Wettkampfsperre

Sturm im Eiskanal

Athleten kritisieren Strafe für Kufenverkauf. Shitstorm im Internet

Wegen der umstrittenen Wettkampfsperre für Manuel Machata in der Kufen-Affäre erntet der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) auch aus den eigenen Reihen Kritik. Für Rekord-Weltmeisterin Sandra Kiriasis ist der Potsdamer Bobpilot nur ein „Bauernopfer“, das nach dem historischen Olympia-Debakel von den eigentlichen Problemen im deutschen Team ablenken soll. Dazu zählt ihrer Meinung nach auch Bundestrainer Christoph Langen.

„Das, was sie mit Manuel machen, finde ich beschämend und fast schon lächerlich. Das ist ein Ablenkungsmanöver, und es macht den Eindruck, als ob er ein Bauernopfer ist“, sagte die nach Olympia zurückgetretene Kiriasis: „Ich bin nicht die Einzige, die so denkt, da muss man sich nur den Shitstorm auf der Facebook-Seite des Verbandes ansehen. Ihn zu sperren, das geht gar nicht!“

Machata, der sich nicht für die Winterspiele in Sotschi qualifizieren konnte, hatte Kufen aus seinem Privatbesitz an den russischen Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Der BSD wertete das als „verbandsschädigendes Verhalten“ und belegte den Weltmeister von 2011 mit einer einjährigen Wettkampfsperre und 5000 Euro Strafe. Machata will vor dem BSD-Rechtsausschuss Einspruch einlegen.

Der Verband beweise mit dem Urteil eine zweifelhafte Doppelmoral, kritisierte Kiriasis: „Ich bin in Sotschi auch mit fremden Kufen aus dem Ausland gefahren und zumindest beste Deutsche geworden. Ich habe also davon profitiert, dass mir ein sogenannter 'Vaterlandsverräter' Kufen geliehen hat.“ Die wirkliche Aufarbeitung des ersten medaillenlosen Olympia-Auftritts seit 50 Jahren komme ihr dagegen viel zu kurz. Ein Grund für das miserable Abschneiden sei auch das schwierige Verhältnis der Athleten zu Bundestrainer Langen gewesen. „Menschenführung, ein Team begeistern – diese Qualitäten habe ich schon vermisst. Man kann eine Truppe, die so am Boden liegt, nicht noch demotivieren. Auf uns wurde richtig rumgetrampelt“, sagte Kiriasis.

Als Konsequenz von Olympia müsste ihrer Meinung nach „das Trainerteam neu zusammengesetzt“ werden. „Das heißt nicht, dass Christoph unbedingt völlig weg muss. Die Frage aber ist, ob er noch der richtige Mann dafür ist, ganz oben einer Bob-Nationalmannschaft vorzustehen“, sagte die neunmalige Weltcup-Gesamtsiegerin.

Eine Rücknahme der Strafe für Machata (SC Potsdam) forderte der Landessportbund Brandenburg. „Machata hat gegen keine Bestimmungen verstoßen, die eine solche Maßregelung rechtfertigen“, erklärte LSB-Präsident Wolfgang Neubert. Auch der Schweizer Kufen-Eigentümer Meyerhans kann die Aufregung nicht verstehen, immerhin wechselten seine Kufen schon mehrmals unter den Piloten. Auch Viererbob-Weltmeister Maximilian Arndt sollen sie angeboten worden sein. „Der Verband sucht einen Sündenbock, um Unzulänglichkeiten zu verdecken. Wenn es keinen personellen Wechsel gibt, wird Manuel es schwer haben.“