2. Bundesliga

Wie Angreifer Skrzybski bei Union seine Chance genutzt hat

Er ließ sich Zeit, viel sogar. Und es sah auch so aus, als würde er das nur tun, um sich die Worte sparen zu können.

Denn draußen warteten ein paar Fragesteller. Doch selbst längere Überzeugungsarbeit von Mitarbeitern des 1. FC Union fruchtete nicht bei Steven Skrzybski. Als er sich endlich schüchtern durch die Tür traute, wendete sich der 21-Jährige schnell ab. „Heute nicht“, sagte Skrzybski nur.

Vergangenen Dienstag ließ er selbiges nur ausrichten und verschwand nach dem 2:0 gegen Cottbus ungesehen. Insofern war der Tag nach dem 2:3 bei Erzgebirge Aue schon ein Fortschritt mit dem Fußballprofi des Berliner Zweitligisten, wenn auch ein wenig erkenntnisreicher. Dabei hatte sich doch einiges an Gesprächsstoff ergeben in den vergangenen beiden Partien. Erstmals durfte der Stürmer in dieser Saison von Beginn an auflaufen. Gegen Cottbus leitete er mit seiner Vorlage auf Sören Brandy das 2:0 ein, in Aue erzielte Skrzybski sein erstes Saisontor. Andere würden ihrer Freude ob solcher Taten freien Lauf lassen.

Aber er weiß natürlich, dass viele Worte einen bei Union und Trainer Uwe Neuhaus eher selten weiterbringen. Taten überzeugen dagegen, doch auch da hatte Skrzybski nie dauerhaft gute Argumente. Seine Zurückhaltung ist also erklärbar. Es war ja auch eher Glück, überhaupt in die Mannschaft gekommen zu sein. Die über Wochen schlechten Ergebnisse verschafften ihm gegen Cottbus eine allgemein unerwartete Chance. „Er hat in der Woche überragend trainiert“, sagte Neuhaus. Außerdem wollte er es mal mit schnellen, beweglichen Spielern in der Mitte probieren. Sein Plan ging auf.

Gute Übungsleistungen zeigt der Angreifer jedoch recht häufig, er gehört zu denen, die im Training die Netze zerschießen. Doch ihn verfolgt auch oft das Pech. In der letzten Partie der Vorsaison erzielte der Berliner sein erstes Zweitligator, spielte danach eine sehr gute Vorbereitung mit sieben Treffern inklusive Vertragsverlängerung bis 2015, dann jedoch warf ihn ein Bänderriss zurück. „Als er wieder auf einem richtig guten Niveau war, kam die nächste Verletzung. Davon hat er sich jetzt auch erholt. Steven arbeitet sich immer wieder heran“, sagt Neuhaus respektvoll.

Zweitligadebüt in 2010

Im Winter dachte er noch darüber nach, den Spieler für ein halbes Jahr auszuleihen. Mehr als vier Kurzeinsätze in der Hinrunde waren nicht drin gewesen. Doch es passte nicht, also wartete der Stürmer, der aus dem eigenen Nachwuchs kommt und 2010 sein Zweitligadebüt gab, auf seine nächste Chance. Sie kam spät, doch Skrzybski ließ sie nicht ungenutzt. „Er hatte jetzt Gelegenheit zu zeigen, welches Potenzial er besitzt“, so der Trainer. Bei seinen insgesamt 28 Zweitligaeinsätzen, überwiegend als Einwechselspieler, konnte er freilich noch nicht in jeder Hinsicht demonstrieren, was in ihm steckt.

Der Trainer aber glaubt, dies zu erkennen. Skrzybskis Schnelligkeit ist offensichtlich, technisch kann er auch einiges bieten. Körperlich jedoch war es oft ein bisschen zu wenig. Mittlerweile aber hat er zugelegt, ist robuster geworden. Unter anderem dieser Fakt hat ihm die Ausdehnung seines Kontraktes eingebracht. Uwe Neuhaus sei überzeugt davon, dass der Angreifer den Durchbruch bei Union schaffen könne, wenn er mit aller Kraft daran arbeitet: „Ich glaube, da ist noch eine Menge, was wir von ihm erwarten können.“

Obwohl er es nicht sagte, dürfte Steven Skrzybski nach seinen effektiven Vorstellungen in den Ost-Derbys auch etwas erwarten – und zwar den dritten Startelf-Einsatz in Folge. Der Gegner am Freitag heißt 1. FC Köln und ist Spitzenreiter. Gegen den fast sicheren Aufsteiger stand Skrzybski sogar in der Hinrunde auf dem Platz, allerdings nur vier Minuten. Auf jeden Fall also sollte es mehr werden als vor fünf Monaten.