Bundesliga

Augsburger Hahn ist das Gesicht des Aufschwungs

Die halbe Liga ist hinter dem Neu-Nationalspieler her

Es gab da dieses Interview, drei Jahre ist es her. In der lokalen Presse fand das durchaus Beachtung. Damals hieß es, ein ganz schön kühner Plan sei das für einen, der gerade einmal in der Dritten Liga spiele. Im Jahr 2016 aber, so plauderte André Hahn damals, da sehe er sich ganz oben, da wolle er in der Bundesliga kicken.

Groß ernst genommen hat das kaum einer. Lass ihn nur reden, so in etwa waren die Reaktionen darauf. Es gab auch ein paar Lacher. Mittlerweile aber lacht Hahn. Dritte Liga, Koblenz, das war einmal. Hahn ist nicht nur längst Bundesligaprofi, weit vor seiner anvisierten Zeit. Er ist so etwas wie das Gesicht des Augsburger Aufschwungs. Auf Rang sechs steht der Klub, nur vier Zähler hinter dem letzten Champions-League-Platz, den Schalke inne hat.

Dass beide Mannschaften heute Abend aufeinander treffen (20.30 Uhr, Sky), ist die eine Geschichte. Dass es dann auch wieder heißen wird, Hahn spiele bei seinem künftigen Verein vor, die andere. Am vergangenen Wochenende war das auch schon der Duktus, da gewann Augsburg in Mönchengladbach 2:1, die beiden Torvorlagen kamen von Hahn. Er ist einer der begehrtesten Profis der Branche. Schalke, Gladbach, Leverkusen oder auch Dortmund, die halben Liga ist hinter ihm her. Hahn sagt zwar, er konzentriere sich auf Augsburg, was soll er auch sonst sagen, immerhin hat er dort einen Vertrag bis 2016? Aus seinem Umfeld aber sickerte durch, dass sein Kontrakt beim FCA mit einer Ausstiegsklausel über drei Millionen Euro versehen ist.

Letztlich wäre ein Wechsel, ob nun in diesem Sommer oder 2015, nur die nächste Episode einer fast schon kitschig anmutende Story voller Irrungen und Wirrungen. Hahn ist einer, der in der Jugend durch das DFB-Raster fiel. Einst versuchte er sich zwar im Nachwuchs und der zweiten Mannschaft des Hamburger SV, nebenbei absolvierte er noch eine Lehre zum Autolackierer. Sicher ist sicher. Beim HSV hielt man ihn letztlich auch für zu unbegabt. „Sie sagten, ich würde nie den Sprung nach ganz oben schaffen.“ Er ging nach Oberneuland, einem Viertligaklub, der vor allem dadurch Berühmtheit erlangte, dass Ailton dort sein Comeback gab.

Lange dauerte das Zusammenspiel der beiden nicht. Oberneuland hatte finanzielle Probleme, von drei Fertigpizzen habe er manchmal in der Woche leben müssen, hat Hahn neulich erzählt. Er überlegte, mit dem Fußball aufzuhören, machte dann doch weiter, zog erst nach Koblenz und zum Drittligaverein Offenbach, bis ihn die Augsburger in der Winterpause vor knapp 15 Monaten in die Bundesliga lotsten. Sein erstes halbes Jahr beim FCA war schon ordentlich, Augsburg schaffte den Klassenerhalt, Hahn wurde Stammspieler. Die jetzige Saison aber ist noch mal eine Steigerung. Zehn Tore, sieben Vorlagen, und Anfang März die Berufung ins Nationalteam. Hahn lächelt: „Bei meiner Geschichte ist das etwas Besonderes.“