Bundesliga

Guardiola gibt den Bayern das Okay zum Feiern

Die Münchener können so früh wie nie Meister werden

Der Rathausbalkon auf dem Marienplatz wird leer bleiben am Wochenende. Auch in den Münchner Nobeldiscos sind keine Tische reserviert worden. Warum auch? Bayern München wird mal wieder Meister, zum 24. Mal, wenn wir uns nicht verrechnet haben. Vielleicht schon am Sonnabend in Mainz, wahrscheinlicher am Dienstag in Berlin oder, wenn es ganz dumm läuft, erst im Heimspiel gegen Hoffenheim. „Feiern sind nicht mein Business“, sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola. Auch wenn er es seinen Spielern gestattet, möchte er sich selbst gern heraushalten. Und er tut alles dafür, dass die große Sause nicht in Mainz stattfindet, denn er nimmt nur 18 Spieler mit auf die Auswärtsfahrt.

Eigentlich völlig egal. Dass die Bundesliga eim 51. Jahr ihrer Existenz ihren ersten März-Meister bekommen wird, ist so sicher wie der Scherz am 1. des Folgemonats. Die Schale bekommen sie aber erst am 10. Mai, nach dem letzten Spiel. So will es der Ligadachverband DFL. Den Wunsch, dass erst am letzten Spieltag auch wieder der Meister ermittelt wird, was zuletzt 2009 geschah, kann die DFL auf absehbare Zeit niemandem erfüllen. Das ist auch nicht ihre Aufgabe, in ihrem Interesse wäre es schon.

Den Slogan „In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen“ können sie vorläufig bei der Auslandsvermarktung nicht ohne Scham anpreisen. „Bei uns feiern nur die Bayern“ wäre ehrlicher, aber nicht gewinnbringend. Nun gab es immer mal Meister mit Frühzündung, meistens trugen sie das Bayern-Trikot.

Aber zwei Dinge sind neu. Erstens geschah es noch nie im März, und zweitens waren es nie Wiederholungstäter. Die Bayern von 1973, nach 30 Spielen Meister, kamen 1974 erst am 33. Spieltag ins Ziel. Die von 1999 (15 Punkte Vorsprung) brauchten 2000 schon ein Eigentor des Leverkuseners Michael Ballack, um im letzten Moment noch von zwei auf eins zu springen. Und die von 2003 (16 Punkte Vorsprung) mussten 2004 Werder Bremen zähneknirschend zum Titel gratulieren. Als sie 2013 am 6. April in Frankfurt schon nach 28 Spielen die Ernte eingefahren hatten, hielt das alle Welt für einen Rekord für die Ewigkeit. Dabei war wohl der Wunsch nach Spannung der Vater des Gedankens. Einen Meister mit 25 Punkten Vorsprung würde es doch wohl nicht mehr geben!? Stand heute schon.

Diese Bayern jagen alle Rekorde, die nicht bei drei auf dem Baum sind. Auch den, die meisten Rekorde in einer Saison aufgestellt zu haben. Im Visier haben sie aktuell die meisten Punkte, die meisten Siege, ein Jahr ohne Niederlage und voller Heimsiege und so weiter und so fort.

Es wird höchste Zeit für ein paar Dämpfer. Einen Rekord haben sie noch lange nicht: die längste Serie ohne Niederlage auf deutschem Boden in der obersten Liga verzeichnet immer noch der 1. FC Nürnberg. Stolze 104 Spiele zwischen 1918 und 1922; in der guten alten Zeit, als noch elf Freunde hinter dem Ball her jagten. Hoffentlich liest Matthias Sammer das nicht, da hätte er wieder was zum Antreiben. Bayern hinter Nürnberg, wie kann das sein? Den nie zufriedenen Sportdirektor wird schon genug wurmen, dass seine Bayern einen Rekord verpasst haben: Sie sind garantiert nicht der erste Meister in Europa.

Olympiakos Piräus ist in Griechenland schon durch, in Österreich fehlt Salzburg (27 Punkte Vorsprung) nur noch ein Zähler. Kann das trösten, dass es in Österreich auch langweilig ist? Wohl kaum. Es wird Zeit für konstruktive Ideen gegen die Bayern-Dominanz.

Wie wäre es mit der Rückkehr zur 1995 abgeschafften Zwei-Punkte-Regelung? Also nur für die Bayern. Alle anderen bekommen weiterhin drei Punkte für einen Sieg. Der FC Bayern und Borussia Dortmund lägen dann aktuell mit je 48 Punkten Kopf an Kopf. Und wir hätten endlich mal wieder einen Meister im Mai. So wie es sich gehört. Noch bessere Ideen sind herzlich willkommen.