Tennis

Fortsetzung ungewiss

Weiteres Istaf Indoor steht ebenso infrage wie das große Meeting im Olympiastadion

Am Morgen danach mischten sich bei Martin Seeber immer noch Freude, Stolz und Erleichterung. „Als es losging, bin ich mit feuchten Händen in der Halle gestanden“, erzählte der Geschäftsführer der Top Sportmarketing GmbH. Aber gleich im ersten Lauf beim ersten Istaf Indoor der Leichtathleten erreichte die Australierin Sally Pearson eine Weltjahresbestzeit über 60 Meter Hürden. Da konnte Veranstaltungs-Chef Seeber am Samstagabend zum ersten Mal durchatmen.

Was stark begann, fand seine hervorragende Fortsetzung mit weiteren sportlichen Höchstleistungen und endete in der O2 World zu später Stunde mit dem Stimmungs-Highlight, dem Diskus-Duell zwischen dem Lokalmatadoren Robert Harting und seinem polnischen Dauer-Rivalen Piotr Malachowski. Dass dann allerdings Martin Wierig als lachender Dritter siegte, tat der Freude der Zuschauer keinen Abbruch.

„Alle sind zufrieden, außer ich“, sagte Harting und grinste dabei. Trotz seiner persönlichen Niederlage sah er das große Ganze. „Ich bin froh, dass das mit dem Diskuswerfen geklappt hat. Die Leute haben gesehen: Verrückte Ideen lassen sich doch umsetzen...“

Großes Lob von allen Seiten

Die Zuschauer waren ebenso zufrieden wie die Sponsoren und – vor allem – die Hauptpersonen: die Sportler. Es gab Lob von allen Seiten. Seeber war sich sicher: „Viele Leute sind sicher wegen Robert Harting gekommen, aber ich glaube, viele kämen auch wieder, wenn Robert nicht dabei wäre.“ Harting selbst hoffte auch auf eine Wiederholung: „Wir haben uns ja nicht blamiert.“

Lucas Jakubczyk, der Sprinter vom SCC, der eine persönliche Bestzeit über 60 Meter schaffte (6,56 Sekunden), war im Vorfeld etwas skeptisch gewesen, was ihn wohl erwarten würde. „Mit einigen Kollegen haben wir uns darüber unterhalten, ob das eventuell eine Zirkusveranstaltung wird“, sagte der 28-Jährige. Aber diese Bedenken wurden zerstreut: Der Sport wurde vor knapp 11.000 Zuschauern nicht von der Unterhaltung untergebuttert. „Die sportlichen Leistungen standen im Vordergrund.“

Das Istaf Indoor, diese Mischung aus Sport und Show, schreit eigentlich nach einer Fortsetzung im Winter 2015. Aber so sicher ist das nicht. „In den nächsten sechs bis acht Wochen“, so Seeber, sollte es Klarheit geben.

Wobei die Finanzierung des Events mit einem Etat von gut 450.000 Euro nicht das Hauptproblem zu sein scheint. „Es war kein Verlustgeschäft“, sagte Seeber. „Es bleibt ein bisschen was übrig.“ Bei Sponsoren sei der Versuch, erstmals seit 1968 (damals in der Deutschlandhalle) ein Hallen-Meeting in Berlin zu veranstalten, auf großes Interesse gestoßen. Auch, weil die Werbemöglichkeiten in einer Multifunktionshalle wie der Arena am Ostbahnhof sogar besser sind als in einem Stadion.

Die größte Schwierigkeit dürfte sein, einen Termin zu finden. Es besteht während der kurzen Hallensaison der Leichtathleten nur ein kleines Zeitfenster. Es gebe nur „eine Handvoll Termine“, die in Frage kämen, erklärte Seeber. Doch ob sich diese mit den langfristigen Planungen der O2 World koordinieren lassen, ist fraglich.

Ein Fragezeichen steht auch hinter dem „richtigen“ Istaf (Etat 1,7 Millionen Euro), dem traditionellen Meeting im Olympiastadion, das für den 31. August 2014 geplant ist und auch von Seeber und Co. veranstaltet wird. „Es gibt eine Finanzierungslücke im sechsstelligen Bereich“, berichtete Seeber. Wenn sich in den kommenden acht Wochen nichts ändere, „dann müssen wir überlegen...“

Allerdings bleibt die Hoffnung, dass das gelungene Istaf Indoor Sponsoren Appetit auch auf das Meeting im Sommer gemacht hat.