Basketball

Alba greift nach dem Pokal

Berliner Basketballer bezwingen Meister Bamberg mit 83:67 und treffen heute im Endspiel wie im Vorjahr auf Ulm

Die Alba-Fans schrien so lange, bis ihre Helden doch noch einmal aus der Kabine zurückkamen. Sie genossen das Bad in der Menge. Und immer wieder erschallte: „Finaaaaale!“ Alba-Coach Sasa Obradovic winkte strahlend ins Publikum, die Basketballprofis aus Berlin klatschten sich mit ihren Anhängern ab. Was für eine Vorstellung gegen den Meister Brose Baskets Bamberg: Am Ende stand in der Ulmer Arena ein 83:67 (36:36) im Halbfinale um den deutschen Pokal. „Ich bin so stolz auf mein Team“, meinte Obradovic. „Von der ersten Minute an haben wir in der Defensive einen hervorragenden Job gemacht.“

„Jetzt schnell ins Hotel und regenerieren, damit wir morgen wieder fit sind“, meinte Center Levon Kendall. Am Sonntag um 15 Uhr (live bei Sport1) treffen die Berliner im Finale auf Gastgeber Ratiopharm Ulm, der in dieser Höhe überraschend 90:72 (39:24) gegen Bundesliga-Tabellenführer Bayern München gewann. Es kommt damit zur Neuauflage des Vorjahres-Endspiels. Titelverteidiger Alba kann nun den achten Pokalsieg in der Klubgeschichte holen.

Im vierten Viertel wie im Rausch

Vor allem im vierten Viertel waren die Berliner, die in Leon Radosevic und David Logan (beide 15 Punkte) ihre besten Werfer hatten, nicht mehr aufzuhalten. Bambergs Trainer Chris Fleming musste vom Spielfeldrand aus zusehen, wie sein Team teilweise zerlegt wurde. „Berlin war in der Offensive schärfer“, meinte er. „Teilweise sind wir nur hinterhergelaufen.“ Der Raum für die Pressekonferenz lag neben der Kabine der Bamberger. Nach Spielende hörte man Fleming minutenlang schreien. Er war bedient.

Der Klassiker zwischen den großen Rivalen war von der Intensität und der Stimmung her bereits eines Endspiels würdig. Von der ersten Sekunde an gab keine Mannschaft dem Gegner auch nur einen Zentimeter Luft. Wobei die Berliner sehr große Unterstützung genossen. Nicht nur, dass 500 Alba-Fans mit nach Ulm gekommen waren, auch die Ulmer Anhänger hatten sich auf die Seite Berlins geschlagen. Die Fans der Gastgeber jubelten über jeden Alba-Korb fast so enthusiastisch, als habe ihr Team getroffen. Und sie sangen sich schon für ihr anschließendes Halbfinalspiel gegen die Bayern ein. Wenn auch mit fragwürdigem Text wie: „Hoeneß in den Knast …“

„Wir müssen als Mannschaft spielen“, hatte Bambergs Flügelspieler Casey Jacobsen gefordert. Der US-Amerikaner, der einst ein Jahr bei Alba gespielt hatte, wusste, warum er darauf abhob. Beim Berliner 70:58 vor zwei Wochen in der Bundesliga hatte eben das den Unterschied gemacht. Alba spielte als Team, während bei den Bambergern vieles in Einzelaktionen zerfranst war. Die Bamberger hatten diese Lektion aber nicht gelernt, erneut versuchten sie es mit Einzelspiel. Wobei sie oft wie gegen eine Mauer liefen, so physisch spielten die Berliner. „Unsere Aggressivität war der Schlüssel“, meinte Kendall, „vielleicht hatte Bamberg damit nicht gerechnet.“

Von Beginn an lag Alba in Führung: Jan Jagla, der auch acht Rebound holte, und Kendall trafen anfangs sehr gut. Überhaupt nur einmal während des ganzen Spiels lag Alba in Rückstand – beim 18:20 kurz vor Ende des ersten Viertels.

Schnell fingen sich die Berliner wieder. Während die Bamberger viele Distanzwürfe vergaben, punktete Alba unter dem Korb und aus der Halbdistanz. Bis auf neun Punkte Differenz setzten sich die Berliner ab (30:21/17. Minute). Doch sie konnten ihr hohes Niveau danach erst einmal nicht halten. Es schlichen sich Fehler ein, die bestraft wurden. Vor allem bekam Alba Bambergs Aufbauspieler Anton Gavel überhaupt nicht in den Griff. Fast im Alleingang führte er sein Team wieder heran, ihm gelangen bis zur Pause schon 14 seiner 18 Punkte. Und es war auch der gebürtige Slowake mit deutschem Pass, der in letzter Sekunde den 36:36-Halbzeitstand besorgte.

Dass es den Berlinern fortan viel besser gelang, Gavel zu kontrollieren (nur noch vier Zähler), war ein Grund dafür, dass sie wieder mit neun Punkten Differenz in Führung gingen (61:52/29.) In dieser Phase spielten sich Vojdan Stojanovski (13 Punkte) und Reggie Redding (10, 6 Korbvorlagen) in den Vordergrund, der bis dahin etwas untergetaucht war. Aber alle wussten zu Beginn des letzten Abschnitts, Albas knappe Führung (61:55) war sicher noch keine Vorentscheidung. Die Fans aus Berlin (und Ulm) flippten fast aus, als Logan mit einem Dreier die erste zweistellige Führung der Berliner erzielte – 66:55 (32.).

„Wir haben in der zweiten Hälfte das geerntet, was wir in der ersten Halbzeit in der Defensive aufgebaut hatten“, sagte Jagla. Sollte heißen: Die Berliner hatten die Franken müde gespielt. Es brach über die Bamberger förmlich herein: Drei Minuten vor Schluss führte Alba mit 76:59. „So etwas darf nicht passieren“, schimpfte Gavel. „Wir konnten Albas Lauf nicht stoppen und das nicht durchziehen, was wir uns vorgenommen hatten. Das ist bestraft worden.“ 64 Sekunden vor Ende stand es zwar nur noch 76:67, aber ein Dreier von Akeem Vargas versetzte alle in Glückseligkeit. Die Feierlichkeiten begannen mit „Humba humba tätärä“.

„Wir sind alle sehr glücklich“, sagte Center Jonas Wohlfarth-Bottermann, bevor er in den Bus stieg. „Aber erst morgen ist der große Tag.“