Bundesliga

Hoffen auf ein neues Wunder von München

Im ersten Spiel nach der Hoeneß-Verurteilung kommt mit Leverkusen der letzte Bayern-Bezwinger in die Arena

Auf einen Hoeneß-Schock mag Sami Hyypiä erst gar nicht hoffen. Bayer Leverkusens Trainer erwartet nach der Verurteilung und dem Rücktritt des bisherigen Bayern-Präsidenten keine Auswirkungen auf das Bundesliga-Spitzenspiel in München. „Das glaube ich auf keinen Fall“, sagte der 40-jährige Finne vor der Partie am Sonnabend (18.30 Uhr). Allerdings wäre der kriselnden Werkself, die nach dem passablen 1:2-Abschied aus der Champions League bei Paris St. Germain wieder Mut geschöpft hat, eine Verunsicherung des Triple-Siegers durch die Hoeneß-Affäre willkommen. Schließlich hofft der letzte Bayern-Bezwinger, den Münchnern das Goldjubiläum nach 49 ungeschlagenen Liga-Partien zu verderben.

Nach der Verurteilung von Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung dürfte die Solidarität der Bayern-Profis mit ihrem inzwischen einstigen Chef so groß sein wie zuvor. Deshalb gilt wohl immer noch das, was der ehemalige Bayer-Leihspieler Toni Kroos vor dem Arsenal-Spiel (1:1) zur Hoeneß-Affäre gesagt hat: „Wir können ihm helfen, indem wir gewinnen.“

Guardiola betont Wert von Hoeneß

Guardiola sagte nach der Verkündung, dass Hoeneß auf Revision verzichtet: „Das ist heute nicht einfach für mich. Ich bin erst neun Monate hier und habe dennoch gesehen und gespürt, wie wichtig Uli Hoeneß für den Klub ist. Viele haben gesagt, sie können sich den Verein ohne Uli nicht vorstellen. Bayern ist einer der besten Klubs der Welt, ohne ihn wäre das nicht möglich. Er bleibt mein Freund, ist ein großer Mensch und verdient unseren Respekt.“ Es gelte nun für den FC Bayern, weiterzumachen. Die Mannschaft müsse in der Lage sein, sich trotz diesen besonderen Tages auf die Partie gegen Leverkusen zu konzentrieren. „Uli will das so. Ich habe unglaublich mit ihm gearbeitet. Er wird in der nächsten Periode nicht da sein. Aber ich bin sicher, dass er zurückkommt.“ Ungeachtet dieser Konstellation und des 24-Punkte-Abstandes zum Rekordmeister blicken die seit sieben Pflichtspielen sieglose Leverkusener der Partie überraschend selbstbewusst entgegen. „Wer gegen Paris mithalten kann, kann auch bei den Bayern bestehen“, meinte Hyypiä. Auch seine Spieler fühlen sich durch den respektablen Auftritt an der Seine gestärkt. „Wir haben Respekt, aber keine Angst vor den Bayern“, sagte Bayer-Torwart Bernd Leno. Mit Glück könne man „eine Sensation“ in München schaffen. „Wir haken das auf keinen Fall ab. Und wenn es nur ein Punkt sein sollte. Wir wollen etwas mitnehmen.“ Gelegenheit, sein Können zu zeigen, dürfte er in der Allianz-Arena sicher reichlich bekommen. „In München wird viel Arbeit auf mich zukommen“, so Leno.

Nichts ist unmöglich! Schließlich waren es die Leverkusener, die den Bayern am 28. Oktober 2012 in München mit 2:1 die letzte Bundesliga-Niederlage beibrachten. „Ach, daran erinnere ich mich schon gar nicht mehr“, meinte Bayern-Verteidiger David Alaba scherzhaft. Zudem will er die Serie von 49 ungeschlagenen Liga-Auftritten nicht überbewerten. „Das ist eine erstaunliche Zahl, aber ehrlich gesagt: Mir war das gar nicht bewusst“, sagte der 21-jährige Österreicher. „In der Mannschaft ist das kein Thema.“

Auch wenn der Erfolg der Bayern fast nur noch an der Höhe der Siege gemessen wird und Bayer in einem Leistungstief steckt, warnt er davor, den Gegner zu unterschätzen. „Wir dürfen nicht glauben, sie im Vorbeigehen zu schlagen“, so Alaba. Immerhin waren es auch die Leverkusener, die neben den Freiburgern als einziger Klub den Münchnern in der aktuellen Saison einen Punkt abluchsten. Seitdem haben die Bayern jedoch 16 Spiele in Serie gewonnen.