Leichtathletik

Auf der Überholspur

Der Berliner Sprinter Lucas Jakubczyk profitiert von neuen Trainingsmethoden, jetzt startet er bei der WM in Sopot

Lucas Jakubczyk ist niemand, der große Sprüche klopft. Aber der Sprinter vom SCC ist sich seiner Stärke bewusst, deshalb sagt er mit Überzeugung: „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, so gut in Form zu sein, als jetzt.“ Jetzt, da von Freitag an bis zum Sonntag in Sopot die Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathleten ausgetragen werden. Am Mittwoch ging es von Berlin an die polnische Ostseeküste, am Freitag ab 18.35 Uhr finden die Vorläufe über 60 Meter statt. Ein besonderes Ziel hat der 28-Jährige öffentlich nicht formuliert, aber am Sonnabend will er auf alle Fälle wieder im Einsatz sein: Dann stehen die Halbfinals auf dem Programm. Und am späten Abend das Finale.

„Ich muss mich nicht verstecken“, sagt der Student der Sportwissenschaften. Das Wort Finale nimmt er dennoch nicht in den Mund, das wäre auch etwas vermessen. Aber Jakubczyk ist in sehr guter Form. Am vergangenen Sonnabend beim Istaf Indoor hat er seine erst eine Woche alte Bestzeit von 6,61 Sekunden (gelaufen bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig) auf 5,56 Sekunden gedrückt. „Es geht gerade alles sehr schnell“, kommentierte er seine Leistungssprünge trocken.

Wenn er an die WM denkt, sieht er das Ganze rundum positiv. „Da für viele in der Weltspitze die Halle nicht einen wirklich hohen Stellenwert hat und pro Nation nur zwei Läufer an den Start gehen dürfen, ist das ein Vorteil für uns deutsche Läufer.“

EM im Sommer ist das große Ziel

Eigentlich hatte auch er die Hallensaison auslassen wollen, aber dann lockte die Premiere des Istaf Indoor in der O2 World. „Nur locker an den Start zu gehen, war kein Thema für mich.“ Also gingen er und sein Trainer Rainer Pottel das Kapitel Halle doch konsequent an. Bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig belegte er zeitgleich mit dem Sieger Christian Blum Rang zwei.

Dennoch ist Sopot, wo er als einziger Berliner zum 20-köpfigen Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gehört, auch für ihn nur eine Zwischenstation: Das große Ziel heißt Euromeisterschaft in Zürich (12. bis 17. August). „Meine Zeiten in der Halle stimmen mich für den Sommer optimistisch.“

Es ist dem schnellen Mann vom SC Charlottenburg zuzutrauen, dass er dann auch seine persönliche Freiluft-Bestzeit unterbietet, die seit 2012 bei 10,20 Sekunden steht. Aus Berlin war bisher nur Sven Matthes (SC Dynamo) schneller, der vor 25 Jahren 10,11 Sekunden lief.

Jakubczyk ist ein Phänomen: Zwar war er im Jugend- und Juniorenbereich ein guter Sprinter, doch danach lag sein Schwerpunkt auf dem Weitsprung (Bestweite 7,88 Meter). Schweren Herzens wechselte er, nach vielen Verletzungen als Springer, Anfang 2012 zu den Sprintern.

Ein Umstieg, den er nicht bereuen musste: In der Sprintstaffel ist er so gut wie gesetzt. Bei der EM 2012 in Helsinki gewann er mit der DLV-Staffel Silber, bei den Olympischen Spielen in London einige Wochen später schied das Quartett allerdings im Vorlauf aus. In Moskau, bei der WM 2013, schrammte die DLV-Staffel als Vierter nur knapp am dritten Platz vorbei.

Sein Trainer und er feilen permanent an Trainingsmethoden und -inhalten. „Wir sind im Gespräch mit Biomechanikern und Sportwissenschaftlern“, berichtet er. Pottel, der einst Martin Buß zum Hochsprung-Weltmeister und Andre Niklaus zum Hallen-Weltmeister im Siebenkampf formte, sei zwar ein sehr erfahrener Trainer, aber sehr aufgeschlossen für Neuerungen. „Ich mache jetzt das komplette Gegenteil. Früher bin ich Berge raufgerannt und habe Gewichte nach oben gestoßen. Jetzt stoße ich Gewichte nach unten und laufe Berge hinunter.“ Der Kraft wird entgegengewirkt. Seine Schrittlänge liegt jetzt bei 2,40 Meter, zehn Zentimeter länger als vorher. Jakubczyk wundert sich selbst: „Ich hätte nicht gedacht, dass die neuen Methoden so schnell Wirkung zeigen.“