Fußball

Der Traum von der WM lebt

Sechs Herthaner hoffen auf einen Start in Brasilien. Nur Hosogai hat das Ticket sicher

John Brooks herzte Alfredo Morales beim Wiedersehen. Das Duo traf sich am Treffpunkt für die US-Nationalmannschaft in Frankfurt/Main. Der Herthaner Brooks wurde von US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann nach überstandener Verletzung für ein Freundschaftsspiel der USA gegen die Ukraine eingeladen. Morales, viele Jahre in Berlin Teamkollege und Freund von Brooks, reiste nach der Partie von Zweitligist FC Ingolstadt zum US-Team.

Am Mittwoch ist der letzte Länderspiel-Termin, ehe die Nationaltrainer Anfang Mai ihre vorläufigen Aufgebote für die Weltmeisterschaft in Brasilien bekannt geben (12. Juni bis 13. Juli). Die letzte Gelegenheit, um sich in der jeweiligen Landesauswahl zu präsentieren. Von Hertha BSC sind bis zum kommenden Donnerstag zehn Spieler international im Einsatz. Aber nicht jeder hat etwas mit dem Höhepunkt des Fußballjahres zu tun. Torwart Rune Jarstein und Per Skjelbred spielen mit Norwegen in Tschechien, allerdings hat sich Norwegen ebenso wenig für die WM qualifiziert wie die Slowakei. Für die ist Peter Pekarik am Start und trifft auf Israel, wo erstmals seit anderthalb Jahren Ben Sahar wieder eingeladen wurde (derzeit von Hertha an Arminia Bielefeld ausgeliehen). Vier Youngster spielen für Nachwuchsnationalmannschaften: Nico Schulz (U21), Marius Gersbeck, Hany Mukhtar und Anthony Syhre (alle U19).

Somit bleiben sechs Herthaner, die Chancen auf das ersehnte WM-Ticket nach Brasilien haben.

Hajime Hosogai Bei Hertha ist der Mittelfeldrenner gesetzt. Trainer Jos Luhukay stellte Hosogai in allen 23 Saison-Partien jeweils in der Startelf auf. In Japan muss er sich anstellen, ist dort im defensiven Mittelfeld die Nummer 3. Aber seit Jahren ist Hosogai von „Heltha Belrin“, wie es auf der offiziellen Webseite des japanischen Fußballverbandes heißt, eine etablierte, zuverlässige Größe. 25 Länderspiele hat Hosogai bereits absolviert. WM-Chance: 100 Prozent.

Adrian Ramos Der Torjäger hat sich mit der bisher besten Saison in viele Notizbücher gespielt: In die von Borussia Dortmund, vom AS Monaco, in England gibt es mehrere Interessenten. Aber auch Ramos muss sich in seiner Nationalmannschaft anstellen. Kolumbien gilt nach einer bärenstarken WM-Qualifikation als Geheimfavorit für das Turnier in Brasilien. Dank einer sehr starken Offensive beendete die Mannschaft von Nationaltrainer Jose Pekerman die Qualifikation als Gruppen-Zweiter hinter Argentinien. Ramos wurde trotz seiner herausragenden Bundesliga-Saison erst jetzt, zum allerletzten Test, eingeladen, als Superstar Falcao sich einen Kreuzbandriss zuzog. Sehr wahrscheinlich wird der 50-Millionen-Stürmer vom AS Monaco nicht rechtzeitig fit. Dennoch hat Ramos mit Jackson Martinez (FC Porto) hochkarätige Konkurrenz. Vorteil Ramos: Er ist mit 28 Jahren im besten Fußballalter. Das Stahlbad Bundesliga hat auch in Kolumbien eine gute Reputation. Einen Stürmer, der selbstbewusst ist, weil er trifft, kann jeder Nationaltrainer brauchen. Zudem ist Ramos in der ‚Selección Colombia’ bekannt, der Herthaner hat zwischen 2008 und 2011 insgesamt 22 Länderspiele absolviert. WM-Chance: 60 Prozent

Fabian Lustenberger Klingt kurios, ist aber wahr: Fabian Lustenberger wird das Länderspiel der Schweiz gegen Kroatien vom heimischen Sofa aus verfolgen – dennoch sind seine WM-Aussichten intakt. Der Hertha-Kapitän steht im Fokus von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Im vergangenen November gab Lustenberger, nach zuvor vielen Partien für die U23 der Eidgenossen, sein Länderspiel-Debüt. Auch in der Schweiz sieht der Trainer den gelernten Mittelfeldspieler als Innenverteidiger. Die Schweiz hat fünf Manndecker auf ähnlichem Niveau, vier lösen das WM-Ticket. Der ehemalige Herthaner Steve van Bergen ist einer davon, Lustenberger gehört zu diesem Kreis. Ein guter Teamspieler mit Führungsqualitäten ist Lustenberger ohnehin. Dazu kommt die Vielseitigkeit des Berliners. WM-Chance: 30 Prozent.

John Brooks Der 20-Jährige durchlebt eine schwierige erste Bundesliga-Saison. Die Rückrunden-Vorbereitung verpasste er wegen einer Verletzung. Mittlerweile ist er wieder fit. Muss sich auf seiner Position aber hinter Lustenberger, Langkamp und Kobiashvili anstellen. Die Einladung von US-Nationaltrainer Klinsmann wird ihm gut tun. Eigentlich jedoch fordert Klinsmann von seinen Nationalspielern regelmäßige Spielpraxis. Wenn die Verteidiger im US-Team gesund bleiben, kommt die WM für Brooks vier Jahre zu früh. WM-Chance: zehn Prozent

Marcel Ndjeng Der Überraschungskandidat der Liste. Und das, obwohl der Herthaner fehlt, wenn Kamerun Mittwoch gegen Portugal spielt. Doch Ndjeng, geboren in Bonn, hat zwischen 2008 und 2010 fünf Länderspiele bestritten für das Heimatland seines Vaters. Für Volker Finke, Nationaltrainer von Kamerun, ist Ndjeng eine Art Rückversicherung: Im Prinzip ist er nicht dabei. Besteht aber Bedarf, kann Ndjeng, 31, in der Abwehr oder im Mittelfeld einspringen. WM-Chance: drei Prozent

Pierre-Michel Lasogga HerthaTrainer Jos Luhukay räumte ein, dass er überrascht war von den vier Neuberufungen durch Bundestrainer Joachim Löw, darunter auch Lasogga. „Ich freue mich für Pierre. Das ist eine Anerkennung seiner Leistung beim HSV“, sagte Luhukay. Lasogga, von Hertha bis Saisonende nach Hamburg ausgeliehen, gibt wohl am Mittwoch gegen Chile sein Länderspiel-Debüt. Da die etablierten Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez seit Monaten schwächeln, ist die Tür für den bulligen, willensstarken Lasogga ein ganzes Stück offen. WM- Chance: 25 Prozent