1. FC Union

Björn Kopplins seltenes Glück

Warum der Verteidiger beim Zweitligisten nur sehr sporadisch zum Einsatz kommt

„Wie bitte, ihr habt auf mich gewartet?“ Björn Kopplin kann nur staunen, als er nach dem Training die Katakomben der Haupttribüne im Stadions an der Alten Försterei verlässt und vor dem gläsernen Eingangsportal von Pressevertretern empfangen wird. Schließlich ist es in den vergangenen Monaten doch recht ruhig geworden um den Abwehrspieler des 1. FC Union.

Kopplin fristet sein Dasein beim Berliner Fußball-Zweitligisten zumeist auf der Ersatzbank. Ein Platz, den man als Profi nur notgedrungen akzeptiert. Insofern sind die 90 Minuten, die der 25-Jährige gegen den FC Ingolstadt (1:1) absolviert hat, schon etwas Besonderes. „Anstrengend“ war es für den Rechtsverteidiger, endlich mal wieder über die komplette Spielzeit auf dem Platz gestanden zu haben. „Ich war natürlich glücklich über die Entscheidung, dass der Trainer mir die Chance gegeben hat. Es war schön, mal wieder 90 Minuten zu spielen“, sagte Kopplin.

Seine Situation hat sich der Berliner jedoch anders vorgestellt, als er im Sommer 2012 vom VfL Bochum an die Alte Försterei zurückgewechselt war. Stammspieler wollte er werden in der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus. Zeigen, dass ein vollwertiger Fußballer aus jenem 15-jährigen Talent geworden ist, das 2004 Union verließ, um in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern zu reifen und ab 2010 beim VfL Bochum erste Profierfahrungen zu sammeln.

So weit die Theorie. Die Praxis sieht dagegen Marc Pfertzel als Stammspieler rechts in der Viererabwehrkette. Und Kopplin nur als zweite Wahl. „Es ist natürlich auch schwierig, wenn du erst ein dreiviertel Jahr verletzt, dann wieder fit bist, spielst, nicht spielst“, sagte der Blondschopf. Eine Schambeinentzündung setzte ihn im ersten halben Jahr matt. Als er endlich genesen war, brach er sich das Nasenbein. Und als er im vergangenen Sommer wieder angreifen konnte, „verlief die Vorbereitung auch nicht optimal für mich“, erzählte Kopplin, „aber die Saison ist ja lang, und ich habe noch Vertrag.“ Bis 2015 läuft sein Kontrakt. Doch am Franzosen Pfertzel führt derzeit jedenfalls kein Weg für ihn vorbei.

Dafür, dass Kopplin dennoch gegen Ingolstadt ran durfte, hat Trainer Neuhaus eine ganz einfache Erklärung: „Kopplin hat seit unserem Spiel in Bochum gut trainiert.“ Kopplin selbst sieht nicht nur das Training, sondern auch seinen zuvor letzten 90-Minuten-Auftritt in Bochum (4:0) als einen Grund: „Ausschlaggebend war, glaube ich, dass ich ein ganz gutes Spiel in Bochum gemacht habe. Hätte ich das verkackt, hätte mich der Trainer sicherlich gegen Ingolstadt nicht reingebracht. Ich kann mich ja nur anbieten über das Training. Das scheint mir gelungen zu sein.“

Den letzten Satz spricht er äußerst langsam, die Enttäuschung, dass es derzeit nicht für mehr reicht, ist groß und unüberhörbar. Sie dürfte sich angesichts der weiteren Begründung durch den Coach sogar noch verstärken. „Wir haben jetzt vier Spiele in 15 Tagen, da wird es schon mal vorkommen, dass der eine oder andere Spieler eine Pause erhält“, sagte Neuhaus. Und er fügte hinzu, dass Kopplin am Sonnabend ein gutes Spiel gegen die Oberbayern gemacht habe, „eine überragende Leistung kann ich ihm nicht konstatieren“. Am Sonntag in Fürth wird aller Voraussicht nach Pfertzel wieder seinen Platz einnehmen.

Ob sich Kopplins Situation in der nächsten Saison bessern wird, darf bezweifelt werden. Zwar läuft Pfertzels Vertrag im Sommer aus, und ob der Franzose bei den Köpenickern bleibt, ist ungewiss. Doch mit Christopher Trimmel steht ein neuer Mann für die rechte Abwehrseite schon als Zugang fest. Trimmel ist immerhin österreichischer Nationalspieler. Gut möglich, dass Kopplin dann auch im nächsten Jahr nicht über die Rolle der Eintagsfliege bei Union hinauskommt.