Erfolgreich

Bahn-Sprinterin Vogel krönt sich mit WM-Gold

Erster großer Einzeltitel fünf Jahre nach Horror-Unfall

Während das deutsche Team sich ein Siegerbier auf Sprint-Weltmeisterin Kristina Vogel gönnte, schaute die Titelträgerin fast ein wenig neidisch. „Cheers. So, jetzt trinkt ihr Bier und ich darf noch nicht“, sagte die 23-Jährige nach ihrem zweiten Gold bei der Bahnrad-WM im kolumbianischen Cali. Nein, sie durfte nicht, denn am Sonntagabend (nach Redaktionsschluss) ging Vogel im Keirin noch einmal als Mitfavoritin auf das Holzoval.

Immerhin war genügend Zeit, sich über ihren ersten großen Einzeltitel zu freuen. Die Erfurterin hatte die Qualifikation als Erste beendet, dann souverän das Finale erreicht und dort die Chinesin Tianshi Zhong beherrscht. „Ich habe von Anfang an gezeigt, hier führt nix an mir vorbei“, sagte Vogel. Lange hatte die Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin im Teamsprint auf diesen Erfolg hingearbeitet. Schon nach Olympia 2012 begann der intensive Schliff an Taktik, mentaler Stärke und der im Sprint so wichtigen Explosivkraft. „Es wurde mal Zeit. Es hat nie richtig geklappt, es lief immer irgendwas schief“, sagte Vogel.

Fast fünf Jahre nach einem schweren Unfall, als ein Kleinbus ihr beim Radtraining die Vorfahrt genommen hatte und Vogels Leben zwischenzeitlich am seidenen Faden hing, soll der erste deutsche Sprint-Weltmeistertitel seit 1986 nur der Anfang sein. „Ich habe Blut geleckt“, sagte die gebürtige Kirgisin. Außerdem hat sie mit Teamsprint-Partnerin Miriam Welte gleichgezogen, die im 500-m-Zeitfahren die Schnellste gewesen war. „Hey, wir sind das erfolgreichste WM-Zimmer“, sagte Vogel. Für eine große Überraschung hatte am vierten Wettkampftag die Cottbuserin Stephanie Pohl im Punktefahren gesorgt. Die 26-Jährige gewann hinter der Australierin Amy Cure die Silbermedaille und sicherte dem BDR den ersten Podestplatz im Ausdauerbereich. „Perfekt“, sagte Pohl, „aber das war mein bisher härtestes Rennen.“

Im Sprint der Männer war Titelverteidiger Stefan Bötticher (Leinefelde) bis zum Finalabend auf bestem Wege, erneut Weltmeister zu werden. Der 22-Jährige hatte im Viertelfinale den Niederländer Jeffrey Hoogland in zwei Durchgängen besiegt und traf im Halbfinale auf Matthew Glaetzer aus Australien. Enttäuschend verlief der Wettkampf dagegen für Mitfavorit Robert Förstemann. Dem Greizer spielten einmal mehr die Nerven einen Streich, zudem hatte er bei seinem Ausscheiden gegen den britischen Olympiasieger Jason Kenny großes Pech. „Mit einer Pixelreihe im Zielfoto zu verlieren, ist aber schon tragisch“, sagte Sprint-Coach Uibel.