Trainer-Legende

Trapattoni und die Liebe zu Mozart und Weihwasser

Die Trainer-Legende feiert heute ihren 75. Geburtstag

Giovanni Trapattoni hat noch lange nicht fertig. Der Star-Trainer aus Italien feiert an diesem Montag seinen 75. Geburtstag, doch zum alten Eisen gehört „Trap“ nicht. In Deutschland ist der „Maestro“ nach wie vor beliebt, seine legendäre Wutrede vom 10. März 1998 mit unvergessenen Ausbrüchen wie „Was erlauben Strunz?“, „Schwach wie eine Flasche leer“ oder „Ich habe fertig“ ist unvergessen.

Erst Ende Februar wurde er wieder heiß gehandelt. Italienische Medien berichteten, er werde die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste übernehmen. Anscheinend bekam der Verband des afrikanischen Landes aber kalte Füße und dementierte wenige Tage später. Kurz zuvor hatte Präsident Martin Kind von Hannover 96 bestätigt, dass der Trainer-Routinier bei den Niedersachsen eine Bewerbung auf die Nachfolge von Mirko Slomka abgegeben hatte.

Seinen letzten großen Auftritt hatte der Top-Trainer bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine. Mit der Nationalmannschaft Irlands, die er im Jahr 2008 übernommen hatte, scheiterte er allerdings in der Gruppenphase. Als er mit den Iren im September 2013 in der Qualifikation die WM 2014 in Brasilien verpasst hatte, musste er gehen. Der Ex-Coach von Bayern München (1994/1995 und 1996 bis 1998) und des VfB Stuttgart (2004 bis 2005) steckt immer noch voller Tatendrang, macht täglich seine Liegestütze.

Immer wichtig war dem Maestro die Religion. Seine Schwester, eine Nonne, versorgt ihn regelmäßig mit Weihwasser. Auch von Papst Benedikt XVI. wurde der gläubige Christ empfangen. Neben der Religion ist für ihn die klassische Musik ein Quell der Inspiration. „Wer Mozart hört, kann auch besser Fußball spielen“, sagt der Trainer-Routinier, der mehr als 2000 CDs besitzt.

Nicht immer begeistert waren die Kritiker von Trapattonis taktischen Vorgaben auf dem Fußballplatz, obwohl ihm 22 Titel als Trainer eigentlich recht geben. Er war stets ein Verfechter einer starken Defensive und verhaltenen Offensive. Aufgrund seiner ehemals blonden Haare, seiner stahlblauen Augen und seiner nüchternen Taktik wird er in Italien „Il Tedesco“ (der Deutsche) genannt. Vielleicht auch deshalb haben ihn die deutschen Fans stets in Herz geschlossen. Viele vergessen allerdings, dass er auch schon als Aktiver einer der Großen im Land des viermaligen Weltmeisters war. Als Fußballprofi bestritt der in Cusano Milanino bei Mailand geborene Trapattoni als Außenläufer 367 Partien für den AC Mailand und den FC Varese, war italienischer Meister, Europapokalsieger der Landesmeister und Europapokalsieger der Pokalsieger. Insgesamt 17-mal stand er im Trikot der italienischen Nationalmannschaft auf dem Platz. Er nahm an der WM 1962 teil.