit dem Verein, der ihm den internationalen Durchbruch ermöglichte, zu genießen scheint. „Robert steht kurz vor seinem Leistungshöhepunkt“, sagte Jürgen Klopp. Ein wenig Wehmut schwang dabei mit, aber auch uneingeschränkte Freude, bis zum Saisonende eben doch noch auf auf solche einen Ausnahmeathleten setzen zu können.

Und Lewandowski zahlt das Vertrauen mit starken Leistungen zurück. Am Sonnabend hatte er mit einem Treffer und einer mitreißenden Vorstellung maßgeblichen Anteil am mühsam erkämpften 2:1 gegen Wolfsburg. Dadurch ist das erste und wichtigste Saisonziel so gut wie sicher: die erneute direkte Qualifikation für die Champions League. Und im DFB-Pokal, wo die Dortmunder in einer Woche erneut die Wolfsburger zum Halbfinale empfangen, ist sogar noch ein Titel möglich.

In der Königsklasse scheint der dagegen unrealistisch, auch wenn Reals Ronaldo am Montag das Training wegen Knieproblemen abgebrochen hat. Doch um die letzte Chance wollen die Borussen kämpfen. „Jeder weiß, dass Robert nicht nur einer der besten fünf, sondern der besten drei Stürmer der Welt ist“, sagte Mats Hummels. Den könne das Team speziell in diesen Tagen gut gebrauchen. Der BVB stehe mit dem Rückspiel gegen Real und dem darauffolgenden Gang zum FC Bayern am kommenden Bundesligaspieltag vor der „härtesten Woche“ überhaupt, sagte der Abwehrchef: „Innerhalb von fünf Tagen gegen zwei der besten Mannschaften im Weltfußball zu spielen, ist eine unglaubliche Herausforderung für uns.“

Lewandowski gibt die Maschroute vor: „Wir dürfen keine Angst haben.“ Jener Europapokalabend gegen Real könne ein legendärer zu werden. Dieses 4:1 vor einem Jahr, als Lewandowski den BVB-Fans ein Sternstunde bescheren konnte, sei zwar „Vergangenheit“, sagte der Angreifer. Aber den Glauben an die ganz große Überraschung dürfe man trotzdem nicht verlieren: „Wir müssen eine neue Geschichte schreiben“, so Lewandowski. „Es gibt eine kleine Chance.“