Füchse Berlin

Vor dem großen Wurf

Handball-Nationalspielerin Natalie Augsburg steht mit den Füchsen vor dem Bundesliga-Aufstieg

Zunächst war es bloß ein Scherz unter Freundinnen. „Wenn ihr aufsteigt, dann komme ich auch nach Berlin“, hatte Handball-Nationalspielerin Natalie Augsburg mit ihrer Teamkollegin Christine Beier gewitzelt, nachdem diese vom insolventen Erstligisten Frankfurter HC zu den Füchse-Frauen in die Zweite Liga gewechselt war. Augsburg hatte schon immer ein Faible für die Hauptstadt gehabt, schon nach dem Abitur wäre sie am liebsten nach Berlin gezogen. Stattdessen machte sie Karriere beim Rekordmeister HC Leipzig, gewann zweimal die Deutsche Meisterschaft (2009, 2010) und einmal den DHB-Pokal (2008). Mit der Zeit aber wurde sie unglücklich, trotz aller Erfolge. „Leipzig war mir auf Dauer zu klein. Ich bin ein Großstadtkind“, sagt sie. Im Dezember, kurz nach der WM in Serbien, wo sie mit der deutschen Mannschaft Platz sieben erreichte, brach sie ihre Zelte ab und wechselte zu den Spreefüxxen.

Entscheidend war die berufliche Perspektive. „Vom Frauenhandball allein kann man nicht leben“, sagt Augsburg. In Berlin arbeitet die 30-Jährige neben dem Sport bei einem der Hauptsponsoren der Füchse-Frauen und kümmert sich unter anderem um die Sponsorenakquise für den Zweitligisten. Augsburg vermarktet sich sozusagen selbst.

Die beste Werbung wäre natürlich ein Aufstieg in die Bundesliga. Natalie Augsburg zweifelt nicht daran, dass die Spreefüxxe am Saisonende einen der ersten drei Plätze belegen, die zum Sprung ins Oberhaus berechtigen. „Ich bin nicht gekommen, um ein weiteres Jahr Zweite Liga zu spielen“, sagt sie. Ihr Vertrauen in die Mannschaft ist so groß, dass sie sich erst gar keinen Plan B überlegt hat, falls es mit dem Aufstieg doch nicht klappen sollte. Ob das womöglich fahrlässig war, werden die kommenden Wochen zeigen: Dann treffen die derzeit drittplatzierten Füchse-Frauen an fünf Spieltagen hintereinander ausschließlich auf Teams aus den Top Fünf. Los geht es an diesem Sonnabend mit einer Auswärtspartie beim BVB Dortmund, danach folgen Duelle in Zwickau, zu Hause gegen Bad Wildungen und erneut gegen Dortmund. „Das sind die entscheidenden Spiele“, sagt Augsburg. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Berlinerinnen in der Bundesliga erwarten würde.

Augsburg ist mittlerweile sehr froh darüber, nach Berlin gewechselt zu sein. Direkt nach ihrer Ankunft bei den Füchse-Frauen hatte sie allerdings kurz gezweifelt, ob ihre Entscheidung richtig war. Der Klub machte eine Schwächephase durch, holte aus drei Partien bloß einen Punkt und drohte den Anschluss an die Aufstiegsplätze zu verlieren. Und womöglich war es sogar die Ankunft der 66-maligen Nationalspielerin selbst, die dafür verantwortlich war: „Danach hieß es überall, dass der Aufstieg nun gelingen müsse. Diese hohen Erwartungen muss man erst einmal verkraften können, gerade als junge Spielerin. Das ist eine mentale Sache“, sagt sie. Doch die Mannschaft fing sich wieder. Seit dem Trainerwechsel von Dietmar Rösicke zu Lars Melzer steht die Abwehr deutlich sicherer als zuvor, was zu großen Teilen auch ein Verdienst von Natalie Augsburg ist. Sie gilt als eine der besten Defensivspielerinnen in Deutschland, die aber auch offensiv ihre Qualitäten hat. In den vergangenen Jahren war Augsburg stets die beste Feldtorschützin des HC Leipzig gewesen. Dass sie in Berlin bislang erst 29 Mal getroffen hat, stört sie nicht: „Das liegt auch daran, dass ich als Nationalspielerin meistens ganz besonders eng gedeckt werde. Aber so haben die anderen Spielerinnen mehr Platz zum Werfen.“

Mehr Platz wünscht sich die gebürtige Polin auch zu Hause. Noch immer hat sie keine eigene Wohnung, erst im April zieht sie in den Prenzlauer Berg. Bis dahin hat sie ein Zimmer bei Teamkollegin Anna Eber bezogen. Ihre Sachen liegen größtenteils noch in Leipzig. „Ich lebe derzeit noch aus vier Taschen“, erzählt Natalie Augsburg. Sie nimmt es in Kauf, um in ihrer Lieblingsstadt Handball spielen zu können.