Negativserie

Luhukay braucht ein Erfolgserlebnis

Hertha wartet nun schon seit 114 Tagen auf einen Heimsieg. Heute gegen Hoffenheim

Die gute Nachricht für Hertha BSC lautet: Jos Luhukay steht nicht auf der Liste jener Kandidaten, die Bayer Leverkusen als Cheftrainer für kommende Saison im Visier habe. Die Verantwortlichen des Hauptstadt-Klubs werden jedoch die Meldungen, in diesem Fall vom Fachmagazin „Kicker“, genau verfolgen. Die Botschaft zwischen den Zeilen heißt nämlich: Luhukay hätte auf der Liste stehen können. Der Cheftrainer hat sich in Augsburg und nun seit 2012 bei Hertha bundesweit eine exzellenten Ruf erworben. Die Verantwortlichen in Berlin und auch das Team sollten die Zeichen lesen. Der ehrgeizige Luhukay will Hertha weiterentwickeln – und damit seinen eigenen Stellenwert.

Er ist in die Sphäre jener interessanten Trainer vorgestoßen, die potenziell versprechen, dass das Leistungsvermögen ihrer Teams größer ist als die reine Addition der Fähigkeiten ihrer Spieler. Oder hätte vorab jemand erwartet, dass Aufsteiger Hertha zwei Drittel der Saison in Reichweite zu den internationalen Plätzen verbringt?

Deshalb steht die Mannschaft um Ersatz-Kapitän Peter Pekarik in der Pflicht, wenn es heute gegen Hoffenheim geht (17.30 Uhr, Olympiastadion): Dem Vorgesetzten zu beweisen, dass sie Comeback-Qualitäten hat.

Auch, wenn Hertha beruhigend weit entfernt von der Abstiegszone steht: Die Berliner weisen mit zwei Punkten aus sechs Spielen die längste Negativserie der Liga auf. Die Heimspiel-Bilanz 2014: ein Remis, vier Niederlagen. Der letzte Heimsieg, ein 3:2 gegen Bremen, liegt 114 Tage zurück. Kurzum: Hertha stellt die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Nun hat jeder Bundesligist mit Ausnahme der Bayern mal eine schlechte Phase zu durchlaufen. Wichtig jedoch ist, rasch dem Negativtrend zu entkommen. „Wir haben jetzt eine neue Phase mit einem Spiel pro Woche, die bis Saisonende geht“, sagte Luhukay.

45.000 Zuschauer werden zum Familien-Spieltag erwartet. Gegen Hoffenheim, die Wundertüte der Liga mit dem unterhaltsamen Torverhältnis 63:62, brauchen die Berliner einige Eigenschaften, die zuletzt fehlten: mehr Dynamik, mehr Passsicherheit und mehr Selbstvertrauen. Deshalb wurde unter der Woche geübt, dass jeder Angriff zwölf Sekunden nach der Balleroberung abgeschlossen sein musste. Diese Fähigkeit hatte Hertha in der Hinrunde ausgezeichnet. In der Rückrunde mangelt es aber an Torgefahr. Von neun Treffern in 2014 fielen nur drei aus dem Spiel heraus. Zum Vergleich: Hoffenheim hat 27 Rückrunden-Tore erzielt.

„Hoffenheim ist ein extrem unberechenbarer Gegner“, warnt Luhukay. „Sie haben mit Firmino und Volland Topstürmer. Und haben viele weitere Spieler, die Tore schießen können.“ Deshalb müsse sich Hertha auf eine Schlüsselqualität besinnen: die defensive Stabilität.

Da haben die Berliner trotz zuletzt deutlicher Niederlagen immer noch eine Stärke. Hertha ließ in den bisher gespielten 28 Runden nur 302 Torschüsse zu. Das ist der drittbeste Wert der Liga nach Dortmund und Bayern (je 254). 1899-Trainer Markus Gisdol sagt über die Gastgeber: „Hertha ist eine gute Mannschaft, sie sind brandgefährlich.“

Allerdings muss Luhukay auf Tolga Cigerci (Gelb-Sperre) verzichten. Dessen Position im defensiven Mittelfeld wird wohl Per Skjelbred übernehmen. In der Offensive werden die Kollegen schauen, wie sehr sich Adrian Ramos reinhängt. Dessen Wechsel zu Borussia Dortmund soll mutmaßlich in der kommenden Woche nach dem Viertelfinal-Rückspiel des BVB gegen Real Madrid verkündet werden. Dennoch, so die Erwartung in der Mannschaft, möge sich Ramos mit aller Macht reinhängen.

Ein weiterer Grund, weshalb Luhukay genau hinschaut: Das Publikum, allen voran die Ostkurve, hat Hertha vor zwölf Tagen etwa im einseitigen Heimspiel gegen Bayern München (1:3) grandios unterstützt. Der Trainer erwartet, dass seine Spieler sich der Aufgabe Hoffenheim mit Leidenschaft und Hingabe verschreiben.

Es hängt für ihn nicht so sehr am einzelnen Resultat. Aber Luhukay will fraglos Perspektiven sehen für Hertha BSC.