Leistung

Alonso kommt mit Ferrari einfach nicht nach voran

Spanier auch im fünften Jahr nicht titelreif. Vettel nur Zehnter

Die Machtdemonstration von Mercedes in der Formel 1 geht weiter. Beim Abschlusstraining zum Großen Preis von Bahrain (Sonntag 17 Uhr, RTL und Sky) bestimmten der in der WM führende Nico Rosberg, 28, und sein Teamkollege Lewis Hamilton, 29, das Geschehen und teilten sich die erste Startreihe. Ein Zustand, den Ferrari-Chef Luca di Montezemolo mittlerweile als ziemlich unerträglich empfindet. Schlimmer noch: Sechs Jahre ohne Fahrertitel in der Formel 1, deren fünf ohne Konstrukteurs-Krönung. Das ist inakzeptabel. 2014 muss nach dem Willen des 66-jährigen Italieners der unhaltbare Zustand „Ferrari unter ferner liefen“ beendet werden.

Da ist es auch nur ein geringer Trost, dass Titelverteidiger Sebastian Vettel, 26, nur von Rang zehn aus ins Rennen geht. Der Red-Bull-Pilot gab über den Teamfunk „Probleme beim Herunterschalten“ bei seiner „Suzie“ zu Protokoll. Geringer Trost, denn wirklich schnell war Di Montezemolos Team auch in Sakhir nicht. Rang fünf für Kimi Räikkönen, lediglich Platz neun für Fernando Alonso. Vor dem dritten von 19 WM-Rennen klingt das Zwischenfazit des Spaniers Alonso ausgesprochen desillusioniert. „Es geht einfach darum, dass die Wagen zu langsam sind“, moserte der zweimalige Formel-1-Weltmeister. Für einen so klaren Satz sind Ferrari-Piloten in früheren Jahren (beispielsweise Alain Prost 1991) schon gefeuert worden.

Unerwartet brutal haben sich die Hoffnungen der „Roten“, die mit der Einführung der neuen Technikregeln verbunden waren, bislang in Luft aufgelöst. Auch jene, die in der Verpflichtung von Kimi Räikkönen als Teamkollegen des exzentrischen Spaniers Alonso verbunden waren. Der Finne, 2007 letzter Fahrer-Champion für das Team aus Maranello, hat bislang erhebliche Eingewöhnungsprobleme. Der 34-Jährige hat den Wagen immer noch nicht perfekt auf seine Bedürfnisse abgestimmt, vor allem die Frontpartie entspricht nicht seinen Vorstellungen. Das Auto lässt sich nicht so lenken, wie er es sich wünscht. „Wir haben noch eine Menge zu verbessern, und das wird auch Zeit brauchen“, bleibt der Mann aus Espoo wie immer verbal eher sparsam. Genauso sparsam wie bei seiner Punktausbeute. Räikkönen: sechs Zähler für die Plätze sieben und zwölf.

Alonso hat deren 24 für zwei vierte Plätze in Australien und in Malaysia. Der Weltmeister von 2004 und 2005 beherrscht wie kaum ein anderer das „Prinzip Eichhörnchen“: Einsammeln, was man einsammeln kann. Seit 2010 fährt der Asturier für den Rennstall aus Maranello, kennt den Betrieb und scheut auch Konflikte mit Patron Luca di Montezemolo nicht. Acht Jahre liegt sein letzter WM-Triumph (damals im Benetton) aber schon zurück. Zu lange her für den heute 32-Jährigen, der in den beiden ersten Rennen knapp das Podium verpasste. Alonso will es in dieser Saison unbedingt Michael Schumacher gleichtun, der auch erst im fünften Jahr seinen ersten Fahrertitel für Maranello holte.

Eine Quelle des Missvergnügens ist für das Traditionsteam der technische Einschnitt. Statt Achtzylinder-Triebwerke sind jetzt Sechszylinder mit Turbo und Hybrid-Hilfe im EInsatz. Alonso bleibt diesbezüglich noch in Deckung. „Wir müssen dem Ganzen etwas mehr Zeit geben“, mahnte er zur Besonnenheit, nachdem sein Chef di Montezemolo vor drohenden „Taxifahrten“ gewarnt hatte, weil die Piloten nach Ansicht des Commendatore während ihrer Dienstfahrten viel zu viel „übers Spritsparen nachdenken müssen“.

Die Herausforderung für die Piloten bleibe, so Alonso, aber die gleiche. „Es ist immer noch aufregend, denn du misst dich mit den anderen“, relativierte er vor den Trainingssitzungen auf der Bahn in Sakhir. „Der Wettbewerb ist die DNA der Fahrer.“ Der Wettstreit auf Augenhöhe ist für Ferraris Fahrer derzeit aber außer Reichweite. Mit großen Entwicklungsschritten des F14 rechnet der Asturier aber erst für China (20. April) und Spanien (11. Mai). „Wir sind bereit zu kämpfen“, kündigte er an. Das wiederum hört man von den Ferari-Piloten seit Jahren.