Eishockey

Titelverteidiger Eisbären aus dem Meisterrennen

Berliner verlieren drittes Spiel des Pre-Play-off gegen Ingolstadt mit 2:3 nach Verlängerung

Die Saison des EHC Eisbären ist viel früher als erwartet beendet. Die Berliner verloren das dritte und entscheidende Spiel der Best-of-three-Serie im Pre-Play-off gegen den ERC Ingolstadt mit 2:3 (2:1, 0:0, 0:1, 0:1) nach Verlängerung. Zweimal war der Meister vor 11.700 Zuschauern in der O2 World in Führung gegangen. Die Gäste erzwangen die Verlängerung fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit. Den entscheidenden Treffer erzielte Benedikt Schopper in der 68. Minute mit einem Schlagschuss von der blauen Linie. Dennoch wurde das Team von Jeff Tomlinson von den Fans mit Applaus verabschiedet.

Zuletzt hatten die Berliner 2007 die Runde der letzten acht Teams verpasst, eine K.o.-Serie verloren die Eisbären zuletzt im März 2010. Damals unterlagen sie als Meister im Viertelfinale im entscheidenden Spiel den Augsburger Panthern auf eigenem Eis. Ingolstadt trifft jetzt im Viertelfinale auf Krefeld, das wäre sonst der Eisbären-Gegner gewesen, da Iserlohn 4:1 in München gewann. „Wir sind alle sehr enttäuscht“, sagte Kapitän Andre Rankel. „Vor allem bin ich enttäuscht, dass wir unser Leistungsvermögen nicht abrufen konnten.“

Es begann schon nicht wirklich gut für die Eisbären, das drohende Aus zerrte an ihren Nerven. Das Überzahlspiel, das Coach Tomlinson bereits nach der Niederlage in Ingolstadt als nicht zwingend genug bemängelt hatte, verpuffte erneut. Dann patzte Torwart Rob Zepp, als er den Puck hinter dem Tor gegen Christoph Gawlik verlor und größeren Schaden nur mit einer Glanzparade abwenden konnte. Die Eisbären verloren auch wieder zu oft die Scheibe in der Vorwärtsbewegung, so dass Zepp auch noch gegen Jean-Francois Boucher (5.) und Ziga Jeglic (13.) retten musste.

Die Gastgeber, besser: Florian Busch, zeigten sich da effektiver. Seinen Schuss hatte Gäste-Torhüter Daniel Pielmeier eigentlich abgewehrt, aber nach vorn abprallen lassen. Busch holte sich den Puck im Nachsetzen zurück und traf zum 1:0 (11.). Nachdem Gawlik das 1:1 (15.) geglückt war, gab es auf der anderen Seite einen Aussetzer Pielmeiers zu sehen, der den seines Gegenübers zu Spielbeginn weit in den Schatten stellte. Der ERC-Torhüter spielte einen seiner Verteidiger unbedrängt mit einem viel zu laschen Pass an, Henry Haase sprintete dazwischen und traf zum 2:1 (17.) Es werde „mit viel Körper und auch dreckig gespielt“, sagte der 20-jährige Verteidiger nach seinem ersten DEL-Tor. Und man „spüre die Angst, Fehler zu machen“.

Solo von Rankel entschärft

Dass Zepp diese Angst schnell abgelegt hatte, war ja schon gleich nach seinem Patzer zu sehen gewesen. Zu Beginn des Mitteldrittels rettete er im Sekundentakt, als sein Team für einen Feldspieler zu viel bestraft worden war. Zepp hielt die Führung seines Teams fest, obwohl das Ingolstädter Überzahlspiel weitaus zwingender war als das der Hausherren, die alle Powerplay-Chancen verstreichen ließen. Auch Pielmeier, in der Liga zum „Rookie“ (Neuling) des Jahres gewählt, war mittlerweile wieder auf dem Posten, entschärfte erst ein Solo von Rankel (33.), dann einen Schuss von Barry Tallackson aus spitzem Winkel (35.). „Der Überlebenskampf“, wie Coach Tomlinson das entscheidende Spiel dieser Serie genannt hatte, hing nach 40 Minuten noch immer am seidenen Faden.

Im Schlussdrittel war das Bemühen, Fehler zu vermeiden, noch deutlicher spürbar. Viertelfinale oder Ferien – allen auf dem Eis war klar, dass der nächste Treffer nicht nur dieses Spiel, sondern die Serie entscheiden könnte. Dementsprechend verbissen wurde gekämpft, ohne Strafzeiten zu riskieren. Tomlinson und sein Gegenüber Niklas Sundblad wechselten die Reihen schnell durch, um immer möglichst frische Kräfte auf dem Eis zu haben. Die Eisbären taten sich bis zur 55. Minute leichter, die knappe Führung mit ihrem defensiven Spiel zu behaupten als die Gäste, sich gegen die Berliner Torchancen zu erspielen. Dann aber fiel doch noch der Ausgleich. Timothy Hambly hatte den Puck zum 2:2 in den Winkel geschossen. Zepp monierte vehement, dass er behindert worden sei – vergebens: Die Schiedsrichter gaben nach Ansicht der Videoaufzeichnung den Treffer. Die Partie ging in die Verlängerung, das nächste Tor würde, egal wann, entscheiden. Nach dem Treffer von Schopper stoppte die Uhr in der O2 World zum letzten Mal in dieser Saison nach 67:16 Minuten.