Bundesliga

Revier-Derby ohne Randale, aber auch ohne Sieger

Schalkes junges Team trotzt überlegenen Dortmundern ein 0:0 ab. Großes Polizeiaufgebot sorgt für Ruhe unter den Fans

Viel Tempo, Kampf und Herzblut – aber keine Tore. Trotz großer Überlegenheit und hochkarätiger Chancen kam Vizemeister Borussia Dortmund im 144. Revier-Derby nicht über ein 0:0 gegen den FC Schalke 04 hinaus und verpasste damit die Möglichkeit, den ärgsten Verfolger im Kampf um die Champions-League-Plätze zu distanzieren. Der BVB liegt als Tabellenzweiter mit 52 Punkten knapp vor den Schalkern (51). Die Königsblauen bestätigten mit dem Ergebnis ihren guten Lauf, ging doch nur eines ihrer letzten zwölf Bundesliga-Spiele verloren.

„Ich bin ein bisschen enttäuscht. Das war unser bestes Heimspiel seit Monaten. Schalke hat Glück gehabt. Wir waren die klar überlegene Mannschaft und hätten eine der vier, fünf Großchancen nutzen müssen“, sagte BVB-Nationalverteidiger Mats Hummels, hob aber einen Schalker besonders hervor: „Ralf Fährmann ist ein klasse Bundesliga-Keeper.“ Der Schlussmann war auch entsprechend zufrieden mit seiner Leistung. „Es ist schön, wenn man die Mannschaft im Spiel halten kann. Dafür trainiert man jeden Tag“, sagte Fährmann und ergänzte mit Blick auf die Tabelle: „Unser Ziel ist die Champions League. Da sieht es sehr gut aus. Wir dürfen aber nicht locker lassen.“

Fährmann wächst über sich hinaus

Das Spiel entwickelte sich von Beginn an zu einer kampfbetonten Partie mit vielen Emotionen. Dabei war der BVB über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft, in dem er die mit dem letzten Aufgebot angetretenen Schalker (zehn Ausfälle) zunehmend in die Defensive drängte. Doch trotz aller Überlegenheit war die Chancenverwertung wieder einmal das große Manko – auch weil Gäste-Keeper Ralf Fährmann über sich hinauswuchs.

„Es war ein richtig gutes Spiel von uns“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, „das kommt nicht oft vor. Entweder hat Fährmann gehalten, ein anderes Bein war dazwischen, oder wir haben vorbeigeköpft.“ Ein Abtasten gab es vor 77.600 Zuschauern nicht. Die erste Chance des Spiels besaßen in der vierten Minute die Gäste, als der niederländische Torjäger Klaas-Jan Huntelaar einen Schuss über das Tor setzte. Im Gegenzug war der BVB bei einem Kopfball von Robert Lewandowski gefährlich (6.). Vorausgegangen war eine mustergültige Flanke von Nationalspieler Marco Reus, der erstmals seit dem 8. Februar wieder in der Startelf stand.

Mit zunehmender Spieldauer rissen die Dortmunder das Geschehen an sich und brachten die Defensive der Königsblauen in arge Bedrängnis. Aufgrund des unglaublichen Verletzungspechs hatte Trainer Jens Keller aber auch die zweitjüngste Schalker Mannschaft (23 Jahre, 203 Tage) in einem Bundesliga-RevierDerby aufbieten müssen. Das machte sich bemerkbar.

4000 Sicherheitskräfte im Einsatz

Dabei scheiterten Sebastian Kehl, der sein 250. Bundesliga-Spiel für den BVB bestritt, mit einem Kopfball (18.) und Henrich Mchitarjan mit einem 20-Meter-Schuss (31.). Danach war es Reus, der zuerst einen Volleyschuss knapp neben das Tor setzte (39.) und danach Fährmann zu einer Parade zwang (45.). „Die erste Halbzeit haben wir sehr ausgeglichen gestaltet“, fand Schalke-Trainer Jens Keller, „Fährmann hat hervorragend gehalten. Es war klar, dass wir in der zweiten Halbzeit Probleme mit der Kraft bekommen, aber die Jungs haben großartig gekämpft.“

Der zweite Durchgang begann, wie der erste endete – mit einer Chance von Reus. Doch der Offensivstar kam nach Flanke von Kevin Großkreutz nicht richtig zum Torabschluss (47.). Die Königsblauen mussten bis zur 59. Minute warten, ehe Roman Neustädter mit einem Kopfball mal für Gefahr sorgte. Danach stand wieder Fährmann im Mittelpunkt, als er gegen Lewandowski (67.) und Reus (70.) klärte. Bei Mchitarjans Großchance musste er nicht eingreifen (73.).

Das Erfreulichste an dem Spiel war, dass die befürchteten Ausschreitungen ausblieben. Ein massiver Einsatz sorgte für Ruhe. Polizei und Bundespolizei setzen zusammen 3000 Beamte ein. Das war einer der größten Sicherheitseinsätze bei einem Fußballspiel in Nordrhein-Westfalen. Der BVB stellte rund 1000 Ordner. Die Polizei hatte beide Lager schon bei der Anreise durch ein neues Sicherheitskonzept getrennt. Bis kurz vor dem Anpfiff meldete die Polizei nur kleinere Zwischenfälle. Im Vorfeld waren rund 1000 gewaltbereite Anhänger erwartet worden, je 500 von beiden Klubs. Erstmals sah das Konzept eigene Parkflächen im Bereich der Westfalenhallen und eine U-Bahnstation ausschließlich für die Gästefans vor. Ab der U-Bahn-Station wurden die Fans der Königsblauen über einen abgetrennten Weg zum Stadion geführt. Vorgeschaltet war eine erste Sicherheitskontrolle rund 400 Meter vor dem Stadion. Mit Erfolg: Bis zum Schlusspfiff blieb alles ruhig.