Fußball

Union hat großen Respekt vor der grauen Maus

Mit Paderborn wartet alles andere als ein leichter Gegner

Den SC Paderborn als Nabel Fußball-Deutschlands zu bezeichnen, würde ohne Zweifel zu weit gehen. Auf diesen Schild würden die Westfalen wohl auch gar nicht gehoben werden wollen. Viel mehr trägt der Fußball-Zweitligist auch in diesen Tagen – bei allem Respekt, versteht sich – immer noch eher jenes Graue-Maus-Image mit sich, das ein Profiklub gern so schnell wie möglich loswerden möchte. Doch wie soll das gehen in einer Großstadt (Paderborn hat immerhin rund 145.000 Einwohner), in der die Anwohner des heimischen Stadions per Gerichtsbeschluss erwirkt haben, dass nach 22 Uhr nicht mehr gespielt werden darf, um die Nachtruhe zu wahren?

Die Antwort ist ganz einfach: Indem man sich mit guten Leistungen in der Aufstiegsregion des Bundesliga-Unterhauses derart festbeißt, wie es der SCP in diesen Wochen getan hat. „Man muss einfach anerkennen, dass sie richtig solide und gute Arbeit machen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus, dessen 1. FC Union am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei) auf eben jenes Überraschungsteam der Saison trifft: „Das ist auch gut so, dass man nicht alles planen kann. Wenn automatisch die Mannschaften mit dem höchsten Etat aufsteigen würden, dann bräuchten wir die Spiele gar nicht bestreiten.“

Dieses Spiel muss Union bestreiten. Und zwar erfolgreich. Ein Blick auf die Tabelle genügt, um die Wichtigkeit dieses Duells für die Berliner zu verdeutlichen. Union liegt als Tabellensechster vier Punkte hinter dem SCP. Ein Sieg, und Union ist wieder herangerückt an die Aufstiegsplätze. Geht die Partie jedoch verloren, wächst der Rückstand auf sieben Zähler. Bei dann acht ausstehenden Spielen wäre eine Aufholjagd ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Schon ein Remis bringt Union nicht voran, weil der Abstand zwar gleich, die Möglichkeiten aufzuholen jedoch weniger geworden sind. Union gegen Paderborn, das heißt für die Köpenicker folglich: alles oder (fast) nichts.

Erwartet die Neuhaus-Schützlinge entgegen dem bislang vom Trainer Gesagten doch ein Endspiel? „Nein, ich glaube nicht“, sagte der Trainer sogleich. Aber: „Je länger wir nicht gewinnen, desto bewusster ist uns natürlich auch, dass wir gewinnen müssen, wenn wir oben dran bleiben wollen. Ich würde das aber nicht als Risiko begreifen, sondern als Chance, diese Gegner dann zu Hause auch empfangen zu können.“ Nach Paderborn kommen auch noch Spitzenreiter Köln (11.4.) und Mitanwärter Kaiserslautern (28.4.) in die Alte Försterei. Doch es ist Paderborn, die graue Maus unter den Aufstiegskandidaten, gegen die die Unioner am Scheideweg steht.

Bestes Auswärtsteam zu Gast

Wie ernst die Westfalen, die vor zwei Jahren schon einmal kräftig an die Tür zur Bundesliga geklopft haben, zu nehmen sind, zeigen die vergangenen Wochen. Paderborn ist die mit Abstand beste Rückrundenmannschaft (sechs Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage). Zudem hat das Team von Coach Andre Breitenreiter auf fremden Plätzen mit 25 Toren die meisten aller Konkurrenten erzielt. „Aber sie haben mit 29 Toren auch eine Menge kassiert“, fügte Union-Coach Neuhaus hinzu.

Dennoch ist diese Saison für Paderborn eine Erfolgsgeschichte. Das ausgerufene Saisonziel Klassenerhalt ist längst erreicht, „deshalb können wir unsere Spiele jetzt genießen“, sagte SCP-Trainer Breitenreiter. Mit Alban Meha besitzt er einen ausgewiesenen Spezialisten bei ruhenden Bällen, sechs seiner neun Treffer erzielte er per Freistoß. Und dann ist da eben das Image, dass den Gegner gern dazu neigen lässt, den SC Paderborn zu unterschätzen.

„Ich finde es gut, dass es immer solche Ausreißer und Überraschungen gibt. Jetzt werden wir alle gespannt sein, ob sie es bis zum Ende durchziehen können“, sagte Unions Trainer Neuhaus. Dass die Westfalen noch abgefangen werden sollten, und zwar am besten von seiner Mannschaft, versteht sich dabei von selbst.