Wintersport

Triumph und Tränen

Während Anna Schaffelhuber bei den Paralympics schon ihr zweites Gold holt, scheidet Fahnenträgerin Andrea Rothfuss aus

Anna Schaffelhuber kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus, Andrea Rothfuss liefen dagegen bittere Tränen der Enttäuschung über das Gesicht: Triumph und Drama lagen bei den deutschen Ski-Rennfahrerinnen am dritten Wettkampftag der Winter-Paralympics dicht beieinander. Während Monoski-Rennfahrerin Schaffelhuber 48 Stunden nach ihrem Sieg in der Abfahrt auch Gold im Super-G holte, schied die als Mitfavoritin an den Start gegangene Rothfuss in der stehenden Klasse erneut aus und war hinterher völlig frustriert.

„Das ist unglaublich“, sagte Schaffelhuber überwältigt, „der Druck lag bei den anderen, die mussten einen raushauen. Ich hatte ja schon Gold und war ganz ruhig.“ Die Bayerbacherin erwischte auf der selektiven Piste erneut einen Traumlauf und sicherte der deutschen Mannschaft die dritte Goldmedaille in Sotschi. Das zweite Gold soll für das stets lächelnde Covergirl des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum ganz großen Triumph sein. Die Jura-Studentin kann in den nächsten Tagen drei weitere Goldmedaillen gewinnen und geht im Slalom, Riesenslalom und der Super-Kombination als Top-Favoritin an den Start. „Natürlich will ich gewinnen. Aber ob es auch klappt, müssen wir abwarten“, sagte Schaffelhuber, die seit ihrer Geburt querschnittsgelähmt ist. „Anna wird eine ganz Große, da bin ich sicher“, sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher, „sie ist trotz des Drucks cool geblieben und hat eine geile Fahrt hingelegt.“

Rothfuss, die bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne getragen hatte, erlebte dagegen das nächste Debakel in den Bergen von Rosa Chutor. Das Rennen war für die 23-Jährige nach einem Fahrfehler schnell beendet – wie schon in der Abfahrt. „Das ist blöd gelaufen und total schade“, sagte Rothfuss angefressen. Im Ziel liefen ihr die Tränen über das Gesicht. Beucher musste Rothfuss in den Arm nehmen und trösten. „Das darf ihr, einer so erfahrenen Athletin, eigentlich nicht passieren“, sagte Beucher, „jetzt hat sie erst einmal einen Knacks weg. Wir müssen sehen, dass wir sie wieder hinkriegen. Sie hat ja noch drei Chancen auf eine Medaille.“

Inmitten der alpinen Fan-Schar drückte Anna Schaffelhubers Mutter Beate ihrer Tochter die Daumen und schaute angesichts der beklemmenden Sturzserien mit bangen Blicken auf den risikoreichen Hang. Als ihre 21 Jahre alte Tochter dann sicher und als Schnellste im Ziel war, fiel ihr ein Stein vom Herzen. „Ich bin erleichtert ohne Ende. Ich hatte so einen Bammel, wenn man die Stürze von der Abfahrt am Samstag gesehen hat, ich war morgens schon fix und fertig“, sagte sie, nachdem sie ihre Tochter in die Arme genommen hatte.

Die Sorge war berechtigt. Erneut wurden die Rennen von schweren Stürzen überschattet. Schaffelhubers Konkurrentinnen Alana Nichols und Stephani Victor aus dem Team der USA überschlugen sich nach Fahrfehlern und wurden mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Sie seien „bei Bewusstsein und ansprechbar“, teilte die Mannschaftsleitung mit.