Bundesliga

Hertha pfeift auf dem letzten Loch

Vor der englischen Woche gegen Gladbach, Bayern und Schalke verschärfen sich die Personalsorgen

Am Montag blieb der Schenckendorffplatz verwaist. Herthas Trainer Jos Luhukay hatte seinen Spielern einen Tag frei gegeben. Einmal kräftig durchschnaufen, Kopf und Beine lockern. Die Berliner werden diesen Moment der Muße brauchen. Es dürfte schließlich der letzte für die kommenden elf Tage sein.

Der Aufsteiger steht vor der anspruchsvollsten Aufgabe der Rückrunde: In der englischen Woche sind drei Spiele in nur sieben Tagen angesetzt. Dazu warten Gegner auf die Blau-Weißen, die dem geneigten Berliner Anhänger ein Seufzen abringen dürften: Am Sonnabend reist Hertha zu Borussia Mönchengladbach, das sich gerade mit einem 2:1 bei Borussia Dortmund aus der eigenen Sieglosigkeit nach der Winterpause befreit hat und weiterhin Anspruch auf die Teilnahme am Europapokal erhebt. Drei Tage später empfängt Luhukays Team am Dienstag den FC Bayern, der bei einem Sieg im Olympiastadion möglicherweise sogar schon das Meisterweizen kosten könnte. Und wiederum nur drei Tage später tritt Hertha am Freitag beim FC Schalke 04 an, der sich in bestechender Form befindet und das zweitbeste Rückrundenteam stellt.

„Das wird eine Hammerwoche, die auf uns zukommt“, sagte Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Luhukay kündigte vorsorglich schon einmal an: „Es könnte sein, dass wir aus diesen drei Partien mit null Punkten hervorgehen.“ Das ist zum einen der erwarteten Qualität der Gegner geschuldet. Zum anderen aber verschärfen sich bei den Herthanern vor der englischen Woche auch die Personalsorgen. Hatte Hertha in der Hinrunde noch kräftig alle Töne der Tonleiter zum Besten geben können, ist man nun scheinbar auf dem letzten Loch angekommen. Die personellen Möglichkeiten sind erschöpft, und das hat drei Gründe: 1. Vier Schlüsselspieler sind verletzt und kehren nicht rechtzeitig zurück. 2. Einige Akteure wirken überspielt, andere stecken in einer Formkrise. 3. Vier Profis drohen Sperren, was die Personalsituation zusätzlich verschlechtern würde.

Von den 23 Feldspielern (abzüglich der zur U23 versetzten Maik Franz und Peer Kluge), die Luhukay zum Rückrundenstart im Kader hatte, stehen dem Niederländer für die drei kommenden Spiele nur noch 16 zur Verfügung: Kapitän Fabian Lustenberger hat nach seinem Muskelfaserriss gerade erst mit dem Lauftraining begonnen. Änis Ben-Hatira, Tolga Cigerci und Marcel Ndjeng befinden sich nach Verletzungen ebenfalls erst im Aufbautraining. Und Alexander Baumjohann hat nach seinem Kreuzbandriss noch Rückstand. „Sie alle werden für die drei Spiele nicht einsetzbar sein“, sagte Luhukay. Einzig bei Ben-Hatira bestehe eine kleine Chance, dass er gegen Schalke spielen kann.

Von den 16 verbliebenen Feldspielern sind einige nicht in bester Verfassung: Levan Kobiashvili wirkte beim 0:3 gegen Hannover deutlich überspielt. Dem bald 37-Jährigen trauen sie bei Hertha nicht zu, die drei Partien in sieben Tagen zu bestreiten. John Brooks stünde als Alternative bereit, doch auch dem 21-Jährigen werden nach langer Pause ebenfalls nicht drei Partien in kürzester Zeit zugemutet. Nico Schulz offenbarte zudem gegen die Niedersachsen, dass er tief in einer Findungsphase steckt. Alternativen für ihn hat Luhukay aber nicht.

Vier Spielern drohen Sperren

Der Trainer hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass sein Kader eigentlich nicht gut genug sei, um auf mehr als den Klassenerhalt zu hoffen. Es wurde als Verweis auf die höhere Qualität der Einzelspieler bei der Konkurrenz verstanden. Aber es lässt sich auch auf die Breite des Kaders übertragen: Durch die gesamte Saison hindurch bot sich Luhukay nie die Möglichkeit, Spielern Pausen zu gönnen. Adrian Ramos, Per Skjelbred, Hajime Hosogai und Langkamp, sie alle standen die überwiegende Zeit auf dem Spielfeld. Je länger die Saison läuft, umso mehr muss Hertha dem nun Tribut zollen. Als ein Indiz dafür darf gelten, dass die Berliner seit Beginn der Rückrunde durchschnittlich vier Kilometer pro Spiel weniger laufen (114,68 Kilometer) als noch in der Hinserie (118,43).

Richtig dünn wird die Personaldecke dann, wenn sich Langkamp, Hosogai, Peter Pekarik oder Ronny demnächst die fünfte Gelbe Karte einhandeln und für ein Spiel gesperrt würden. Luhukay hat dennoch keine Alarmstimmung ausgelöst und sich stets untersagt, über Unwägbarkeiten zu jammern. Vielleicht erinnert er sich an den letzten Spieltag der Hinrunde: Damals fielen bei Hertha sechs Spieler (darunter Torwart Thomas Kraft, Langkamp und Ben-Hatira) aus. Am Ende gewann Luhukays Team völlig überraschend 2:1 in Dortmund.