Handball

Wochen der Wahrheit

Die Füchse müssen aufpassen, dass sie ihre guten Chancen in drei Wettbewerben nicht verspielen

Es hört sich eigentlich ganz einfach an. „Jetzt müssen wir schlucken, uns schütteln – und dann geht es weiter“, sagte Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin, nach der 20:31-Klatsche des Handball-Bundesligisten gegen die SG Flensburg-Handewitt. Es war ein bitterer Nachmittag in der ausverkauften Schmeling-Halle für die Füchse, die am Ende vom Champions-League-Teilnehmer aus dem Norden vorgeführt wurden. „Wir waren nicht gut genug“, stellte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson unumwunden fest.

„Wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist“, erklärte der Coach weiter. Das Positive an der Situation ist, dass die Füchse auf dem fünften Rang in der Bundesliga stehen, mindestens auf diesem Platz wollen sie die Saison auch abschließen, da man dann auch in der kommenden Saison wieder im EHF Pokal dabei sein wird. Im nationalen Pokal haben sie das Final Four in Hamburg (12./13. April) erreicht, im EHF Cup hat das Team noch alle Chancen, sich für die Vierer-Endrunde in eigener Halle (18./19. Mai) zu qualifizieren.

Aber die momentane Situation ist andererseits eben auch so, dass in den kommenden „Wochen der Wahrheit“ (Hanning) all die guten Aussichten und Chancen verspielt werden können. Denn spätestens das Flensburg-Spiel hat gezeigt, dass die Berliner aufgrund ihrer Verletzungsprobleme weit von der Bestform entfernt sind.

Nicht nur, dass Sven-Sören Christophersen, Paul Drux und Pavel Horak fehlen, die anderen mussten deren Ausfall seit einigen Spielen kompensieren. Das ging mit letzter Kraftanstrengung im Pokal gegen Lemgo noch mal gut, aber jetzt ist der Akku leer.

„Es ist gut, dass wir jetzt eine kleine Pause haben“, sagte Sigurdsson. Drei Tage hat das Team frei, am kommenden Sonnabend steht das schwere Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten Rhein-Neckar Löwen auf dem Programm. Regeneration – physisch wie psychisch – ist zum jetzigen Zeitpunkt wichtiger als Training. Als sich Drux und Horak verletzten, hatten sich die Füchse-Verantwortlichen dazu entschlossen, niemanden nachzuverpflichten. „Wir haben sehr genau den Markt sondiert, waren uns aber einig, dass wir für einen mittelmäßigen Spieler aus dem Ausland kein Geld übrig haben“, erklärte Hanning Mitte Februar. „Wenn man einen so erfolgreichen Nachwuchs hat wie die Füchse, dann muss man dem auch in dieser Situation Vertrauen geben.“

Erschwerend kommt hinzu, dass sich eben die Jungen Fabian Wiede, 20, Jonas Thümmler, 20, und Oliver Milde, 20, wie Drux, 19, mitten im Abitur befinden. „Manchmal können sie gar nicht trainieren“, sagte Hanning.

Bis zum Pokal-Final-Four werden zumindest Drux und Horak sicher zurück sein, aber wann stehen sie mittelfristig wieder zur Verfügung? Es regiert das Prinzip Hoffnung. Vielleicht, so Hanning, sei das Duo im nächsten Spiel im EHF-Cup, daheim gegen Constanta (16. März), wieder dabei.

Auch in der Bundesliga müssen die Berliner aufpassen. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber dem Sechsten Melsungen ist auf vier Punkte geschrumpft. Gerade gegen mittelmäßige Teams dürfen sich die Füchse in den verbleibenden zehn Ligaspielen jetzt keine Patzer mehr erlauben.