Hockey

„Dem Eishockey immer ähnlicher“

An den neuesten Regeländerungen im Hockey scheiden sich die Geister

Die nächste Reform im Hockey erregt die Gemüter. „Bei uns wird jedes Jahr irgendwie herumgedoktert, und es ist jedes Jahr das gleiche Ding, dass am Sport vorbei entschieden wird. Ich bin davon nur wenig begeistert“, reagierte Männer-Bundestrainer Markus Weise auf die ab September für Topturniere gültige Entscheidung des Weltverbandes FIH: „Durch diese Änderungen werden wir dem Eishockey immer ähnlicher.“

Künftig wird ein Hockeyspiel viergeteilt. Anstelle von zwei Halbzeiten zu je 35 Minuten gibt es vier Viertel, die netto je 15 Minuten dauern sollen. Insofern hat Weise, der 2004 die deutschen Frauen sowie 2008 und 2012 die deutschen Männer zu Olympia-Gold führte, recht, wenn er sich an Eishockey erinnert fühlt. Die FIH-Spitze entschied sich im Kampf um ihre gefährdete olympische Zukunft für weitere Reformen. Nach jedem Tor und jeder Strafecke gibt es 40-sekündige Auszeiten, neben der zehnminütigen Pause in der Spielmitte in Zukunft nach dem ersten und dritten Viertel für je zwei Minuten Erholungsphasen. „Angeblich werden wir dadurch telegener oder irgendein Blabla. Ich verstehe den Sinn nicht“, schimpfte Weise.

Der spanische FIH-Präsident Leandro Negre müht sich dagegen um eine positive Deutung: „Das ist für Fans attraktiver, auch die Trainer haben mehr Möglichkeiten, ihre Teams taktisch neu einzustellen.“ Die Pausen eignen sich zudem für Werbeeinblendungen bei Fernsehübertragungen. Nicht unwichtig für eine Randsportart.

Weises Spieler sehen den Änderungen daher entspannter entgegen. So sagt Olympiasieger Moritz Fürste: „Eine Verkürzung der Brutto-Spielzeit bedeutet längst nicht auch eine Verkürzung der Nettospielzeit, und in der absoluten Weltspitze sind die Mannschaften auch im physischen Bereich so nahe beieinander, dass Spielzeit oder Pausen kaum einen Unterschied machen dürften.“

Ähnlich sieht es Olympiasieger Martin Häner vom Berliner HC. Er erwähnt eine Statistik, die belegt, dass das olympische Finale in London netto 46 Minuten gedauert habe. „Die Spielzeit verringert sich also nicht, sie wird sich eher erhöhen“, sagt er und verweist auf positive Änderungen, die es vorher schon gegeben hatte. Es gibt keine ruhenden Bälle mehr bei langen Ecken und Freischlägen. „Auch die Einführung des Videobeweises war eher fortschrittlich.“ Er hofft, dass Hockey durch die Reformen noch attraktiver für die Medien werde.