Alba Berlin

Auf blutigen Knien nach oben

Alba fehlt zwar noch die Reife, aber Wille und Kampfgeist der Mannschaft sind absolute Spitze

Jonas Wohlfarth-Bottermann brachte es auf den Punkt: „Wir können uns selbst auf die Schulter klopfen.“ Diesen Satz bezog der Center von Alba Berlin zwar lediglich auf die hervorragende Arbeit des Teams in der Defensive, aber die Einschätzung lässt sich auch auf das gesamte Spiel und den 70:58-Sieg gegen die Brose Baskets Bamberg anwenden. Nicht nur das: Von einer „Woche der Wahrheit“ hatte man beim Basketball-Bundesligisten im Vorfeld gesprochen. Erst wurde am Mittwoch Sassari im Eurocup besiegt und das Viertelfinale erreicht, dann dem Meister aus Franken teilweise eine Lehrstunde erteilt.

Die Wahrheit über Alba Berlin lautet Mitte März 2014: Dieser Mannschaft, die noch in drei Wettbewerben (Bundesliga, Pokal, Eurocup) aussichtsreich vertreten ist, ist sehr viel bis alles zuzutrauen.

Marco Baldi, der Alba-Geschäftsführer, möchte so etwas gar nicht hören. Seit Wochen versucht er, die Euphorie einzudämmen, die während der Siegesserie von 17 Partien ohne Niederlage aufgekommen war. Ein bisschen war die Stimmung abgeebbt, nachdem das Team ein paar Spiele verloren hatte – doch spätestens nach den beiden Siegen zuletzt ist die Euphorie zurück. „Ich will uns doch nicht klein machen“, sagt Baldi schon fast entschuldigend. Gehört Alba jetzt zu den Titelkandidaten? „Jahrelang sind wir der Favorit gewesen, diese ganzen Einschätzungen sind mir egal“, antwortet Baldi darauf. Ihm gehe es um eine „realistische Einschätzung“. Immer wieder hebt er darauf ab, dass der Mannschaft Reife und Erfahrung fehlen. Eigenschaften, die bei Bayern München, den Bambergern, aber auch bei den Baskets Oldenburg stärker ausgeprägt seien.

Prunkstück ist die Verteidigung

Das mag stimmen, aber Alba hat andere Stärken: Was Herz und Kampfgeist betrifft, ist Albas Jahrgang 2013/2014 absolut top. Das sagt auch Baldi. Und genau diese Faktoren werden benötigt in großen Spielen wie eben gegen die Bamberger, zuletzt vier Mal in Serie Meister. Deren Trainer Chris Fleming geriet schon fast ins Schwärmen, als er besagte Eigenschaften der Berliner lobte. Vor allem in der ersten Hälfte schien sein Team zu glauben, dass die vorhandene spielerische Qualität ausreichen könnte. „Da war Berlin wesentlich bereiter, Blut auf die Knie zu bekommen.“

Diese Leidenschaft, dieser unbedingte Wille helfen dann auch mal über schwächere Phasen hinweg, beispielsweise, als das Spiel im letzten Viertel zu kippen drohte, Bamberg bis auf 60:53 herankam. Und dann eben diese Verteidigungsarbeit: Bamberg unter 60 Punkte zu halten, scheint schier unglaublich, Alba zeigte jedoch, wie’s geht.

„Ihre großen Spieler haben unseren Großen komplett den Zahn gezogen“, jammerte Fleming. Seine Mannschaft, gerade noch einmal verstärkt durch Spielmacher Jared Jordan, spielte im Gegensatz zu Alba nicht als Team.

Bei Alba geht es sogar noch besser: Levon Kendall und Reggie Redding, die gegen Sassari noch 16 und 15 Punkte erzielt hatten und Garanten des Sieges waren, fielen diesmal ab. Kendall musste nach einer Spielzeit von nur 9:40 Minuten mit fünf Fouls raus – kein einziger Punkt gelang dem kanadischen Center. Redding blieb mit vier Zählern – zumindest in der Offensive – ebenfalls weit unter seinem normalen Level.

In zwei Wochen treffen sich die beiden Mannschaften im Pokalhalbfinale beim Top Four in Ulm wieder. Bis dahin werden die Bamberger noch besser eingespielt sein. Und Fleming wird nicht noch einmal den Fehler begehen, auf den US-Amerikaner Casey Jacobsen, der einst auch ein Jahr lang bei Alba spielte, zu verzichten. „Das fand ich schon überraschend“, meinte Baldi.

Bamberg hat sieben Ausländer unter Vertrag, nur sechs dürfen in einem Bundesligaspiel eingesetzt werden. „Ich wollte sehen, wie der eine oder andere in einem solchen Spiel reagiert, bei Casey weiß ich das“, nannte der Coach der Baskets als Grund für seine Personalentscheidung. Für Albas Trainer Sasa Obradovic stellen sich solche Fragen nicht.