Champions League

Beckenbauer kritisiert Guardiola

Bayerns Ehrenpräsident langweilt sich beim 1:1 gegen Arsenal: „Spielen bald so wie Barcelona“

Der FC Bayern hat in diesen Tagen ja auch Unschönes auszuhalten. Der Prozess gegen den Münchner Präsidenten Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung habe sehr wohl auch seine Schatten auf das Achtelfinalrückspiel in der Champions League geworfen, gab Kapitän Philipp Lahm zu: „Ja, klar ist das innerhalb der Mannschaft ein Thema. Das war auch vor dem Spiel ein Thema“, sagte der 30-Jährige nach dem 1:1 (0:0) gegen den FC Arsenal, das dem deutschen Rekordmeister zum Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse genügte.

Hoeneß saß während der Partie auf der Tribüne. Der rot-weiße Fanschal des FC Bayern hing ihm traurig um den Hals. Es könnte vorerst das letzte Mal gewesen sein, dass der geständige Steuersünder eine Partie seines Klubs im Stadion verfolgt hat. Ihm droht eine Haftstrafe.

Bereits 40 Millionen eingenommen

Schön dagegen ist für den Champions-League-Gewinner der Vorsaison, dass ihm der erneute Einzug ins Viertelfinale einen neuerlichen Geldsegen beschert hat. Das Weiterkommen unter die letzten Acht wird von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) mit einer Prämie von 3,9 Millionen Euro honoriert. Inklusive Zuschauereinnahmen belaufen sich die Einnahmen der Bayern in der aktuellen Champions-League-Saison bereits auf über 40 Millionen Euro. Einen Halbfinaleinzug belohnt die Uefa mit weiteren 4,9 Millionen Euro. 6,5 Millionen Euro erhält der unterlegene Finalist am 24. Mai in Lissabon. Der Titelgewinn wird mit 10,5 Millionen Euro honoriert. Beim Titelgewinn 2013 kassierten die Münchner insgesamt 55,046 Millionen Euro an Uefa-Prämien.

Wiederum unschön für den FC Bayern dürften die Äußerungen des Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer sein. Nachdem sich der 68-Jährige zum Fall Hoeneß geäußert hatte („Im Moment schaut’s vielleicht nicht ganz so gut für den Uli aus“), kommentierte er auch den aktuellen Spielstil der Münchner – und das nicht positiv.

Beckenbauer wunderte sich, dass Pep Guardiola, der spanische Cheftrainer des FC Bayern, seinen Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger gegen die Londoner offenbar angewiesen hatte, nicht aus der Distanz zu schießen. Zur Erinnerung: Schweinsteiger hatte die 1:0-Führung aus sechs Metern erzielt, bevor der deutsche Nationalspieler Lukas Podolski für die Londoner ausglich. Später im Spiel allerdings verweigerte Schweinsteiger den Abschluss aus der Entfernung und suchte selbst bei guten Gelegenheiten lieber den Nebenmann. „Ja, wenn das die Philosophie ist, dann werden wir noch unsere Freude haben“, kritisierte Beckenbauer. „Dann werden sie wahrscheinlich irgendwann so spielen wie Barcelona, wo du nicht mehr hinschauen kannst, weil sie auch auf der Torlinie den Ball noch rückwärts spielen.“ In Spanien haben Beckenbauers Äußerungen für reichlich Verwirrung gesorgt. Schließlich werden diese als despektierlich gegenüber dem FC Barcelona empfunden – jenem Klub, den Guardiola mit seinem Kurzpassstil des „Tiki-Taka“ zur temporären Vorherrschaft im europäischen Fußball verholfen hatte.

Doch auch beim FC Bayern selbst wird man ziemlich unzufrieden mit Beckenbauers Kommentar sein. Die Dominanz in der Bundesliga sowie in der Königsklasse werden sie dort wohl kaum als „nicht mehr zum Hinschauen“ empfinden. Neben Beckenbauer müssen sich die Bayern aber auch noch über etwas anderes ärgern: Offenbar hat die Uefa Ermittlungen gegen den Klub wegen zweier Banner eingeleitet, die beim Spiel von Münchner Fans gezeigt wurden. Die Disziplinarkommission der Uefa will sich mit den Vorfällen wohl am 20. März befassen. Während der Partie hatten Zuschauer ein Plakat mit der Aufschrift „Say no to racism, yes to Kosovo“ („Sag nein zu Rassismus, ja zum Kosovo“) hochgehalten. Zudem war in der Allianz Arena ein Transparent zu sehen, auf dem stand: „Gay Gunners“ („Schwule Gunners“).

Özil wird in England verhöhnt

Der größte Verlierer der Partie stand allerdings auf Seiten der Londoner: Mesut Özil. Der deutsche Nationalspieler musste nach einer schwachen ersten Halbzeit mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden. „Es sieht sehr ernst aus. Er fällt mindestens ein paar Wochen aus“, sagte Arsenals Trainer Arsène Wenger.

Doch damit nicht genug: Die englische Presse hat in Özil schnell den Sündenbock für das Ausscheiden der Gunners gefunden. „Outzil“ nannte etwa das Boulevardblatt „The Sun“ den teuersten Einkauf der Vereinshistorie. „Özil sah verloren, faul und desinteressiert aus. Er mag 42,5 Millionen Pfund gekostet haben – aber er ist einen Scheißdreck wert. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm“, schrieb die „Daily Mail“. Bereits zum vierten Mal in Folge war für die Londoner im Achtelfinale Endstation. Özil war im vergangenen Sommer für 50 Millionen Euro von Real Madrid geholt worden, um genau das zu verhindern. Aber der deutsche Spielgestalter habe „gezeigt, dass er keiner für die großen Momente ist. Mann, war der schlecht“, kritisierte „The Telegraph“ und nannte Özil gar „die personifizierte Gleichgültigkeit“.