Champions League

Schon wieder Real

Borussia Dortmund hadert mit seinem Los im Viertelfinale der Champions League. Bayern München trifft auf Manchester United

Schon wieder, immer dieses Real Madrid. Gibt es etwas Schlimmeres? Aus Dortmunder Sicht kaum. Sportlich schwer zu bezwingen, in dieser Saison besonders. Und dann ist da ja auch noch der Gähn-Effekt. Denn Borussia Dortmund gegen Real Madrid, das gab es vergangene Saison gleich vier Mal in der Champions League. Erst in der Gruppenphase, BVB gegen Real, Sieg und Remis. Und dann Halbfinale, Dortmund gegen Madrid, 4:1 im Heimspiel, vier Tore von Robert Lewandowski. Zwar 0:2 im Rückspiel, aber das genügte fürs Finale.

Irgendwie reicht es den Borussen nun auch mit Real, so hört sich zumindest Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke an: „Abwechslung klingt anders. Wir hätten gern mal etwas anderes gehabt. Aber im Rückspiel ist Lewandowski ja wieder da. Wenn er wieder vier Tore macht, ist alles in Ordnung.“ Kapitän Sebastian Kehl sprach von einem „Hammerlos. Sie sind in dieser Saison noch ein Stück stärker und werden hochkonzentriert an diese Begegnungen herangehen.“

Top-Torjäger van Persie fällt aus

Lewandowski soll es richten, das ist die Hoffnung. Aber ausgerechnet Dortmunds Europapokal-Rekordtorjäger (18 Treffer), im laufenden Wettbewerb sechs Mal erfolgreich, wird im Viertelfinal-Hinspiel (1./2. April) wegen einer Gelbsperre fehlen. Watzke sagt, er hätte gern den Gegner der Bayern gehabt. Die müssen nach der Auslosung zunächst bei Manchester United antreten. Ein Glückslos. „Man muss doch nur auf die Tabelle in England gucken. Für Bayern ist die Chance, im Finale zu sein, größer als für uns“, sagt Watzke.

Manchesters neuer Trainer David Moyes hat die Nachfolge von Alex Ferguson angetreten. Bislang erwies sich die Aufgabe als eine Nummer zu groß für den Schotten. Der englische Rekordmeister spielt eine schwache Saison, rangiert in der Premier League nur auf dem siebten Platz. Sogar die Qualifikation zur Europa League ist damit gefährdet. Zudem fällt Top-Angreifer van Persie wegen einer Knieverletzung „vier bis sechs Wochen“ aus, teilte der Verein am Freitagabend mit. Und nun die Bayern, Titelverteidiger, weit enteilter Tabellenführer der Bundesliga, strotzend vor Kraft.

Die Münchener waren darum bemüht, Respekt nach der Auslosung durchklingen zu lassen. Etwa Sportchef Matthias Sammer. „Es ist ein hochattraktives Los gegen einen Gegner, der in der Meisterschaft und Champions League um Stabilität ringt. ManU schwankt im Moment, aber an guten Tagen sind sie brandgefährlich. Ein machbares Los, aber ein gefährliches“, sagte er. Kapitän Philipp Lahm freute sich über „ein super Los. Wir sind der Titelverteidiger und einer der großen Favoriten in der Champions League“. Keine Frage, der Titel führt auch dieses Jahr wieder nur über den FC Bayern, zumal bei diesem Gegner im Viertelfinale. Wenn er auch nicht mehr zu den großen Darstellern auf der europäischen Bühne gezählt werden kann, so liefert die gemeinsame Geschichte beider Klubs doch genug Dramaturgie.

Erinnerungen an Barcelona

Man erinnert sich, Finale der Champions League 1999 in Barcelona. Es steht 1:0, die Bayern wähnen sich schon als Sieger. Doch dann wird es ebenso dramatisch wie legendär: In der Nachspielzeit entreißen die Engländer durch zwei Treffer von Ole Gunnar Solskjaer und Teddy Sheringham den Münchnern den sicher geglaubten Titel. Es markiert den Moment des größten Schmerzes in der Vereinsgeschichte. Ein bisschen davon kommt immer hoch, wenn Manchester wieder der Gegner ist.

Am Ende ist es sowieso einfache Mathematik, welche die Champions League bestimmt. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hat das erkannt. „Wenn man sich wiederholt für die Runde der besten acht Mannschaften Europas qualifiziert“, sagte er, „muss man einfach damit rechnen, dass es manch eine Paarung eben häufiger gibt.“ Wie die seiner Borussen gegen Real. Die sehen es als Vorteil, zunächst in Madrid spielen zu können und im Rückspiel vor eigenem Publikum. Vielleicht ist es dann der eigenen Mannschaft wieder etwas wohl gesonnener. Bei der Niederlage am Mittwoch gegen Zenit St. Petersburg war die Stimmung ja gekippt, was die Spieler zur Abrechnung mit den eigenen Fans trieb. Gegen Real besteht Hoffnung, dass sich die Erwartungshaltung wieder auf Normalmaß einpendelt. Das ZDF überträgt aber nur das Hinspiel in Madrid am 2. April live.

Vielleicht gelingt sogar die Sensation, zumindest hat sie Klopp nicht abgeschrieben - Verletzungssorgen hin oder her. „Es ist nicht an der Zeit, jetzt schon die weiße Flagge zu hissen“, sagt er. Deutschland ist für die Madrilenen auch kein gutes Pflaster. In 26 Europapokalspielen gelangen ihnen lediglich zwei Erfolge: ein 3:2 im September 2000 bei Bayer Leverkusen und das 6:1 in dieser Saison bei Schalke 04. Immerhin garantierten die Spanier, dass es nicht zum deutschen Duell kam. Dortmund gegen die Bayern, auch das wäre bei dieser Auslosung möglich gewesen. Aber wer will das schon im Viertelfinale sehen?

Nun kann es frühestens im Halbfinale dazu kommen – natürlich nur im Erfolgsfall für beide. Außerdem trifft der FC Barcelona auf Atletico Madrid, Paris St. Germain bekommt es mit dem FC Chelsea zu tun. Die Bayern klingen optimistisch, wenn es auch warnende Stimmen gibt. So sagt Arjen Robben: „ManU ist immer noch eine Top-Mannschaft. Old Trafford ist etwas Besonderes, das müssen wir genießen. Die Fans werden der zwölfte Mann für Manchester sein.“ Selbst sein sonst so forscher Teamkollege Thomas Müller erinnert: „Manchester hat im Achtelfinale mit einer überragenden Leistung das Ding gegen Piräus noch gedreht. Das zeigt, dass bei ihnen Qualität da ist.“ Aber das Rückspiel (9. April/ZDF) findet ja in München statt. Dort soll ein wichtiger Schritt gelingen. Ein Schritt Richtung Finale, das am 24. Mai in Lissabon stattfindet.