Motorsport

Mercedes redet schon vor dem Start von Stallorder

Formel-1-Team baut vor beim Duell Hamilton gegen Rosberg

Das äußerst heikle Thema Stallorder haben sie bei Mercedes schon vor dem ersten Duell ihrer Titelkandidaten am Sonntag in Melbourne (7 Uhr, RTL) geklärt. Das Motto beim gemeinsamen Kampf von Nico Rosberg und Lewis Hamilton gegen Formel-1-Titelverteidiger Red Bull mit Vierfach-Champion Sebastian Vettel: Freie Fahrt, aber immer zum Wohle der Silberpfeile. „Wir haben diese Diskussion geführt, wir alle wollen sehen, dass das Team nach vorne kommt, wir wollen sie aber auch gegeneinander rennfahren sehen“, betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff am Donnerstag in Melbourne.

Der „Boss“, wie ihn Hamilton beiläufig nannte, hat zwischen seinen Piloten Platz genommen. Den beiden Fahrern, die schon mit 13 Jahren gegeneinander antraten und nun vor dem ersten von 19 WM-Läufen als Topfavoriten für die neue Saison gelten. „Wir sind in der glücklichen Lage, zwei der schnellsten, aber auch der intelligentesten Fahrer zu haben“, beteuert Wolff in einem Strandrestaurant am St.-Kilda-Beach.

Rosberg stieg 2006 und damit ein Jahr vor Hamilton in die Formel 1 ein. Beide schafften die Beförderung nach ihrem Gesamtsieg in der Nachwuchsklasse GP2. Rosberg fuhr bislang noch nie ernsthaft um den Titel mit und kam insgesamt auf drei Siege in fast 150 Rennen. Hamilton wurde nach dem Vizerang in seinem Debütjahr Weltmeister 2008. Seitdem wartet der Brite mit den Tattoos und dem Hang zum Rapper-Image auf den nächsten WM-Triumph. „Ist das die beste Chance seit Jahren? Ich weiß es nicht“, sagte Hamilton, die Teamjacke trägt er offen, darunter blitzt ein riesiges goldenes Kreuz an einer nicht minder üppigen goldenen Kette. In ihrem neuen Silberpfeil wollen beide glänzen, Rosberg ebenso wie Hamilton. „Gott sei Dank sind sie Gegner. Hamilton und Rosberg sind meiner Meinung nach die stärkste Fahrer-Paarung, die man in der Formel 1 haben kann“, sagte Teamoberaufseher Niki Lauda.

Teamchef Ross Brawn ist weg

Rosberg beschrieb die Zusammenarbeit so: „Wir lachen zusammen, wir sprechen aber auch ernste Worte zusammen.“ Die Freundschaft zu Hamilton beschrieb er als „neutral“. Sein Teamchef ist nach vier Jahren nicht mehr Ross Brawn, die Verantwortung teilen sich Wolff und Paddy Lowe, der im Vorjahr von McLaren zu Mercedes wechselte. Über allem wacht weiterhin Lauda.

Das Ziel ist klar. Nach dem zweiten Rang in der Konstrukteurswertung im vergangenen Jahr soll nun der nächste Schritt folgen, dem vierten Rang von Hamilton und dem sechsten von Rosberg erst recht: Die Red-Bull-Ära soll beendet und die der Silberpfeile begonnen werden. Der Druck ist enorm. Für beide Piloten könnte ein erneutes Scheitern die Karriere deutlich trüben.

„Glücklich sind wir erst, wenn wir alles absolut in Grund und Boden fahren“, sagte Rosberg in einem Interview der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Hamilton formulierte das Leitmotto in einem Einspieler am Donnerstag in drei Worten: „Beat the Bulls“.