Bundesliga

Reus schießt sich warm für Real

Nationalspieler trifft dreimal gegen Stuttgart, Dortmund gewinnt so noch trotz 0:2-Rückstand

Entsetzen machte sich breit. In den Gesichtern der Stuttgarter Spieler war das ganze Leid einer Mannschaft zu sehen, die mit zwei Toren geführt hatte, am Ende aber mit leeren Händen dastand. Borussia Dortmund gewann eine mitreißende Partie mit 3:2 (1:2) beim VfB und lieferte eine gelungene Generalprobe ab. Am Mittwoch spielt das Team im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid.

Den letzten Sieg vor einem Europapokalspiel gab es übrigens beim 6:1 am 1. November – gegen Stuttgart. Für die damals noch von Thomas Schneider trainierte Mannschaft war es die erste Niederlage nach sieben ungeschlagenen Bundesligapartien. Und der Anfang vom Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz. Seither hat Stuttgart in 17 Spielen zwölf Mal verloren.

Die Stuttgarter taten vieles dafür, dass es diesmal besser lief. Der Hauptsponsor setzte ein Zeichen, die Auto-Bank verlängerte vor dem Duell ihr Engagement bis 2017. Sogar zu verbesserten Bezügen, die Rede ist von einer Erhöhung von fünf auf sechs Millionen Euro. Trainer Huub Stevens wechselte auch wieder die Bank, wie schon beim Sieg gegen den HSV bezog er rechts von der Haupttribüne Platz. Himmlischer Aberglaube.

Und auch VfB-Präsident Bernd Wahler verlor den Glauben nicht. Haufenweise Post habe er bekommen, berichtete Wahler vor dem Spiel, die Schreiber hätten gefordert, dass Köpfe rollen müssen. Nicht mit ihm, sagte Wahler, was insbesondere Sportchef Fredi Bobic beruhigt haben dürfte. Doch nach Schlusspfiff meinte Wahler dann auch: „Die Situation ist ziemlich hart, ich würde sagen: brutal.“

Der zweite Abstieg aus der Bundesliga nach 1975 ist möglicherweise nur noch sechs Spiele entfernt. Denn der anfängliche Schwung, den der neue Coach Huub Stevens brachte, ist längst verflogen: Der 60 Jahre alte Niederländer wirkte nach seiner zweiten Niederlage (in vier Spielen, bei einem Sieg) gereizt. Die Niederlage sei „hart“ gewesen.

Die Tore durch VfB-Kapitän Christian Gentner (9. Minute) und Martin Harnik (19.) hatte Nationalspieler Marco Reus mit einem Dreierpack (30./68./83) gekontert. Seinen zweiten Treffer erzielte Reus dabei per Elfmeter. Georg Niedermeier hatte Robert Lewandowski gefoult und die Rote Karte wegen einer Notbremse gesehen (67.). „Ich denke, das war die spielentscheidende Szene“, analysierte Wahler.

Mit einem Sieg des Willens und Tabellenplatz zwei im Rücken reist der BVB nun nach Spanien. „Unabhängig von Madrid war es gut fürs Selbstvertrauen, nach einem 0:2 wieder zurückgekommen zu sein“, sagte Reus nach seinen Saisontoren zehn, elf und zwölf.

Sein Trainer Jürgen Klopp sprach dagegen lieber dem Gegner Mut zu angesichts der bedrohlichsten Lage in dessen jüngerer Klubgeschichte. „Ich bin selbst Schwabe“, sagte der in Stuttgart geborene Coach, „und ich weiß, wie wir sind.“ Nämlich: schnell überkritisch. „Man kann nicht erwarten, dass ihr bei 24 Punkten feiernd durch die Straßenzüge lauft“, sagte Klopp also, „aber wenn ihr ruhig bleibt, bin ich sicher, dass es reichen wird.“ Zum Klassenerhalt.

Die Fans in der mit 59.500 Zuschauern ausverkauften Arena hatten ihre Lieblinge immerhin mit warmem Applaus verabschiedet – und einem Plakat mit der Aufschrift: „Kampf bis zum Schluss!“ Das, meinte Harnik, „sollte unsere Marschroute sein. Es sind harte Wochen, aber wir müssen daran glauben“.

In der 75. Minute hatte Schiedsrichter Michael Weiner nach Riss der Achillessehne die Spielleitung an den Assistenten Norbert Grudzinski übergeben müssen. Von draußen sah Weiner den dritten Treffer von Reus (83.) und das Entsetzen der Stuttgarter, bevor es dann zur OP ins Krankenhaus ging.