FC Union

Gegen den freien Fall

Unions Trainer könnte für die Zukunft einiges ausprobieren, traut sich aber wegen der Fans nicht

Die Gelegenheit ist günstig. Mit großen Zielen muss sich schließlich keiner mehr herumplagen in Köpenick, die haben sich von selbst erledigt. Schluss mit dem Gerede vom Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, der 1. FC Union kann sich weiter mit der zweiten Abteilung beschäftigen. Dafür gibt es nun verschiedene Szenarien, eines wäre, mal ein paar Dinge anders zu machen, da doch die alten Strategien offenbar nicht zum gewünschten Resultat geführt haben.

Wie könnten diese neuen Dinge nun aussehen? In Sandhausen (1:2) hatte Uwe Neuhaus erstmals in der Saison mit zwei Spitzen spielen lassen, ein Modell, das mit zunehmender Praxis mehr Durchschlagskraft vor dem Tor erzeugen kann. „Das ist eine Variante, die ich weiter in Erwägung ziehe“, sagt der Trainer vor dem Berlin-Brandenburg-Derby am Montag gegen Energie Cottbus (20.15 Uhr, Sport1 und Sky). An Gegner und Trainingsleistungen will sich Neuhaus diesbezüglich orientieren.

Möglich wäre natürlich auch etwas anderes: Profis, die bisher weniger Einsätze erhielten, könnten nun mehr bekommen. Es ließe sich ebenso überlegen, ob nicht speziell junge Spieler mehr in den Fokus rücken könnten, um sie ohne Stress heranzuführen. „Den Gedanken macht man sich, man befasst sich damit, ob man mehr auf die Zukunft setzt“, so Neuhaus. Anfreunden kann sich der 54-Jährige mit diesen Konstellationen jedoch nur bedingt. „Unsere Situation ist nicht dazu da, um einfach herumzuexperimentieren“, erzählt der Trainer. Er müsse vor allem von der Siegfähigkeit der Mannschaft überzeugt sein. Neuhaus hat dabei die Fans im Hinterkopf: „Vor nahezu ausverkauftem Haus kann ich nicht probieren und mal gucken, was passiert. Das wären die falschen Gedanken.“ Für den vollen Preis soll es auch die bestmögliche Vorstellung geben.

Tendenziell sind also eher zaghafte Verschiebungen zu erwarten. „Es gibt, nur weil wir die Aufstiegsgedanken jetzt abgehakt haben, nicht in jeder Frage eine Grundsatzentscheidung“, so Neuhaus. Grundsätzlich nämlich, das gab er zu verstehen, fand er alles gar nicht so schlimm in dieser Saison, obwohl es für ganz vorn nicht reicht. „Wir müssen jetzt nicht alles ändern. In der Vergangenheit war nicht alles falsch, und wir müssen nicht alles über Bord werfen und umkrempeln und neu erfinden“, sagt der Coach, der mit seinem Team zuletzt fünf Mal ohne Sieg blieb.

Generell will Neuhaus keine eklatanten Defizite ausgemacht haben. An Qualität sieht er keinen Mangel: „Es sind viele Argumente und Gründe dafür zu finden, dass wir es nicht geschafft haben. Das sind oft Dinge, die sich in einem ganz kleinen Bereich abspielen.“ Manche hat er oft benannt. Der „Killerinstinkt“ ist nicht sonderlich stark ausgeprägt bei Union, etwas mehr Entschlossenheit vor dem Tor würde guttun, weniger folgenschwere Patzer in der Defensive natürlich ebenso.

Topstürmer auf Fahndungsliste

Es klingt danach, als würde der Trainer die Saison nach den harschen Worten in Folge des Sandhausen-Spiels ein wenig verklären. Als wären es nur winzige Stellschrauben, an denen er drehen müsste. Obwohl es oft genug den Anschein machte, dass für das Aufstiegsziel doch etwas mehr getan werden muss. In die konkrete Planung werde er nun einsteigen, so der Trainer: „Wo ich jetzt genau ansetze, verrate ich aber nicht.“ Einen Stürmer, der für zehn oder mehr Tore gut ist, den würde er aber gern nehmen, gibt er zu. In der Abwehr laufen ein paar Verträge aus, dort wird Neuhaus nach neuen Gesichtern suchen.

Gegen Cottbus sollen es aber die altbekannten richten. Nachdem Torsten Mattuschka in Sandhausen zunächst auf der Bank sitzen musste, wird der gebürtige Cottbuser zum Derby wieder in der Startelf erwartet. Es wird gewiss ein brisantes Spiel gegen den Tabellenletzten. „Für die geht es ums Überleben, wir haben auch gerade eine schlechte Serie“, sagt Mattuschka, der Kapitän, der keinesfalls von Rang acht noch weiter durchgereicht werden möchte: „Keiner hat Bock auf zweistellig.“ Für dieses Unterfangen passt es dem Trainer, dass Cottbus zuletzt gegen 1860 unterlag (1:2). „Wenn sie gewonnen hätten, wären sie mit einer sehr viel breiteren Brust aufgelaufen. Ich glaube, das wäre für uns schlechter gewesen“, sagt Neuhaus. Interessanter als solche Konjunktive wird allerdings, inwieweit der Trainer sich dazu entschließt, nach dem entwichenen Druck des Aufstiegsrennens recht zwanglos ein paar Neuerungen zu testen.