2. Bundesliga

Ein Traumtor reißt Union aus allen Träumen

Berliner kommen auch gegen Paderborn nur zu einem 1:1

Marc Pfertzel holte aus und trat wütend in den Rasen. Zuvor war Torhüter Daniel Haas schon so aufgewühlt, dass er dem theatralisch in seinem Strafraum liegenden Paderborner Stürmer Elias Kachunga unsanft aufhelfen wollte und sich dafür eine Gelbe Karte abholte. Auf den Rängen entfuhr es einem Fan: „Das war es jetzt wohl für diese Saison, das wird ein langweiliger Rest.“ Alle waren bedient beim 1. FC Union. Unmittelbar vor dem Ende mussten die Berliner den Treffer zum 1:1 (0:0) hinnehmen. Das Unentschieden fühlte sich an wie eine Niederlage. „Wir hatten uns so viel vorgenommen, ich könnte weinen“, sagte Union-Mittelfeldspieler Sören Brandy, der zur Führung getroffen hatte. Der Traum vom Aufstieg in die Fußball-Bundesliga ist nun wieder etwas weiter in die Ferne gerückt.

In dieser Hinsicht war die Partie gegen den Dritten als richtungsweisend ausgerufen worden, die Reaktionen auf dem Rasen und auf den Rängen nach dem Spiel schienen dann auch in gewisser Weise so, als wäre da etwas abgehakt worden. Mit Platz sieben und vier Punkten Rückstand auf den Dritten aus Paderborn sind die Aufstiegsplätze zwar noch nicht aus dem Blickfeld verschwunden für die Köpenicker. Doch der schlechte Lauf von vier Partien in Folge ohne Sieg geht allen nah. „Wir sind schon tief enttäuscht“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. In der Kabine saßen derweil alle mit hängenden Köpfen, beschrieb Brandy die Gemütslage im Team.

Brandy trifft wieder gegen Ex-Klub

„Absolute Leere“ fühlte der 28-Jährige. Gegen die beste Rückrundenmannschaft mit dem besten Angriff der Liga hatten die Unioner vor 18.820 Zuschauern eine solide Leistung geboten. Eine falsche Entscheidung aber wurde am Ende hart bestraft. Für Paderborns Trainer André Breitenreiter ging das Ergebnis vom Spielverlauf her in Ordnung. Neuhaus aber war anderer Meinung. „Ich finde nicht, dass wir es verdient haben, den Ausgleich noch hinnehmen zu müssen“, sagte der Berliner. Er erkannte aber auch an, dass „wir in der Endphase den einen oder anderen Fehler zu viel machen“.

Letztlich war alles schon in Jubelstimmung in der 90. Minute. Doch die Gäste drängten nach vorn. Bei einem langen Ball gingen gleich drei Köpenicker auf Uwe Hünemeier. Der Paderborner verlängerte per Kopf, in der Union-Defensive waren plötzlich große Lücken, der gebürtige Berliner Süleyman Koc hatte viel Zeit und passte zurück zu Hünemeier, der mit einem traumhaften Schuss ins obere rechte Eck zum Ausgleich traf. Blankes Entsetzen machte sich breit.

Aus heiterem Himmel kam der bittere Treffer freilich nicht. Mal hatten die Gäste Vorteile in diesem Spiel, mal die Berliner. Union brauchte lange, um überhaupt in die Partie zu kommen. Lediglich mit Kontern kamen die Köpenicker in den ersten 20 Minuten vor das Tor. Erst mit einem höheren Laufpensum gelang es dem Team von Neuhaus, sich von den Gegenspielern zu entfernen und sich so mehr Passmöglichkeiten zu eröffnen. Gefährlich wurde es aber selten.

Union nutzte den Schwung und stabilisierte sich. Links hatte sich Patrick Kohlmann durchgesetzt und spielte auf Torsten Mattuschka. Der Kapitän schlug eine präzise Flanke in den Fünfmeterraum, wo der frühere Paderborner Brandy, der schon im Hinspiel beim 3:0 zweimal gegen seinen Ex-Klub erfolgreich gewesen war, per Kopf traf (53.). Zwar wechselten die Gäste Offensivspieler ein, um mehr Druck zu erzeugen. Die Räume, die sich Union boten, nutzen die Berliner allerdings nicht. Einen Schuss von Christopher Quirung lenkte Torhüter Lukas Kruse an den Pfosten (81.). „Wir hatten Möglichkeiten, die hätten wir nutzen müssen“, so Neuhaus.