Bundesliga

Abstiegskampf: Stuttgart jubelt über kleinen Schritt

Zuversicht beim HSV, Ernüchterung in Nürnberg

Der Jubel in Stuttgart kannte kaum Grenzen – als ob der zweite Absturz in die Zweitklassigkeit nach 1975 schon verhindert wäre. Das ist er noch lange nicht, und dennoch waren Euphorie und Erleichterung beim VfB nach dem wichtigen 2:0 (0:0) im baden-württembergischen Abstiegsderby gegen den SC Freiburg riesig.

Trainer Huub Stevens klatschte seine Spieler freudestrahlend ab, Sportdirektor Fredi Bobic eilte nach Schlusspfiff von seinem Tribünenplatz umgehend aufs Feld, um alle zu umarmen. „Der Abstiegskampf ist der Wahnsinn pur. Man hat das Knistern gespürt. Wir stehen jetzt wieder über dem Strich, das war unser Ziel“, sagte Bobic, dachte aber gleich weiter: „Jetzt müssen wir in Gladbach punkten.“

Auch Präsident Bernd Wahler war bei aller Freude schnell wieder in der Realität angelangt: „Der Sieg war extrem wichtig. Das können wir ein bisschen genießen, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.“ Deshalb sprach auch Stevens nur „von einem kleinen Schritt, mehr war es nicht. Wir haben noch fünf Endspiele“.

Für die Stuttgarter Glückseligkeit vor 58.500 Zuschauern sorgten der eingewechselte Alexandru Maxim (69.) und Martin Harnik (89.). Zuvor hatte Torwart Sven Ulreich den zweiten Sieg in den vergangenen 14 Spielen mit einigen starken Paraden festgehalten. „Wir werden den Mut nicht verlieren“, sagte SC-Trainer Christian Streich und machte deutlich: „Wenn wir die Klasse erhalten, wäre es für uns mehr als der fünfte Platz im vergangenen Jahr.“

Kollektive Erleichterung gab es auch beim Hamburger SV nach dem 2:1 am Freitagabend gegen Bayer Leverkusen. „Wir haben viele Schläge einstecken müssen. Aber wir leben noch“, sagte Siegtorschütze Heiko Westermann, der mit einem Gewaltschuss in der 82. Minute den wichtigen Heimsieg sicherte. „Es war ein Sieg des Willens, ein tolles Gefühl, und jetzt müssen wir die Punkte in Hannover vergolden“, meinte HSV-Coach Mirko Slomka.

Zweckoptimismus beim Club

In Nürnberg war dagegen die Ernüchterung nach dem 0:2 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach groß. „Das ist enttäuschend. Wir haben die Möglichkeiten gehabt, aber in den wichtigen Momenten hat uns irgendwo das Glück gefehlt“, klagte Trainer Gertjan Verbeek. Javier Pinola, seit Jahren Ikone bei den Fans, versuchte es mit Zweckoptimismus: „Wir brauchen noch zwei, drei Siege. Wir müssen in den restlichen fünf Spielen alles geben.“ Der kampfstarke FCN ließ schlichtweg zu viele Großchancen ungenutzt und leistete sich in der Defensive eklatante Aussetzer.

Das taten die Franken auch gegen die Borussia. Doch am Ende war es die technische Versiertheit, die den Gladbachern den Erfolg bescherte. Kunstschütze Juan Arango (18.) leitete mit einem direkten Freistoß den glücklichen Gästesieg ein, Max Kruse (79.) entschied in der Schlussphase das Spiel per Foulelfmeter. Kruse selbst soll von Nürnbergs Mike Frantz im Strafraum gefoult worden sein – so sah es Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg). „Nicht jeder Kontakt ist ein Elfmeter“, war Verbeek mit der Entscheidung nicht einverstanden.