Tabellenstand

Union kann keine Big Points

Weil gegen die direkte Konkurrenz zu wenig gewonnen wird, schwinden die Aufstiegschancen

Ob man denn daran gedacht hatte, auf der Bus-Rückfahrt aus Hamburg Martin Dausch auch zum Geburtstag zu gratulieren – der Mittelfeldspieler des 1. FC Union wurde am Dienstag schließlich 28 Jahre alt. „Wir haben das per SMS gemacht“, sagte Torsten Mattuschka. Wenigstens seinen Humor hatte der Kapitän des Berliner Fußball-Zweitligisten nicht verloren.

Wie es um seine Gefühlswelt bestellt war, nur einen Tag nach dem 1:2 im Verfolgerduell beim FC St. Pauli, verdeutlichte Mattuschka wie folgt: „Das war eine Riesenchance, die wir verpasst haben. Es ist bitter, so ein Spiel zu verlieren. Du musst im Minimum einen Punkt mitnehmen, und schon darüber hätten wir uns geärgert.“ Es war weniger der Inhalt als vielmehr die Art, wie der 33-Jährige dies kundtat. Leise, den Blick beim Reden zu Boden gerichtet – selten hat man Unions Nummer 17 derart enttäuscht, ja fast schon desillusioniert erlebt wie am Dienstagnachmittag.

Die Niederlage von St. Pauli nagt an den Unionern. Schwimmen im Aufstiegsrennen schon wieder im Endspurt die Felle weg, wie im vergangenen Jahr? Reicht es wieder nicht, um den Traum von der Bundesliga zu erfüllen? Wer den Auftritt am Millerntor betrachtet, kann den Köpenickern kaum einen Vorwurf machen. Die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus war keineswegs das schlechtere von zwei engagierten Teams. Nur: „Wir haben null Punkte und kotzen alle ab“, sagte Mattuschka. Wieder ist es Union nicht gelungen, einen direkten Konkurrenten um den Aufstieg zu bezwingen, endlich einen Big Point zu landen, bis auf Relegationsplatz drei vorzurücken und sich damit auch Respekt zu verschaffen.

Köpenicker sind nur Vorletzter

Ein Blick auf die Duelle mit der Konkurrenz aus den Top sieben der Liga bestätigt, wie wichtig Siege gegen die Mitbewerber sind und warum Unions Aufstiegschancen schwinden. In bislang sieben Partien gab es nur sieben Punkte von 21 möglichen (zwei Siege und ein Remis). Das ist nur der vorletzte Platz in dieser imaginären Siebenergruppe – zu wenig, um ganz oben anklopfen zu können. Köln und Paderborn holten in dieser Zeit bei identischer Anzahl von Spielen immerhin 13, Fürth sogar 15 Punkte. Wenn es drauf ankommt, ist das Spitzentrio da. Sogar Kaiserslautern holte in den direkten Duellen doppelt so viele Punkte wie Union. Dass die Pfälzer dennoch zwei Punkte und einen Platz hinter den Köpenickern liegen, ist der unglaublichen Lauterer Schwäche gegen Gegner aus dem unteren Ligadrittel geschuldet.

Die Hauptgründe für Unions maue Bilanz sind einfach zu benennen, und offensichtlich schwer abzustellen. „Wir hätten nur unsere Chancen reinmachen müssen und ein, zwei Fehler weniger“, brachte es Mattuschka auf den Punkt. Es liegt in der Natur der Sache, dass man in einer Begegnung auf Augenhöhe nicht übermäßig viele Möglichkeiten bekommt, ein Tor zu erzielen. Insofern war allein die erste Viertelstunde nach der Halbzeit ein Festival für Union. „Schon vor unserem Führungstreffer hatten wir zwei, drei gute Chancen“, sagte Coach Neuhaus: „Ich glaube, wir müssen den Vorsprung etwas länger halten, dann geht das Spiel anders aus.“

Die so oft aufgeführten individuellen Fehler sind es, die dann einen greifbar nahen Sieg zunichte machen. „Beim 1:1 stand ich zu weit weg vom Torschützen, das muss ich mir ganz klar ankreiden“, gab sich Simon Terodde reumütig. Man muss ihm zugute halten, dass er wenigstens eine Union-Chance zur Führung nutzte. Und beim endgültigen K.o. wurde Fin Bartels sträflich allein gelassen.

Vor den Wochen der Wahrheit

Der Rückstand zur Aufstiegszone hat sich für Union auf drei Punkte vergrößert. Und in den kommenden Wochen warten mit Fürth (16. März) und Paderborn (21. März) zwei weitere Duelle gegen Aufstiegsaspiranten. Nicht nur Torsten Mattuschka weiß: „Um oben dran zu bleiben, dürfen wir uns nicht mehr viele Ausrutscher erlauben.“ Schon am Sonnabend, im nächsten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt (13 Uhr, Alte Försterei), kann sich Union das Selbstvertrauen für die entscheidenden Wochen der Saison zurückholen.

„Wir müssen versuchen, unsere Spiele so oft es geht zu gewinnen, und mit ein bisschen Glück sind wir weiter oben dabei“, hofft Mattuschka. Der Kapitän gibt aber auch zu bedenken: „Wenn uns das nicht gelingt, werden wir am Ende wahrscheinlich Siebter oder Achter.“ Die Worte spricht er nur ganz leise aus.