Basketball

Albas Hoffnung zerplatzt schon im Hinspiel

Im Eurocup-Viertelfinale gehen die Berliner Basketballer bei Valencia BC mit 54:86 unter

Irgendwann muss den Spielern von Alba Berlin schwindelig geworden sein. Vielleicht haben sie sich auch einfach gefürchtet, weil es ihnen vorkam, als huschte ein Geist um sie herum. Mal sahen sie den Schatten von Justin Doellman links an sich vorbeiflitzen, mal war rechts ein Windhauch zu spüren. Doellman, der 29 Jahre alte US-Amerikaner, lief eine Zeit lang jeden Ball ab, stand hinten, stand vorn, legte den Ball in den Korb, wie er wollte. Über fünf Minuten ging das so, fünf Minuten, in denen die Berliner zum Anfang des zweiten Viertels im Viertelfinal-Hinspiel des Eurocups beim Valencia Basket Club keinen Punkt markierten. Fünf Minuten, in denen Alba einbrach, in denen die Berliner die Partie verloren. Mit 54:86 (15:22) wurde Alba letztlich abgefertigt, teilweise vorgeführt und ohne eine reale Hoffnung nach Hause geschickt, im Rückspiel am Dienstag in der O2 World (20 Uhr) vielleicht doch noch ins Halbfinale einziehen zu können.

In dieser Phase zu Anfang des zweiten Viertels sah es so aus, als würde Doellman ganz allein mit Alba fertig werden. 21 Punkte machte er in den ersten 18 Minuten, die gesamte Berliner Mannschaft kam in dieser Zeit gerade einmal auf 20 Zähler. Vom Selbstvertrauen, das die Alba-Spieler sich mit ihren guten Vorstellungen, mit ihren 15 Siegen in 18 Eurocup-Partien und auch mit dem 70:58 gegen Meister Bamberg in der Bundesliga erarbeitet haben sollten, war nicht mehr viel zu sehen. Viel zu überlegen zeigte sich Valencia. Auf allen Positionen – am Brett und aus der Distanz – hatten die Berliner den Spaniern kaum etwas entgegenzusetzen.

„Wir haben schon gegen Mannschaften bestehen können, die auf dem Papier besser waren als wir. Aber da waren wir in der Lage, das Tempo zu kontrollieren. Gegen Valencia sind wir nur hinterhergelaufen“, sagte Alba-Sportdirektor Mithat Demirel. Vor allem Doellman, mit 33 Punkten der Mann des Spiels, bekam Alba nie unter Kontrolle. Dabei versuchte Trainer Sasa Obradovic alles und setzte mit Jan Jagla, Levon Kendall und Alex King gleich drei verschiedene Akteure auf Doellman an.

Zu Beginn immerhin sah es so aus, als könnten die Berliner die Partie offen gestalten. Gegen eine Mannschaft mit so starken Akteuren wie Valencia, die mit sehr guter Struktur und äußerst aggressiv in der Defensive agiert, die modern, vielseitig und schnell spielt, ist das eine große Herausforderung. Aber Alba führte sogar 13:10 nach sieben Minuten. Dann jedoch leisteten sich die Berliner Ballverluste, die Valencia hart bestrafte. Damit veränderte sich das Spiel.

„Das ist eine sehr gute Mannschaft, die in Spanien nicht umsonst vor Barcelona und Malaga Zweiter ist. Gegen so ein Team muss alles zusammenpassen, und man muss über sich hinauswachsen“, so Demirel. Doch mit den Fehlern kam Unsicherheit auf bei Alba, Valencia hingegen unterstrich, warum es Favorit auf den Eurocup-Titel ist. Das Tempo wurde angezogen, die Würfe gewannen an Sicherheit und landeten fast ununterbrochen im Korb. Während die Berliner jede Struktur und Ordnung verloren, gelang dem Gegner einfach alles. Mit einer Serie von 23:0 Punkten machte Valencia frühzeitig alles klar. „Wir waren nicht in der Lage, das Tempo im zweiten Viertel mitzugehen. Wir haben dem Druck nicht standgehalten und uns überrennen lassen“, so Demirel, der mit ansehen musste, wie seine Mannschaft oft schon kurz nach der Mittellinie den Ball gegen die hyperpräsente Defensive der Spanier verlor. Allein vor der Halbzeit unterliefen den Berlinern 15 Ballverluste. Oft wurde der Ball überhastet gespielt, dabei hatte Trainer Obradovic zuvor Geduld eingefordert angesichts der hohen Qualität des Gegners.

Leichte Besserung am Ende

Valencia hingegen strahlte mit Top-Quoten in allen Bereichen, traf aus der Distanz gut 50 Prozent der Würfe, war unter dem Korb sicher, holte die Rebounds. Den Berlinern hingegen gelangen in der ersten Hälfte nur drei erfolgreiche Zwei-Punktwürfe. Auch im dritten Viertel änderte sich kaum etwas an den Verhältnissen auf dem Feld: Alba traf zwar etwas besser, die Spanier jedoch bauten ihren Vorsprung munter aus. Zwischenzeitlich lag Valencia sogar mit 38 Punkten vorn. An eine Revanche für die Niederlage der Berliner im Eurocup-Finale gegen Valencia vor vier Jahren (44:67) mochte da längst niemand mehr denken.

Wenigstens konnte Alba im letzten Viertel ein wenig am Ergebnis arbeiten. Mit 17:13 setzten sich die Berliner, bei denen David Logan mit 12 Zählern bester Werfer war, im letzten Abschnitt durch. Das lag an der Minderung der Ballverluste, Valencia hatte es nicht mehr so einfach, seine Körbe zu erzielen. Allerdings machte das für das Rückspiel nicht unbedingt mehr Mut.