Füchse Berlin

Dem Finale so nah

Durch den Sieg über Constanta stehen die Füchse vor dem Einzug in die Endrunde des EHF-Pokals in Berlin

Als Konstantin Igropulo 31 Sekunden vor Schluss mit einem Rückhandwurf das 28:25 erzielt hatte, brach aus Spielern, Funktionären und Fans der Füchse Berlin die pure Erleichterung heraus. Jetzt endlich wussten sie, dass es geschafft war. Am Ende stand am Sonntag vor 4.961 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle ein 28:26 (12:11) gegen HCM Constanta aus Rumänien. Nach drei Siegen und einem Unentschieden stehen die Berliner jetzt ganz nah vor dem Gruppensieg im EHF Cup und damit vor dem Einzug ins Final Four in der Schmeling-Halle (17./18. Mai).

„Jetzt haben wird zwei Matchbälle“, freute sich Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning mit Blick auf die noch ausstehenden zwei Partien in Chambery (Frankreich) und daheim gegen das slowakische Team von Sporta Hlohovec. „Ich denke, wir sind fast durch“, meinte Torhüter Petr Stochl zufrieden, der nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit einer der Garanten des Erfolges war. Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson lobte seine Mannschaft: „Jeder hat sich aufgeopfert.“ Wieder schafften es die Berliner, den Ausfall von gleich vier Rückraumspielern zu kompensieren. „Wir haben gekämpft, gekämpft, gekämpft“, erklärte Kapitän Iker Romero. Man habe einige Chancen vergeben, so Sigurdsson, „deshalb war es bis zum Ende spannend“.

Bei den Füchsen hatte die Partie höchste Priorität. Sigurdsson sprach vorher vom „größten Spiel im bisherigen Saisonverlauf“. Nach der Gruppenauslosung hatte man eher mit Chambery als härtestem Gegner gerechnet. Doch die Rumänen hatten sich nach drei Spielen als starkes Team entpuppt. Mit Glück war Berlin in Constanta zu einem 31:31 gekommen.

Stochl mit starker Leistung

Zumindest in Sachen internationaler Erfahrung hatte der „Handbal Club Municipal Constanta“ (HCM) ein Plus gegenüber den Berlinern. Zwar erst 2002 gegründet, hat der Verein seitdem sieben Mal die nationale Meisterschaft gewonnen. Sieben Mal waren die Rumänen dann auch in der Champions League vertreten gewesen.

Sigurdsson hatte eine treffende Charakterisierung der Spielweise von Constanta: „Old School Handball“. Kampf und Kraft standen bei den Rumänen im Vordergrund. Sie spielten in Abwehr und Angriff sehr körperbetont. Dennoch sah es nach 17 Minuten sehr gut aus für die Berliner. Romero hatte die Führung auf drei Tore Differenz (8:5) ausgebaut, die Füchse schienen ihren Rhythmus gefunden zu haben.

Doch der Eindruck täuschte. Zum einen, weil die Berliner anschließend teilweise zu überhastet spielten, zum anderen fanden die Gäste immer wieder Lücken in der Füchse-Abwehr. Und das, obwohl Constantas gefährlichster Rückraumschütze, der 2,02 Meter große Alexandru Simicu, von den Berlinern recht gut ausgeschaltet wurde. Fabian Wiede und Iker Romero (vier Tore) wechselten sich bei der Manndeckung ab.

Sigurdsson ließ bis zur Pause in der Defensive sehr offensiv spielen, der eigentliche Abwehrchef Denis Spoljaric, der unter Magen-Darm-Problemen litt, blieb erst einmal auf der Bank. Von dort musste er mit ansehen, dass es seiner Mannschaft nicht gelang, sich von den von 30 Fans unterstützten Rumänen abzusetzen. „Wir müssen in der Defensive die Konzentration steigern“, forderte Sportkoordinator Volker Zerbe zur Pause, in die Berlin mit einem 12:11 ging.

Sigurdsson reagierte: Petr Stochl kam ins Tor für Silvio Heinevetter, der in den ersten 30 Minuten nicht so stark wie gewohnt gehalten hatte. „Ich bin immer bereit, wenn ich gebraucht werde“, kommentierte Stochl bescheiden seinen Auftritt. Zudem sollte die Defensive jetzt mit Spoljaric mehr Stabilität bekommen. Auch der schwedische Linksaußen Fredrik Petersen, vorher auch nur auf der Bank, stand zu Wiederbeginn auf dem Parkett. Aber einen schnellen Erfolg brachten diese Umstellungen nicht. Konstantin Igropulo verwarf einen Siebenmeter – und nach 33 Minuten hatte Constanta ausgeglichen (13:13). Die Berliner haderten mit einigen Schiedsrichterentscheidungen, aber es nutzte nichts: Sie mussten gegen die sehr hart zur Sache gehenden Spieler aus Constanta wieder zu ihrem Spiel finden.

Dann kam die Zeit von Stochl, der innerhalb weniger Minuten einige ganz starke Paraden zeigte. Für seine Mitspieler waren die Aktionen des Tschechen wie ein Weckruf. Abwehr Stochl, Angriff und Tor für Berlin – so ging es vier Mal hintereinander. Ruck, zuck lagen die Berliner, angeführt von Bartlomiej Jaszka (mit acht Toren bester Füchse-Werfer) und Igropulo (6) nach 41 Minuten mit 18:14 in Front.

Aber richtig Sicherheit wollte auch das nicht geben. Die Gäste kamen wieder auf 22:21 heran (49.). Zwar wirkten einige Rumänen nicht richtig austrainiert, gefährlich waren sie dennoch. Aber Wiede und zweimal Jaszka zum 25:21 beruhigten nach 52 Minuten die Nerven bei den Füchsen und ihren Fans doch etwas. Doch erst nach Igropulos Kunstwurf durfte befreit gejubelt werden. Bob Hanning sprach das Schlusswort: „Das war ein wichtiger Grundstein, um uns vielleicht den ganz großen Traum zu erfüllen.“