Fußball-Bundesliga

Robben-Gala schockt Schalke

Der FC Bayern demütigt die Königsblauen dank eines Dreierpacks des überragenden Niederländers

Der FC Bayern hat Schalke 04 die nächste Fußball-Lehrstunde erteilt und strebt weiter der schnellsten deutschen Meisterschaft entgegen. Mit dem 15. Sieg nacheinander stellten die Münchner am Sonnabend beim 5:1 (4:0) zudem ihren Rekord aus dem Jahr 2005 ein. Vor 71.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena sorgten David Alaba (3.), Arjen Robben (15./28.) und Mario Mandzukic (24.) bei einer meisterlichen Gala früh für klare Verhältnisse. Mit dem klaren Vorsprung im Rücken ersparte der Triplesieger dem Gast drei Tage nach dessen 1:6 gegen Real Madrid eine noch schlimmere Lektion und gestattete gar einen Ehrentreffer.

Rafinha (64.) lenkte den Ball zum 4:1 ins eigene Tor, Robben (78./Foulelfmeter) stellte aber den alten Abstand schnell wieder her. Strafstoß-Verursacher Kyriakos Papadopoulos (75.) bekam zudem die Rote Karte wegen einer Notbremse. „Heute hat es Spaß gemacht“, sagte Dreifachtorschütze Robben. „Ich glaube, dass war eine der besten Halbzeiten, seitdem ich bei Bayern bin. Da war so viel Tempo drin“, ergänzte der Niederländer. Bei den Schalkern herrschte fast schon Schockstarre: „Schlimmer ging es nicht mehr wie wir aufgetreten sind. Das war hochgradig peinlich in der ersten Halbzeit“, sagte Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes: „Wir haben mit viel zu viel Respekt gespielt und vielleicht sogar auch mit ein bisschen Angst.“

Die Rekordmeister-Show auf dem Rasen ging gegen die nach der Real-Pleite demoralisierten Gelsenkirchener früh los. Alabas Freistoß aus 30 Metern wurde von Roman Neustädter unhaltbar abgefälscht. Einen ersten von vielen Höhepunkten durfte das durch viele feine Einlagen der Bayern-Stars verwöhnte Publikum dann nach einer Viertelstunde bestaunen. Einen Pass von Mandzukic hob Robben an Fährmann vorbei zum 2:0 ins Schalker Tor. Schnell wurden in der Fankurve Meistergesänge angestimmt – und Rufe nach einem zweistelligen Resultat laut.

Mehr als ein Klassenunterschied

Die Bayern um Kapitän Bastian Schweinsteiger machten mit den bemitleidenswerten Gästen, was sie wollten. Erster gegen Vierter lautete die Paarung, aber es lag mehr als nur eine Klasse zwischen München und Schalke. Das Fehlen von verletzten oder geschonten Stars wie Franck Ribéry, Thomas Müller oder Philipp Lahm war allenfalls eine Randnotiz im Wirbelwerk der Bayern.

Eine mustergültige Flanke von Alaba segelte in den Gelsenkirchener Strafraum, unbedrängt sagte Mandzukic (24.) mit dem Kopf auf seine Art Danke – das 14. Saisontor des Kroaten. Vier Minuten später erhöhte Robben auf 4:0. Der nächste mächtig frustrierende Abend für Fährmann, der allerdings gegen Toni Kroos (31.) und Mandzukic (40.) einen noch höheren Pausenstand verhinderte, nahm mehr und mehr Gestalt an. Erst nach dem Seitenwechsel konnte sich der Keeper wieder ein besseres Gefühl holen und war dennoch richtig bedient. „Ich bin total sauer. Wir nehmen uns immer so viel vor“, schimpfte er: „Wir müssen Männer werden und dazwischen hauen. So war das einfach nichts.“

Und auf der anderen Seite? Da wurde der frühere Schalker Liebling Manuel Neuer lange nur frenetisch vom eigenen Anhang bejubelt, wenn er überhaupt einmal einen Ball berührte. Als die Münchner allerdings schon gefühlt auf dem Weg in die Kabine waren, unterstrich Neuer doch noch seine Klasse als Torwart. Binnen 60 Sekunden durfte er einen Freistoß von Christian Fuchs (43.) halten, reagierte mit starkem Reflex gegen Joel Matip und rettete mit einer Glanzparade gegen Höwedes (44.). 80 Prozent Ballbesitz und 92 Prozent erfolgreiche Pässe lauteten eindrucksvolle Statistikwerte in Halbzeit eins.

Notbremse von Papadopoulos

Nach dem Seitenwechsel durfte sich dann Schalke einmal an ein bisschen Offensivarbeit versuchen. Die Bemühungen verpufften oft planlos. Bei einem Pass von Julian Draxler auf Klaas-Jan Huntelaar (61.) kam mal Gefahr auf, aber der Niederländer blieb auch im fünften Liga-Spiel gegen den FCB ohne Tor. Anders Rafinha. Nach einem Eckball von Jefferson Farfan lenkte der ehemalige Schalker den Ball ins eigene Tor. Nach gut einer Stunde schalteten die Münchner in ihrer Pass-Maschinerie wieder einen Gang hoch. Fährmann rettete aber gegen Mandzukic (65./68.), Schweinsteiger (67.) und Mario Götze (68.). Nach der Notbremse von Papadopoulos an Mandzukic verwandelte Robben dann den fälligen Strafstoß. Sein vierter Dreierpack in der Bundesliga – bei seiner Auswechslung konnte er sich feiern lassen (84.).

„Wir haben in der ersten Halbzeit einen guten Rhythmus gehabt, unsere Vorstellung war sehr gut. Wir sind der Titelverteidigung wieder ein Stück näher gekommen“, sagte Bayern-Coach Pep Guardiola. Schalke-Trainer Jens Keller war hingegen fassungslos: „Die erste Halbzeit war das Schlechteste, was ich jemals gesehen habe. Das war katastrophal, wirklich eine außergewöhnlich schlechte Leistung.“