Volleyball

„Es müssen endlich Erfolge her“

Berlins Manager Kaweh Niroomand kritisiert vor dem Volleyball-Pokalfinale gegen Friedrichshafen Fehler in der Liga

Am Sonntag wollen die BR Volleys zum ersten Mal seit 2000 wieder den deutschen Volleyball-Pokal gewinnen. Vor über 10.000 Zuschauern trifft der Deutsche Meister im Finale von Halle/Westfalen auf seinen Erzrivalen VfB Friedrichshafen (15.30 Uhr). Im Gespräch mit Dietmar Wenck beschreibt Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand, 61, die Besonderheit dieses Spiels, erinnert sich an den ersten Pokalsieg und wünscht sich endlich Fortschritte in der Deutschen Volleyball-Liga (DVL).

Herr Niroomand, eine Fee erfüllt Ihnen drei Volleyball-Wünsche. Welche wären das?

Dass unsere Spieler bis zum Ende der Saison gesund bleiben. Und dass wir dieses Jahr das Double aus Pokal und Meisterschaft schaffen – das heißt, zwei Wünsche in einem.

Warum ist das Pokalfinale so wichtig?

Weil in Halle die ganze Volleyball-Familie aus Deutschland zusammenkommt. Über 10.000 Zuschauer sind dort. Das ist ein Happening. Wir haben das Finale seit 2005 nicht mehr erreicht, komischerweise, seit es in Halle stattfindet. Das war immer ein Traum für uns.

Welche Bedeutung hat dieses Endspiel für den deutschen Volleyball?

Es ist unglaublich wichtig. Ich glaube, es ist eine dieser Großveranstaltungen, die der Volleyball braucht. Deshalb bemühen wir uns ja auch um die Ausrichtung des Final Four der Champions League im nächsten Jahr. Deshalb war es wichtig, dass die Frauen-EM in Deutschland stattfand. Über solche Großereignisse schaffen wir es, den Volleyballsport immer populärer zu machen. Man erreicht eine ganz andere Öffentlichkeit, ARD und ZDF berichten. Wir können uns nicht beschweren, wir haben Volleyball durch unsere Spiele in der Schmeling-Halle richtig populär gemacht. Aber Berlin allein reicht nicht. Es müssen mehr Zähne ineinander greifen. Da spielt das Pokalfinale eine große Rolle. Und mit der Ansetzung jetzt: Beide Teams sind da, die in den vergangenen 16 Jahren immer Meister geworden sind. Jetzt stehen sie sich in Halle zum ersten Mal gegenüber. Das wollen alle sehen. Es ist das Duell der beiden Aushängeschilder des deutschen Männervolleyballs.

Sie treffen auch auf VfB-Trainer Stelian Moculescu, mit dem Sie nicht gerade eng befreundet sind...

...ja, das auch. Aber nicht die einzelnen Personen sind wichtig. Ich habe große Achtung vor dem, was Friedrichshafen als Serienmeister und sogar Champions-League-Sieger sportlich geleistet hat. Da sind wir ganz, ganz weit von entfernt, wir haben ja dort noch nicht mal das Viertelfinale erreicht. Menschen verbinden gerade Sportarten, die nicht so in der Öffentlichkeit stehen wie Fußball, mit besonderen Mannschaften oder besonderen Persönlichkeiten. Friedrichshafen hat etwas Einmaliges geschafft und verdient diesen Respekt. Ich würde mich aber freuen, wenn es bald noch mehr Städte als Berlin und Friedrichshafen geben würde, mit denen man Volleyball verbindet.

Einen starken Kontrahenten drohen Sie zu verlieren: Generali Haching hat große finanzielle Probleme. In dieser Saison haben die RWE Volleys Bottrop den Spielbetrieb eingestellt, letzte Saison war KW-Bestensee am Ende. Das wirft alles kein gutes Bild auf die Sportart.

Wir haben positive Entwicklungen wie in Berlin, Bühl, Rottenburg oder Düren, aber leider auch diese negativen Meldungen. In Bottrop wurde ein Harakiri-Management betrieben. Das ist unverantwortlich dem deutschen Volleyball gegenüber, sich irgendwie eine Lizenz zu beschaffen und dann Negativschlagzeilen für die ganze Liga zu verursachen.

Hat da nicht auch die Liga versagt? Hat sie keine Kontrollmechanismen, um so etwas zu verhindern?

Wenn Sie mit der DVL sprechen, das habe ich natürlich auch getan, schließlich bezahlen wir teures Geld für das Lizenzierungsverfahren, bekommen Sie als Antwort: Wenn wir falsche Zahlen bekommen, können wir nichts machen.

Das klingt nicht professionell.

Da muss sich die DVL was einfallen lassen. Ein gutes Bild hat sie nicht abgegeben.

Sehen Sie denn Volleyball insgesamt auf einem guten Weg?

Ich sehe positive Tendenzen, aber auch Punkte, wo wir nicht weitergekommen sind. Zum Beispiel bei der Zentralvermarktung. Ich habe schon vor zwei Jahren vorgeschlagen, sie in professionelle Hände zu geben. Zum ersten Mal hatten wir Anfragen professioneller Vermarkter. Vorher haben die immer gesagt, Volleyball ist für uns uninteressant, da ist kein Geschäft zu machen. Aber die Liga wollte das allein machen, gemeinsam mit dem Deutschen Volleyball-Verband. Ziel war, Liga und Nationalmannschaft gemeinsam zu vermarkten. Ich glaube, das ist der falsche Weg. Nun sind wir kein Stück weitergekommen. Der für Marketing zuständige Mann ist jetzt auch noch gerade gegangen, das heißt, wir müssen wieder bei Null anfangen. Die DVL sollte sich selbst vermarkten, ein Profi muss das tun. Und dafür muss man investieren. Die Zentralvermarktung ist eine Schlüsselfrage, die geklärt werden muss.

Was hat denn die DVL bisher auf den Weg gebracht? Wenn Kontrolle und Vermarktung nicht funktionieren?

Diese Frage wird unter den Vereinen auch häufig gestellt. Niemand sollte darauf warten, dass die DVL die Probleme der Vereine löst. Die Klubs sind selbst gefordert, Konzepte auf die Beine zu stellen, die in ihrer Region funktionieren. Das ist 80 Prozent der Arbeit. Aber die restlichen 20 Prozent müssen schon von der DVL kommen. Die DVL-Geschäftsstelle hat zunächst einmal eine gewisse Reinigung betrieben, hat die Öffentlichkeitsarbeit verändert, die Webseite, die Geschäftsstelle optimiert. Jetzt muss auch etwas nach außen passieren. Es müssen Erfolge her. Wenn in den nächsten Monaten nichts passiert, wird es schwer sein, die Investitionen der Klubs zu rechtfertigen.

Wo sehen Sie noch Herausforderungen?

Da gibt es einiges. Nehmen wir das Diktat der Verbände. Die Vereine zahlen die Spieler, haben aber kein Mitspracherecht, vor allem in den internationalen Verbänden. Es kommt zu irrwitzigen Spielplänen. Wir haben eine sehr kurze Saison, die auch noch ständig unterbrochen wird, weil irgendwelche Turniere anstehen. Das geht mir unheimlich auf die Nerven. Wir brauchen europaweit eine Interessensvertretung der Vereine. Dann ist da die Integration des Nachwuchses, die Talentförderung. Seit Jahren wird über die Ablösung der Olympiastützpunkte in Form von VC Olympia geredet. Die Landesverbände müssen mehr in den Nachwuchs investieren, ein Konzept entwickeln. Es kann ja bis zum Juniorenbereich etwa das Projekt VC Olympia beibehalten werden. Aber für die Jugendlichen, die 18 bis 20 Jahre alt und im kritischen Alter für den Sprung in den Erwachsenenbereich sind, würde ich mir zwei Vereine wünschen, die solche jungen Spieler integrieren. Sie sollen unter normalen Bedingungen in der Bundesliga spielen. Einer der beiden sollte vom Bundestrainer Vital Heynen trainiert werden. Nehmen wir als Beispiel Rottenburg und, wenn sie denn wieder aufsteigen, KönigsWusterhausen. Alles in Kooperation mit dem Bundestrainer. Damit es gelingt, pro Jahr zwei bis drei neue Talente hervorzubringen. Es bringt doch nichts, wenn die Jungen wie bisher als Losertruppe vom VC Olympia die ganze Saison über die Punkte um die Ohren gehauen bekommen.

Wären Sie denn bereit, auch Spieler abzugeben? Etwa Ihre aktuell größten Talente Ruben Schott und Florian Hecht?

Ja. Wir haben jedes Jahr das Problem, dass wir gute Nachwuchsspieler haben, die wir nicht genügend einsetzen können. Denn wir wollen ja auch Deutscher Meister werden und in der Champions League bestehen.

Zum Abschluss zurück zum Pokal: Können Sie sich noch an den ersten Triumph mit dem SCC erinnern?

Ja, klar. Das war 1994, ein heiß umkämpftes Spiel in Friedrichshafen gegen den ASV Dachau. Damals haben Sprungaufschläge von Konstantin Burjakin die Partie entschieden. Er war einer der ersten Spieler, die das konnten.

Und wissen Sie auch noch, wer damals Dachaus Trainer war?

Natürlich (lacht): Stelian Moculescu.