Skiflug-WM

Vom Winde verweht: Freund bleibt der einzige Sieger der WM

Umfallende Verkehrsschilder, fliegende Regenschirme und Skispringer mit Sturmfrisuren:

Die Skiflug-WM in Harrachov/Tschechien ist am Wochenende vom Winde verweht worden. Am Sonnabend und Sonntag war wegen eines kräftigen Sturms im Riesengebirge kein einziger Sprung möglich, einziger Sieger war somit der neue Weltmeister Severin Freund.

„Natürlich hätte ich es gerne auf der Schanze ausgemacht. Aber es war absolut nicht springbar, da war keine Hoffnung mehr da“, sagte Freund, der beim Abbruch am Sonnabend von seinen glänzenden Flügen tags zuvor profitierte. Beim Teamwettbewerb am Sonntag führten Böen von bis zu 70 km/h sogar zur ersten Absage eines kompletten Wettbewerbs in der WM-Geschichte, Freund und Co. blieben auf der Stube und spielten Schafkopf.

„Die Jury hat alles versucht. Aber ich bin froh, dass die Entscheidung so gefallen ist. Es wäre definitiv nicht gegangen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, der wie fast alle Kollegen die Absagen begrüßte. „Bei diesen Geschwindigkeiten wird es brandgefährlich, da stünde zu viel auf dem Spiel Spiel“, sagte Gregor Schlierenzauer aus Österreich: „Es ist schade für die Fans, aber die Gesundheit hat Vorrang.“

11.000 Zuschauer waren jeweils in die Arena gepilgert, mehr als eine Dauer-Party mit lauter Musik erlebten die in der Mehrzahl polnischen Anhänger aber nicht. Der „Teufelsberg“ wurde damit einmal mehr seinem Ruf gerecht. Schon beim WM-Sieg von Sven Hannawald im Jahr 2002 waren nur zwei statt vier Durchgänge möglich gewesen. „Sarkastisch könnte man sagen: Das sind die hier ja fast schon gewohnt. Bei einer WM ist das doppelt bitter“, sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer, „aber Skispringen ist nun einmal eine Freiluftsportart.“

Vogt Zweite im Gesamtweltcup

Ebenfalls dem Wind zum Opfer fiel der Wettkampf der Frauen im schwedischen Falun. Nach zahlreichen Unterbrechungen entschied sich die Jury nach einer Stunde, den Weltcup auf der WM-Schanze von 2015 abzusagen. Zu dem Zeitpunkt waren erst 32 Starterinnen vom Bakken gegangen. Nach Platz fünf am Sonnabend steht Olympiasiegerin Carina Vogt aus Degenfeld nun bereits ein Springen vor Saisonende als Zweite des Gesamtweltcups hinter der überragenden Japanerin Sara Takanshi fest. Das letzte Weltcup-Springen der Saison findet am Sonnabend im slowenischen Planica statt.