Tennis

Ohne Becker läuft Djokovic zu Hochform auf

Dem Serben gelingt in Abwesenheit seines Trainers der erste Turniersieg der Saison

Das Fazit des abwesenden Boris Becker stand schnell fest: „Der bessere Spieler hat gewonnen“, twitterte der Coach von Novak Djokovic nach dem 3:6, 6:3, 7:6 (7:3) seines Schützlings im Finale des Master-Turniers von Indian Wells gegen Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer. Ein wenig gewurmt haben dürfte Becker die Tatsache aber doch, dass er ausgerechnet beim ersten Turniersieg von Djokovic in diesem Jahr nicht in der Box des Serben saß, sondern zu Hause vor dem Fernseher.

Erst beim am Dienstag beginnenden ATP-Tournament in Miami (bis 30. März) wird der Deutsche wieder zum Team Djokovic stoßen. Das war bereits vor Wochen so vereinbart. In der kalifornischen Wüste stand sein alter Trainer Marjan Vajda dem „Djoker“ zur Seite. Und das mit Erfolg, denn nach einer über viermonatigen Durststrecke glückte dem 26-Jährigen wieder ein Coup. „Die Art und Weise, wie ich diesen Titel gewonnen habe, macht mich sehr glücklich und stolz. Ich bin mental stark geblieben. Und das gibt mir Selbstvertrauen für die Saison“, sagte Djokovic.

Die bisherige Arbeit mit Becker kommentierte Djokovic eher verhalten. „Ich denke, ich kann in der Arbeit mit Boris auf mehr Positives als Negatives zurückblicken“, sagte er der BBC und warb gleichzeitig um Geduld: „Es ist erst der Anfang der Zusammenarbeit, und man kann erwarten, dass es etwas Zeit braucht, bis wir verstehen, wie wir arbeiten und wie wir sind – auf dem Platz und abseits davon.“ In Kalifornien lief Djokovic’ Spiel unter den Augen Vajdas bereits rund, das hochklassige Match wurde nach 2:12 Stunden durch einen Rückhandfehler von Federer entschieden.

Aus Sicht des Schweizers war es der eine Fehler zu viel. In der Endabrechnung hatte Djokovic gerade einmal einen Punkt mehr auf dem Konto als Federer (99:98). Auch deshalb durfte sich der 32-Jährige nach dem Duell der beiden ehemaligen Weltranglistenersten auch irgendwie als „1b“-Sieger fühlen. „Natürlich ist es hart, ein paar Punkte vom Erfolg entfernt zu sein und trotzdem zu verlieren“, sagte Federer: „Aber ich spiele wieder richtig gutes Tennis.“

Nur einen Turniersieg (Halle/Westfalen) hatte der Schweizer im vergangenen Jahr feiern können. Nicht zuletzt wegen anhaltender Rückenschmerzen. Der 17-malige Grand-Slam-Turniersieger fiel auf Platz acht des Rankings zurück. Experten wie John McEnroe prognostizierten, dass der „langsamer gewordene Roger“ keinen Major-Titel mehr holen werde. Doch Roger Federer konterte die Kritik auf seine Art. Er verpflichtete den früheren Wimbledonsieger Stefan Edberg, 48, als neuen Coach und griff zu einem neuen Schläger mit größerem Rahmen. „Ich sehe jetzt, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe. Ich habe wieder Vertrauen in mein Spiel“, sagte der Weltranglisten-Fünfte. Seiner Zeit ist er jedenfalls voraus: „Ich bin schon überrascht, dass alles so schnell ging. Es war ein Superstart ins Jahr.“ Der zweitbeste in den vergangenen acht Jahren übrigens.