Handball

Füchse-Profi Jaszka sehnt sich nach einer Ruhepause

Bartlomiej Jaszka atmet tief durch, wenn er sagt: „Manchmal fühle ich mich richtig kaputt.“

Doch der Handballprofi der Füchse Berlin schiebt gleich eine rhetorische Frage nach: „Aber was soll ich machen?“ Augen zu und durch, Schmerzen Schmerzen sein lassen, etwas anderes bleibt dem 30-Jährigen nicht übrig. Denn bei den Füchsen herrscht Personalnotstand. Weil in Sven-Sören Christophersen, Pavel Horak, Paul Drux und Oliver Milde gleich vier Rückraumspieler verletzt sind, muss der polnische Nationalspieler fast pausenlos auf dem Parkett stehen.

Seit Wochen geht das so. Und auch heute Abend wird es so sein, wenn die Berliner zum Bundesligaspiel in der Max-Schmeling-Halle (20.15 Uhr, Sport1) gegen den TBV Lemgo anzutreten haben. Dann wird Jaszka nicht nur wieder als Denker und Lenker auf der Position Rückraum Mitte im Einsatz sein. Da einige fehlen, muss er – was sonst kein Normalzustand ist – auch noch in der Defensive ran. In den vergangenen Wochen bedeutete das: Jaszka spielte fast immer die kompletten 60 Minuten durch. Verschnaufen auf der Bank – Fehlanzeige. Das zehrt an den Kräften. „Aber da muss ich durch“, sagt er nur.

Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson versucht zwar immer wieder, dem einen oder anderen stark Belasteten Pausen zu geben. Aber Spieler wie der Spanier Iker Romero oder eben Jaszka sind zurzeit unersetzlich. „Wir Routinierten stehen jetzt besonders in der Pflicht“, weiß Jaszka. Was sich wieder am vergangenen Sonntag zeigte, als er im so wichtigen Spiel gegen HCM Constanta mit acht Treffern bester Berliner Werfer war; Romero war vier Mal erfolgreich und glänzte wie sein polnischer Kollege mit starken Anspielen.

Die Füchse wissen, was sie an Jaszka haben. Bereits im Jahr 2011 hatten sie ihn mit einem „Rentenvertrag“ bis 2017 ausgestattet. Bob Hanning erklärt: „Als Geschäftsführer sollte ich eigentlich objektiv sein, trotzdem sage ich: Er ist mein Lieblingsspieler.“

Dabei war Jaszka einst eine echte Notverpflichtung. Nach dem Aufstieg 2007 mussten die Berliner nach einigen Spielen feststellen, dass das Team dringend Verstärkung benötigte. Es wurde nachgebessert mit Jaszka und dessen Landsmann Michael Kubisztal, die von Zaglebie Lubin nach Berlin wechselten. Während Kubisztal die Erwartungen bei den Berlinern nur bedingt erfüllen konnte, hat sich Jaszka eindrucksvoll durchgesetzt.

Bartlomiej Jaszka, der mit einer Größe von 1,84 Meter und einem Gewicht von 88 Kilogramm als Rückraumspieler schmächtig daherkommt, ist ein eher stiller Mensch. „Er ist immer besonders gut, wenn er sein seelisches Gleichgewicht hat“, sagt Hanning. „Er macht sich viele Gedanken.“

Für den Profi ist es sehr wichtig, das Vertrauen von Sigurdsson und Hanning zu haben. Sehr gut getan hat Jaszka auch, dass er kürzlich für ein paar Tage auf Heimatbesuch in Ostrow Wielkopolski, etwa 400 Kilometer von Berlin entfernt, sein konnte, wo Frau und Kind wohnen.

Wie lange es noch dauern wird, bis die ersten Verletzten zurückkommen, ist nicht wirklich abzusehen. Jaszka muss noch weiter durchhalten, auch wenn er sagt, vor Erschöpfung habe er manchmal „gar keine Lust auf Handball“. Es bleibt für ihn zumindest die Aussicht: „Wenn die Verletzten wieder dabei sind, kann ich vielleicht ein bisschen mehr regenerieren.“ Und nach ein paar Sekunden fügt er lächelnd hinzu: „Hoffentlich.“